Menü

Wittlichs stehen wieder auf eigenen Füßen

Oberraden. Gejammert hat Sabine Wittlich nie. Doch 2017 ist selbst die starke Frau aus Oberraden mit ihren Kräften am Ende. Ehemann Markus hat seit elf Jahren Multiple Sklerose (MS), und seine Erkrankung ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass er bei jedem Handschlag Hilfe braucht. Sohn „Joni“ (5) wirbelt durch die Wohnung, und dann diagnostizieren die Ärzte bei Sabine selbst auch noch Krebs. Sie hat einen Tumor in der Brust, die Chemotherapie macht sie fertig – so sehr, dass sie über ihren Schatten springt: Sie bittet um Hilfe. Und die
kommt.

Die Leser unserer Zeitung zeigen sich bewegt vom Schicksal der Familie aus Oberraden (Kreis Neuwied) und greifen tief in die Tasche. In der Folge kann HUL gleich an mehreren Stellen helfen. Heute, kurz vor Weihnachten 2019, sehen die Wittlichs so wieder Licht am Ende des Tunnels. Es geht spürbar bergauf, vor allem für Sabine, die unermüdlich daran arbeitet, wieder auf den eigenen Füßen zu stehen. Denn weil ihre medizinische Behandlung abgeschlossen ist – nach aktuellem Stand erfolgreich – und HUL eine Pflegekraft bezahlt, die sich vormittags um Ehemann Markus kümmert, kann die Enddreißigerin wieder arbeiten gehen. Das macht sie so gut, dass das Neuwieder Therapiezentrum Balance sie gebeten hat, die therapeutische Leitung zu übernehmen. „Sie finden, dass ich qualifiziert bin“, sagt sie mit einem Lächeln. Weil das Einkommen daraus allein aber nicht reicht, bildet sie sich parallel weiter und absolviert eine Ausbildung zur Gesundheitsberaterin (GGS). Im Frühjahr steht die
Prüfung an.

„Irgendwie müssen wir ja wieder selbst klarkommen. Und wenn wir Gas geben, schaffen wir das auch“, ist sie zuversichtlich, ohne dabei zu vergessen, sich ausdrücklich bei allen Spendern zu bedanken. „Wenn wir die Unterstützung durch den Verein nicht hätten, würde das alles nicht funktionieren. Ich hätte den Wiedereinstieg in die Arbeit nicht schaffen können“, weiß sie und berichtet im gleichen Atemzug von komplizierten und langatmigen Verhandlungen mit der Krankenkasse. „Allein auf das System kann man sich leider nicht verlassen.“ Und Markus? Dessen Gesundheitszustand wird sich nicht mehr verbessern. Seine Lebensfreude hat er dennoch nicht verloren. Das liegt in erster Linie an seiner Familie, zu der neuerdings auch Lucky gehört, ein verspielter einjähriger Bolonka-Hund, der ihm auch auf dem Bett gern Gesellschaft leistet. „Das ist unser Therapiehund“, sagt Sabine Wittlich. „Allerdings nur im übertragenen Sinn. Denn ausgebildet ist er nicht. Das kostet ja ein Vermögen.“

Was Markus zudem Mut gibt, ist, dass er wieder mehr am Leben außerhalb der eigenen vier Wände teilhaben kann. Denn HUL hat nicht nur den behindertengerechten Umbau des Familienautos finanziert, sondern auch den Weg durch den Garten pflastern lassen. Die Wohnung der Wittlichs liegt im ersten Stock, hat aber vom Wohnzimmer zum Garten einen ebenerdigen Ausgang. Früher konnte Markus hier nur bei gutem Wetter hinausgeschoben werden. Jetzt geht das „mal eben“. „Das bedeutet mir unheimlich viel“, freut sich Markus: „Danke!“

Foto: Trotz des gesundheitlichen Schicksals haben die Wittlichs – Jonathan (5), Markus, Sabine und Hund „Lucky“ – den Lebensmut nie verloren. Dank der von HUL finanzierten Pflegekraft kann Sabine Wittlich wieder arbeiten gehen. Sie tut alles dafür, dass die Familie wieder auf eigenen Füßen steht. Foto: Ulf Steffenfauseweh

https://helftunsleben.de/wittlichs-stehen-wieder-auf-eigenen-fuessen/

Leserspenden ebnen Wittlichs einen Weg

Familienvater kann wieder Wohnung verlassen

Oberraden. Multiple Sklerose hat Markus Wittlich an den Rollstuhl gefesselt, seinem Körper fast jede Kraft genommen. Und als die Ärzte dann auch noch bei seiner Frau – und Pflegerin – Sabine Brustkrebs diagnostizierten, war die Belastung für die kleine Familie aus Oberraden zu groß. Sie bat via HELFT UNS LEBEN um Hilfe – und bekam riesige Resonanz. Die Leser der Rhein-Zeitung zeigten sich so bewegt wie spendenfreudig und ebneten damit für die Wittlichs einen Weg.

