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Wittlichs stehen wieder auf eigenen Füßen

Oberraden. Gejammert hat Sabine Wittlich nie. Doch 2017 ist selbst die starke Frau aus Oberraden mit ihren Kräften am Ende. Ehemann Markus hat seit elf Jahren Multiple Sklerose (MS), und seine Erkrankung ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass er bei jedem Handschlag Hilfe braucht. Sohn „Joni“ (5) wirbelt durch die Wohnung, und dann diagnostizieren die Ärzte bei Sabine selbst auch noch Krebs. Sie hat einen Tumor in der Brust, die Chemotherapie macht sie fertig – so sehr, dass sie über ihren Schatten springt: Sie bittet um Hilfe. Und die
kommt.

Die Leser unserer Zeitung zeigen sich bewegt vom Schicksal der Familie aus Oberraden (Kreis Neuwied) und greifen tief in die Tasche. In der Folge kann HUL gleich an mehreren Stellen helfen. Heute, kurz vor Weihnachten 2019, sehen die Wittlichs so wieder Licht am Ende des Tunnels. Es geht spürbar bergauf, vor allem für Sabine, die unermüdlich daran arbeitet, wieder auf den eigenen Füßen zu stehen. Denn weil ihre medizinische Behandlung abgeschlossen ist – nach aktuellem Stand erfolgreich – und HUL eine Pflegekraft bezahlt, die sich vormittags um Ehemann Markus kümmert, kann die Enddreißigerin wieder arbeiten gehen. Das macht sie so gut, dass das Neuwieder Therapiezentrum Balance sie gebeten hat, die therapeutische Leitung zu übernehmen. „Sie finden, dass ich qualifiziert bin“, sagt sie mit einem Lächeln. Weil das Einkommen daraus allein aber nicht reicht, bildet sie sich parallel weiter und absolviert eine Ausbildung zur Gesundheitsberaterin (GGS). Im Frühjahr steht die
Prüfung an.

„Irgendwie müssen wir ja wieder selbst klarkommen. Und wenn wir Gas geben, schaffen wir das auch“, ist sie zuversichtlich, ohne dabei zu vergessen, sich ausdrücklich bei allen Spendern zu bedanken. „Wenn wir die Unterstützung durch den Verein nicht hätten, würde das alles nicht funktionieren. Ich hätte den Wiedereinstieg in die Arbeit nicht schaffen können“, weiß sie und berichtet im gleichen Atemzug von komplizierten und langatmigen Verhandlungen mit der Krankenkasse. „Allein auf das System kann man sich leider nicht verlassen.“ Und Markus? Dessen Gesundheitszustand wird sich nicht mehr verbessern. Seine Lebensfreude hat er dennoch nicht verloren. Das liegt in erster Linie an seiner Familie, zu der neuerdings auch Lucky gehört, ein verspielter einjähriger Bolonka-Hund, der ihm auch auf dem Bett gern Gesellschaft leistet. „Das ist unser Therapiehund“, sagt Sabine Wittlich. „Allerdings nur im übertragenen Sinn. Denn ausgebildet ist er nicht. Das kostet ja ein Vermögen.“

Was Markus zudem Mut gibt, ist, dass er wieder mehr am Leben außerhalb der eigenen vier Wände teilhaben kann. Denn HUL hat nicht nur den behindertengerechten Umbau des Familienautos finanziert, sondern auch den Weg durch den Garten pflastern lassen. Die Wohnung der Wittlichs liegt im ersten Stock, hat aber vom Wohnzimmer zum Garten einen ebenerdigen Ausgang. Früher konnte Markus hier nur bei gutem Wetter hinausgeschoben werden. Jetzt geht das „mal eben“. „Das bedeutet mir unheimlich viel“, freut sich Markus: „Danke!“

Foto: Trotz des gesundheitlichen Schicksals haben die Wittlichs – Jonathan (5), Markus, Sabine und Hund „Lucky“ – den Lebensmut nie verloren. Dank der von HUL finanzierten Pflegekraft kann Sabine Wittlich wieder arbeiten gehen. Sie tut alles dafür, dass die Familie wieder auf eigenen Füßen steht. Foto: Ulf Steffenfauseweh

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Neuer Kleinbus ist große Hilfe im Alltag

Höhr-Grenzhausen. Tapfer ist Jana Böcking. Und sie hat Stolz. Doch den kann sie sich derzeit nicht leisten. Denn die 45-Jährige aus Höhr-Grenzhausen ist seit elf Monaten Witwe – und das mit vier Söhnen im Alter von eineinhalb bis neun Jahren. Neben der Trauer ist auch noch die finanzielle Situation desaströs. Gerade ist ihr 16 Jahre alter Wagen kaputtgegangen. In dieser Notlage ist HELFT UNS LEBEN (HUL), die Initiative unserer Zeitung für Menschen in Not, schnell und unbürokratisch in die Bresche gesprungen. Geschäftsführer Hans Kary und Vorstandmitglied Anne Schattner übergaben der Familie jetzt einen blauen VW-Bus T 6.

„Das ist eine Sorge weniger“, sagt Jana Böcking und lächelt: „Ich liebe den Bus. Ohne Auto geht es leider gar nicht. Wie soll ich sonst einkaufen? Und ich muss die beiden Älteren zu zwei unterschiedlichen Schulen fahren und den Vierjährigen in den Kindergarten.“ Auch die vier Jungen sind begeistert vom schicken Multivan und turnen beim Termin mit unserer Zeitung im Innenraum herum. Hans Kary strahlt, als er diese ausgelassene Freude sieht. „Es war ein großes Glück, dass bei VW Nutzfahrzeuge Koblenz ein Leasing-Rückläufer kurzfristig zur Verfügung stand.“ So konnte HUL innerhalb von 14 Tagen der Familie in Höhr-Grenzhausen helfen. Jana Böcking ist darüber sehr dankbar. Auch über die Hilfe, die sie durch ihre Freunde erfährt. Sogar weitläufige Bekannte haben sich mittlerweile zu einem festen Halt entwickelt. „Mir wird mal gekocht, oder jemand macht die Wäsche. Das ist großartig.“

Dann kommt das Gespräch auf ihren verstorbenen Mann Roger. Immer wieder stockt die zarte Blondine in ihren Erzählungen, atmet tief durch und blinzelt Tränen weg. Man merkt: Jana Böcking hat es verinnerlicht, dass sie stark sein muss für ihre Kinder und für sich selbst. Die tiefe Trauer, die Verzweiflung kann sie nicht zeigen. Auch nach fast einem Jahr hat sie keinen Moment für sich gehabt, um den Verlust ihres Mannes zu verarbeiten. Roger Böcking war ihre Liebe, ihr Halt. Wegen einer Frühverrentung kümmerte er sich um Haushalt und Kinder. Die Wohnung in Höhr-Grenzhausen hatte er mit viel Geschick zu einem gemütlichen Nest umgebaut. Sie hingegen verdiente das Geld als Ergotherapeutin.

Im Dezember 2016 schien dann das Glück des Paares perfekt. Es hatte gerade erfahren, dass es das vierte Kind erwartet. Doch im Januar schlug das Schicksal erbarmungslos zu: Roger Böcking erhielt die Diagnose Krebs. Schnell ging es ihm immer schlechter. „Ich war schwanger und musste ihn pflegen.“

Im Juni 2018 starb er – gerade einmal 57-jährig. Das Leben von Jana Böcking und den Kindern war auf den Kopf gestellt. Und ist es immer noch. Man merkt: Verarbeitet hat die Höhr-Grenzhäuserin den Verlust noch nicht. Die Wucht des Verlustes trifft sie erst allmählich mit voller Härte. „Anfangs war ich wie betäubt, habe funktioniert. Ich wünsche mir so sehr mal Zeit für mich.“ Wie die Zukunft aussehen soll, weiß sie noch nicht.