Und das ist in diesem Fall ganz wörtlich zu verstehen. Denn wenn Markus Wittlich bislang die Wohnung verlassen wollte, war das ein echter Akt. Entweder mussten Freunde gerufen werden, um ihn über die Treppen nach draußen zu hieven, oder seine Frau schob ihn über einen wackeligen Steg durch den abschüssigen Garten. Das ging ohnehin nur bei gutem Wetter, und selbst dann war es ein Unterfangen, das nicht nur einmal, auf der Seite liegend, in einem Busch endete. „Ein echtes Abenteuer“, sagt Sabine Wittlich und kann heute darüber schmunzeln. Denn jetzt kann sie ihren Mann über einen gepflasterten Weg in das von HUL rollstuhlgerecht umgebaute Auto schieben, was der Familie ganz neue Möglichkeiten eröffnet.

„Meinen Geburtstag konnten wir in einem Café in Roßbach feiern, und kürzlich waren wir bei ,Horizonte‘ auf der Ehrenbreitstein“, berichtet sie freudestrahlend und erzählt, wie schön es für sie und vor allem Markus war, dort „endlich mal jemanden wiederzutreffen“.

Ähnlich ist es im Alltag. Einfach mal raus, ein bisschen spazieren fahren, mit Nachbarn reden – das geht jetzt. „Und wenn dann wie kürzlich plötzlich ein dickes Gewitter aufzieht, schafft man es auch wieder zurück ins Haus“, sagt sie. „Einfach toll“, findet Markus. „Echt deutlich mehr Lebensqualität“, sagt Sabine.

Und dass sie dabei lacht, dass sie deutlich erholter, ja richtiggehend aufgeblüht aussieht, freut die HUL-Vorsitzende Manuela Lewentz-Twer und Geschäftsführer Hans Kary beim neuerlichen Besuch am meisten. Ganz, so sagt sie, ist der Kampf mit dem Krebs zwar noch nicht ausgestanden, aber auch hier ist sie auf einem guten Weg. Ihren Halbtagsjob als Physiotherapeutin wieder aufzunehmen, hat sie jedenfalls schon fest im Blick. „Ich brauch‘ Arbeit“, unterstreicht sie. Zu Hause freut sie sich trotzdem, dass es mit Nina Ragus seit einigen Monaten eine echte Hilfe gibt, die sich für die Familie auch menschlich als Glücksfall herausgestellt hat. Bis zum Ende des Jahres wird ihre Stelle noch von HUL finanziert. „Aber wir kommen im Oktober wieder und schauen, wie es aussieht“, stellt Manuela Lewentz-Twer eine Verlängerung in Aussicht. „Wir bleiben dran.“

Foto: Markus Wittlich kann dank der Leserspenden jetzt über einen sicheren Weg die Wohnung der Familie verlassen. Foto: Ulf Steffenfauseweh
https://helftunsleben.de/leserspenden-ebnen-wittlichs-einen-weg/

Wittlichs haben den Lebensmut nicht verloren

Pflegestelle finanzieren und Weg pflastern: RZ-Spendeninitiative konnte weitere Hilfszusagen geben

Oberraden. Markus Wittlich ist keiner, der sich so leicht umhauen lässt. „Das Leben ist zu kurz für Jammerei“, sagt er – auch wenn es ihm schwerfällt. Jeder einzelne Satz ist ein Kampf. Multiple Sklerose. Die Krankheit verschlechtert seinen Zustand. Schleichend, aber stetig. Sprechen fällt ihm schwer. Bewegen kann er sich überhaupt nicht mehr, muss vom Bett zum elektrischen Rollstuhl getragen werden. Seinen Lebenswillen hat er trotzdem nicht verloren. Wenn dir das Leben Zitronen gibt, mach‘ Limonade daraus. „Er macht immer Späße. Ich hab ihn noch nie verdrießlich gesehen“, sagt Schwiegervater Ferdi Wittlich und schüttelt in einer Mischung aus Bewunderung und Erstaunen mit dem Kopf.

Umgehauen hat es ihn dann aber doch: „Die Hilfsbereitschaft der Menschen“, schwärmt er und strahlt über das ganze Gesicht. „So viel Anteilnahme. Wahnsinn. Hätt ich nie gedacht.“ Denn nachdem die RZ das schwere Schicksal von Familie Wittlich öffentlich gemacht und HELFT UNS LEBEN zu Spenden aufgerufen hatte, setzte eine echte Lawine ein.

Die Leute engagierten sich nicht nur in dem ohnehin für seine gute Dorfgemeinschaft bekannten Oberraden. Angebote kamen aus dem weiten Umfeld. Aktionen wurden auf die Beine gestellt. Noch und nöcher. Und der Spendeneingang bei der Hilfsinitiative unserer Zeitung war enorm. Im ersten Schritt konnte HELFT UNS LEBEN bereits kurz vor Weihnachten den Wagen der Familie rollstuhlgerecht umbauen lassen und den Leasingvertrag ablösen.

Wichtig für die Wittlichs, weil Ehefrau Sabine nicht mehr die Kraft hat, ihren Mann auf die Rückbank des Wagens zu hieven, auf der er ohnehin nicht richtig sitzen kann. Schuld ist eine Chemotherapie, die nach der Diagnose Brustkrebs nötig geworden war. Die hat sie mittlerweile hinter sich. Gut geht es ihr deshalb nicht. Aber die Hoffnung lebt.