Mit vier kleinen Kindern ist es ihr derzeit nicht möglich zu arbeiten. Sie hat die Elternzeit um zwei Jahre verlängert. Sie und ihre Söhne leben von einer kleinen Witwenrente, dem Halbwaisengeld der Jungen sowie Wohngeld. Kleidung wird meist gebraucht gekauft. Und Essen muss sie bei der Tafel holen. Ein Schritt, der ihr unendlich schwerfiel. „Aber ich habe keine Wahl“, sagt sie und schluckt. Für jemanden, der bisher im Leben immer allein zurechtkam, ist das Bitten um Hilfe schwierig.

Foto: Hans Kary (links) und Anne Schattner (rechts) von HELFT UNS LEBEN übergeben Jana Böcking und ihren vier Söhnen einen blauen VW-Bus. Seit dem Tod des Familienvaters stecken die fünf in finanziellen Schwierigkeiten. Foto: Camilla Härtewig

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Welle der Hilfsbereitschaft für die Wittlichs

Zu Weihnachten gibt es Lichtblicke für Familie aus Oberraden – Auto behindertengerecht umgebaut

Oberraden. Markus Wittlich leidet seit rund zehn Jahre an Multipler Sklerose. Nach einigen Krankheitsschüben ist der früher sportliche Mann bettlägerig. Wenn er sich bewegen will, zittert er, schlagen seine Arme unkontrolliert aus. Das Sprechen fällt ihm schwer. Ehefrau Sabine pflegt ihn. Doch dann wird bei ihr Krebs diagnostiziert, und sie wird dafür zu schwach: Das doppelt schwere Schicksal von Familie Wittlich aus Oberraden ist kaum zu fassen – und hat die Menschen in der Region auch in der Vorweihnachtszeit tief bewegt. Nachdem unsere Zeitung auf die Nöte aufmerksam gemacht und HELFT UNS LEBEN zu Spenden aufgerufen hatte, setzte weit über die Verbandsgemeinde Rengsdorf hinaus eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft ein.

Chöre haben für die Wittlichs gesungen, eine Benefizgruppe aus Puderbach führte ein Theaterstück auf, am Kindergarten in Straßenhaus und bei der Parfümerie Heddesheimer in Rengsdorf gab es Aktionen. Erlöse eines Flohmarkts am örtlichen Rewe und vom „Wake up“-Festival in Linkenbach flossen in den Spendentopf, die Frauengemeinschaft aus Hahn am See organisierte einen Adventsmarkt zugunsten der Familie. Die Anneliese-Mertinat-Stiftung aus Bonefeld hat 3000 Euro für die Verbesserung der Pflege überwiesen, Nachbarn haben ihre Hilfe angeboten. Und, und, und. Denn die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vor allem haben ganz, ganz viele Leser unserer Zeitung gespendet. Und so gibt es zu Weihnachten für Familie Wittlich bei allen weiter vorhandenen Gesundheitsproblemen Lichtblicke. „Schon Wahnsinn, was auf dem Land alles geht“, freut sich Sabine Wittlich und betont: „Wir können uns bei allen nur ganz herzlich bedanken!“

Auch das größte – finanziell lösbare – Problem der Familie konnte so aus der Welt geschafft werden: Der Citroën Berlingo ist mittlerweile rollstuhlgerecht umgebaut. Wichtig, damit Markus Wittlich noch am Familienleben rund um den fast vierjährigen Sohn Jonathan teilhaben kann. Denn früher hat ihn Ehefrau Sabine noch aus dem Rollstuhl in den Wagen gehievt, wenn die Familie einen gemeinsamen Ausflug plante. Doch seit die 36-Jährige die Chemotherapie zur Krebsbehandlung durchmacht, ist sie so geschwächt, dass daran nicht mehr zu denken ist.

Umso größer war die Freude bei Markus Wittlich, als er kürzlich mit seinem Rollstuhl in den umgebauten Wagen gefahren werden und zum ersten Mal seit rund einem Jahr wieder richtig das Haus verlassen konnte. „Gut! Spektakulär!“, freute er sich bei der Wagenübergabe im Neuwieder Autohaus Schleich, das noch einen Inspektionsgutschein dazu schenkte. Noch besser: HELFT UNS LEBEN konnte zusagen, den Restkredit über etwas mehr als 14 000 Euro für den Berlingo abzulösen. Damit gehört der Wagen nun Wittlichs, die bislang die einzelnen Raten mithilfe von Eltern und Schwiegereltern zusammengekratzt hatten.

„Markus war riesig stolz auf seinen ersten Transport im umgebauten Wagen! Er hat schon wieder viele Ideen im Kopf“, schrieb Sabine Wittlich später nach der Rückkehr. Eine Idee, die in absehbarer Zukunft Realität wird, ist ein gemeinsamer Urlaub: Im April – wenn es Sabine Wittlich nach Beendigung der Chemotherapie hoffentlich wieder so gut geht, dass sie ihn auch genießen kann – werden sie für eine Woche auf einen Ferienbauernhof in der Eifel fahren, wo sich Jonathan richtig austoben kann. Die Wohnung hat HELFT UNS LEBEN schon gebucht, seit klar ist, dass die gute Stunde Fahrt bis in die Nähe von Prüm für Markus machbar ist. „Das ist eine tolle Sache“, freut sich Sabine Wittlich. „Joni ist jetzt in einem Alter, in dem er bleibende Erinnerungen sammelt. Der gemeinsame Urlaub wird bestimmt eine sein“, ist sie sicher.

Und dank des großen Spendenaufkommens werden auch noch weitere Hilfen möglich. Bei einem Termin im Januar wird konkret besprochen, wo genau weitere Unterstützung sinnvoll ist. Sabine Wittlich hat aber schon angedeutet, dass sie vor allem für personelle Unterstützung im Haushalt dankbar wäre. „Mit meinen zwei Männern gibt’s immer was zu tun“, sagt sie mit einem Lächeln und betont, dass sie das „auch aufrechterhält“. Trotzdem: Die Belastung für sie allein ist in ihrem aktuellen Gesundheitszustand zu hoch. Markus braucht permanente Assistenz, und Joni darf nach wie vor nicht in den Kindergarten gehen. Ihre Blutwerte sind zu schlecht, die Infektionsgefahr wäre viel zu hoch. „Ein bisschen mehr Manpower würde da schon guttun“, sagt sie.

Immerhin, eine große Hilfe haben sie schon gefunden: Die Krankenkasse hat eine Familienhelferin genehmigt, seitdem kommt Anne Schmidt von der Evangelischen Sozialstation in Straßenhaus. Die hat sich als doppelter Glücksgriff erwiesen – für die Wittlichs, in deren Haus sie nach Kräften mithilft, aber auch für Markus Wittlichs Schwager. Denn die beiden haben sich so kennengelernt und ineinander verliebt. Seitdem gehört Anne Schmidt praktisch zur Familie. Noch so ein Lichtblick zu Weihnachten.

Foto: Große Freude bei der Wagenübergabe (von links): Sabine und Jonathan Wittlich, (Schwieger-)Vater Wilfried Grab, Markus Wittlich, HELFT UNS LEBEN-Vorstandsmitglied Ulf Steffenfauseweh, Pflegerin Anne Schmidt von der Sozialstation Straßenhaus und Patrick Schleich vom gleichnamigen Autohaus. Foto: Jörg Niebergall

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Eine starke Familie braucht Hilfe

36-Jährige pflegt ihren an MS leidenden Ehemann – und erkrankt selbst an Krebs

Oberraden. Wenn Amerikaner „tough“ sagen, dann meinen sie damit Menschen wie Sabine Wittlich: Eine Frau, die kämpft und nicht jammert. Eine, die stark ist – aber jetzt doch in einer Situation steckt, in der sie um Hilfe bitten muss. Denn die junge Mutter aus Oberraden (Kreis Neuwied) hat nicht nur einen schwer kranken Mann zu pflegen, sie hat auch Krebs. Die Chemotherapie raubt der 36-Jährigen die Kraft.

Ihren Mann Markus weiterhin aus dem Rollstuhl in den Wagen zu hieven, um ihn am Familienleben teilhaben zu lassen, schafft sie nicht mehr. Den geleasten Citroën Berlingo könnte sie ablösen, wenn sie ihren Bausparvertrag kündigt. Doch den Wagen dann rollstuhlgerecht umbauen zu lassen, kostet fast 8000 Euro. Das ist einfach nicht mehr drin. Familie Wittlich braucht Hilfe.

Rückblende: Markus Wittlich ist ein sportlicher, junger Mann und in vielen Bereichen aktiv. Er hat schon Marathonläufe gemeistert, ein Sandsack hängt im Zimmer, er werkelt gern in der Garage. Dann 2006 der Schock: Die Ärzte diagnostizieren Multiple Sklerose (MS). Die Nervenkrankheit verläuft chronisch progredient, wie die Mediziner sagen. Das bedeutet zu Deutsch: Sein Zustand verschlechtert sich unaufhaltsam.

Anfangs sind die Symptome schwach ausgeprägt. Markus Wittlich kann noch halbtags als selbstständiger Computerfachmann arbeiten, kann Auto fahren, das Ehepaar fliegt gemeinsam in den Urlaub – zuletzt vor vier Jahren nach Korfu. Und sie bekommen sogar einen Sohn: Jonathan – „Joni“ genannt – ist heute dreieinhalb Jahre alt und der Wirbelwind in der Wohnung. „Er hält uns auf Trab“, sagt Sabine Wittlich, und sie lächelt dabei, weil sie das bei allem Stress nur positiv meint. Das Kind hält die Familie auch hoch.

Viel weniger erfreulich ist der Zustand ihres Mannes. Der hat sich dramatisch verschlechtert. Nach mehreren septischen Schocks ist Markus Wittlich bettlägerig, auf eine Verbesserung ist nicht mehr zu hoffen. Wenn der 48-Jährige sich bewegen will, leidet er an starker Ataxie: Er zittert, seine Arme schlagen unkontrolliert aus. Er kann nicht selbstständig essen, nur durch einen Strohhalm trinken. Wenn er redet, ist er vor allem für Außenstehende nur schwer zu verstehen. Bei all dem ist er aber geistig uneingeschränkt auf der Höhe. Markus Wittlich bekommt seinen Verfall voll mit.

Dass er deswegen nicht verbittert ist, verdankt er vor allem seiner Frau. Die macht morgens den Sohn fertig, bringt ihn in den Kindergarten, geht dann halbtags arbeiten und pflegt anschließend den Mann. Die Familie ist trotz allem noch viel unterwegs, macht immer wieder kleine Ausflüge. Möglich ist das, weil die Eltern und Schwiegereltern unterstützen, wo sie können. Auch Nachbarn, Freunde und Bekannte helfen immer wieder mit. Die Gemeinde hat bei der letzten Straßenerneuerung sogar ein kleines Stück Weg zum Garten mitteeren lassen. So hat Sabine Wittlich wenigstens die Chance, ihren Mann im Rollstuhl aus dem Haus zu bekommen – auch wenn der Weg ziemlich steil ist. „Wir sind manches Mal in den Büschen gelandet, aber Markus ist hart im Nehmen“, sagt sie und zwinkert ihrem Mann lächelnd zu.

Ihn in ein Pflegeheim zu geben, wäre weniger anstrengend und finanziell deutlich günstiger, kommt für Sabine aber nicht infrage. „Ich bin sicher, dass es ihm bei uns besser geht und wir besser auf ihn aufpassen“, erzählt sie mit voller Überzeugung. Und für den Sohn ist es unheimlich wichtig, dass der Papa da ist. „Als Markus kürzlich im Krankenhaus lag, hat er immer und immer wieder nach ihm gefragt“, sagt sie und berichtet von einer innigen Vater-Sohn-Beziehung trotz aller Einschränkungen: Wenn sie ihren Mann ins Auto gehievt hatte, war etwa klar, wer neben ihm sitzt und ganz begeistert ist.

Doch das ist heute praktisch unmöglich. Pfingsten war es, als Sabine Wittlich sich abtastete und dabei Knoten fühlte. „Bis dahin war ich nie krank, hatte nicht einmal einen Schnupfen. Da hatte ich ja auch überhaupt keine Zeit für“, erzählt sie. Doch dann die Schockdiagnose: Brustkrebs. Mittlerweile ist die 36-Jährige operiert worden. Die Aussichten? Ungewiss. Klar ist nur, dass Sabine Wittlich am Anfang von einem Jahr Chemotherapie steht. Und das hat Konsequenzen: Ihren Halbtagsjob als Physiotherapeutin kann sie vorerst nicht mehr ausüben. Auch für die Pflege ihres Mannes bräuchte sie Unterstützung. Passendes Personal zu finden, ist aber schwierig. Gleiches gilt für die Suche nach einer geeigneten Wohnung. Denn so sehr sich Wittlichs dank der tollen Dorfgemeinschaft in Oberraden wohlfühlen und so schön es ist, dass die Wohnung mit 130 Quadratmetern so geräumig ist, dass Markus im Rollstuhl halbwegs rangieren kann: Sie ist eigentlich zu teuer und vor allem alles andere als barrierefrei. Aber das bräuchten sie eigentlich, um mobil zu bleiben. Auch dabei braucht Familie Wittlich Hilfe.

HELFT UNS LEBEN ruft zu Spenden für Familie Wittlich auf. Wer helfen möchte, überweist bitt auf das Konto bei der Sparkasse Koblenz (MALADE51KOB) mit der Iban: DE72.5705.0120.0000.0013 13. Wer eine barrierefrei Wohnung in Oberraden oder Umgebung anbieten möchte, wendet sich an ulf.steffenfauseweh@rhein-zeitung.net

Foto: Familie Wittlich aus Oberraden ist schwer vom Schicksal gebeutelt. Ehemann Markus ist aufgrund Multipler Sklerose mittlerweile bettlägerig, jetzt hat seine Frau Sabine auch noch Krebs. Sohn Jonathan (3), hier auf dem Schoß seines Opas, kann trotzdem noch lachen. Foto: Ulf Steffenfauseweh

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Welle der Hilfsbereitschaft: Schicksal krebskranker Mutter bewegte viele

Stebach. Sabine Rogge hat eine Achterbahnfahrt der Gefühle hinter sich. Als die RZ sie im Frühjahr besuchte, wusste sie nicht, wie viel Zeit ihr angesichts der Krebserkrankung noch bleibt. Heute scheinen sie und ihre Familie die schwere Zeit wie durch ein Wunder hinter sich zu haben. Die guten Gefühle haben die Oberhand gewonnen.

Für Sabine Rogge haben sich eigentlich gleich zwei Wunder ereignet: Zum einen sind die Chemos überraschend gut angeschlagen. „Die Mediziner haben mir bescheinigt, dass der Krebs jetzt schläft. Der Tumor hinter meinen Rippen ist ganz klein geschrumpft und sehe lediglich wie Narbengewebe aus“, sagt sie. Zum anderen löste der RZ-Bericht über das Schicksal der jungen Familie eine Welle der Hilfsbereitschaft aus, die Sabine Rogge immer noch sprachlos macht. Menschen aus dem gesamten Verbreitungsgebiet der RZ bewegte die Geschichte und veranlasste viele im nördlichen Rheinland-Pfalz zu spontaner Hilfe: „Wir haben so viele Spenden auch von Menschen erhalten, die selbst nicht so viel haben, dass es mich jedes Mal zu tränen rührt, wenn ich daran denke. Und wer nichts geben konnte, der bedachte uns mit ganz lieben Worten. Auch das hat uns viel Kraft gegeben, und wir sind unendlich dankbar.“ Eine größere Spende ist darüber hinaus auch von der Hilfsaktion „HELFT UNS LEBEN“ an Familie Rogge weitergegeben worden.

So summierten sich letztlich meist Kleingeldbeträge zu einer Summe, mit der sich die Familie einen bis dahin nicht greifbaren Urlaubswunsch erfüllt: Heute hebt Sabine Rogge mit ihren Lieben zu einem Transatlantikflug in die Karibik ab. Drei Wochen Kuba stehen auf dem Programm, und die Vorfreude bei den Rogges war zuletzt allgegenwärtig.

Und das war in Sachen Urlaub und Erholung noch nicht alles: Der Waldbreitbacher Jürgen Grünwald, vielen auch als Initiator der Vortour der Hoffnung bekannt, hatte seine Kontakte spielen lassen. Schließlich erhielten die Rogges Nachricht vom Förderverein für krebskranke Kinder „Lützelsoon“ in Hennweiler. Der Verein gehört Jahr für Jahr zu den Begünstigten der Tour der Hoffnung und ermöglicht der Familie Anfang Herbst eine Woche kostenlosen Urlaub auf Schloss Wartenstein. Für Sabine Rogge ist das „einfach nur Wahnsinn“.

Obendrauf kommt, dass Rogges seit zwei Wochen in einem „Zuhause im Glück“ wohnen. Heißt: Eine Frau aus dem Westerwaldkreis, die die Familie bisher nicht kannte, hatte den Fernsehsender RTL II auf deren Schicksal und den Plan aufmerksam gemacht, immer, wenn wieder etwas Geld da ist, das Haus Stück für Stück weiter zu sanieren. Die Macher von „Zuhause im Glück“ nahmen daraufhin Kontakt nach Stebach auf, und Ende Juni rückten die TV-Architekten und Handwerker inklusive Kamerateams an, um die Wünsche der Familie binnen acht Tage Wirklichkeit werden zu lassen – und natürlich alles für die TV-Serie filmisch festzuhalten.

Für die Dauer der Baustelle im trauten Heim und wegen der späteren Überraschung beim Wiedereinzug verbrachten die Rogges ein paar unbeschwerte Tage im Westerwaldtreff Oberlahr. Vor zwei Wochen gab es vor dem Wohnhaus der Familie großen Bahnhof. Kamerateams positionierten sich für den Abschlussdreh mit den „Stararchitekten“ Eva Brenner und Mario Bleiker, die Handwerker legten eine Punktlandung hin und etwa 100 Angehörige, Freunde und Stebacher Bürger bildeten ein stimmgewaltiges Empfangskomitee. Die Tippgeber für RTL II waren auch dabei. „Sie sind inzwischen gute Freunde von uns“, so Sabine Rogge. Sie und ihre Familie dürfen zwar nicht verraten, was in ihrem Haus so alles neu ist, aber so viel steht fest: „Es ist der Hammer, uns ist eine Riesenlast genommen.“ Wer den Serienteil mit den Rogges sehen möchte, muss sich noch bis Herbst gedulden.

Sabine Rogge muss sich immer wieder kneifen, um glauben zu können, was alles passiert ist. Ihr selbst geht es „ganz gut, wenn ich alle meine Tabletten nehme“. Sie ist froh: „Wir haben jetzt ein ruhigeres Leben, das lässt das Schlimme in den Hintergrund rücken.“

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