Und Sabine Wittlich bekommt jetzt Hilfe im täglichen Leben mit Haushalt, schwer krankem Mann und vierjährigem Sohn. Die hat einen Namen: Nina Ragus. Dank der Spendenbereitschaft der Zeitungsleser konnte die Pflegerin engagiert werden. Praktisch unbezahlbar ist, dass nicht nur die Ausbildung, sondern auch die Chemie zwischen allen Beteiligten stimmt.

Manuela Lewentz-Twer merkte das bei ihrem Besuch in Oberraden sofort. Und so sagte die HUL-Vorsitzende in Abstimmung mit Geschäftsführer Hans Kary spontan zu, dass die Finanzierung der Stelle auf ein Jahr ausgedehnt wird. „Bevor das ausläuft, unterhalten wir uns dann noch einmal, wie es Ihnen geht“, stellte Kary eine weitere Verlängerung in Aussicht.

Auch die Lösung eines anderen drängenden Problems konnten Lewentz-Twer und Kary beim Besuch zusagen: Künftig soll Markus Wittlich wieder bei jedem Wetter aus dem Haus können. Über den normalen Eingang ist das nicht möglich. Die Wohnung liegt im ersten Stock, ein Treppenlift würde die Garage verbauen. Aber es gibt einen Hinterausgang.

Der Haken an der Sache: Der Holzsteg durch den Garten zur Straße ist schräg, hat starkes Gefälle. Ist es glatt oder glitschig, droht Markus Wittlich mit seinem Rollstuhl umzufallen. In Abstimmung mit Vermieter Franz Lehnert soll nun ein neuer Weg gepflastert werden, über den er gefahrlos in den umgebauten Wagen gefahren werden kann.

Damit wird ein großer Wunsch erfüllt. Denn Markus Wittlich möchte am Leben teilhaben, möchte Ausflüge mit der Familie machen, wie den von HUL finanzierten Urlaub auf einem Bauernhof in der Eifel im April. „Man muss Ziele im Leben haben“, sagt er und unterstreicht: „Danke an alle, die mir bei der Umsetzung helfen.“

Foto: Manuela Lewentz-Twer und Hans Kary (von rechts) waren beeindruckt vom Lebensmut der Wittlichs und froh, ihnen helfen zu können, unter anderem durch die Finanzierung der Stelle von Nina Ragus (2. von links). Foto: Ulf Steffenfauseweh

https://helftunsleben.de/wittlichs-haben-den-lebensmut-nicht-verloren/

Ein Schicksal, das die Johnnyschüler berührt

Pater Karbach und seine Schüler setzten sich für Familie in Not ein – 1000 Euro für HELFT UNS LEBEN

Lahnstein. Ein Schicksal, von dem sie aus unserer Zeitung erfahren haben und das sie sehr berührt hat: Die Eltern des dreijährigen Jonathan Wittlich aus Oberraden im Kreis Neuwied sind beide schwer erkrankt. Sabine Wittlich pflegt nicht nur ihren an Multipler Sklerose leidenden Mann Markus, der bereits ans Bett gefesselt ist – jetzt ist sie selbst an Krebs erkrankt.

Pater Ernst Karbach erzählte seinen Schülern vom Lahnsteiner Johannes-Gymnasium davon, brachte die Zeitung mit in die Gruppenstunde der Gemeinschaft christlichen Lebens (GCL), die er leitet, sprach mit ihnen über diese traurige Lebensgeschichte. „Oft wissen wir gar nicht, wie viel Leid und Not es in unserer direkten Umgebung gibt“, erklärt der Pater. Und die Schüler versuchten, sich hineinzuversetzen in diese Situation, sich vorzustellen, wie der kleine Jonathan aufwächst, wie er die Krankheit von Mutter und Vater erleben mag. Und dann war für die Schüler schnell klar: „Da möchten wir helfen.“ Denn die 36-jährige Sabine Wittlich, die ihren Mann, der sich nur noch mit Mühe im Rollstuhl fortbewegen kann, zu Hause pflegt, ihren kleinen Sohn versorgt und halbtags als Physiotherapeutin arbeitet, kann all dies im Moment nicht mehr leisten. Sie hat eine schwere Operation hinter sich und muss sich nun einer Chemotherapie unterziehen. Trotz allem möchte sie nicht, dass die Familie auseinandergerissen wird und ihr Mann möglicherweise in einem Pflegeheim versorgt wird. Sie trotzt allen Schwierigkeiten, aber sie braucht Hilfe: fachlich kompetente Hilfe und Unterstützung bei der Pflege ihres Mannes und auch eine andere barrierefreie Wohnung.

Schnell fanden sich am Johannes-Gymnasium weitere Schüler, die sich für Sabine, Markus und Jonathan Wittlich einsetzen wollten. Erste Aktion im Herbst war der Verkauf von Maronen, die die GCL-Gruppe gesammelt hatte, röstete und in der großen Pause anbot. Der Erlös bildete den Grundstock für eine Spende an die Hilfsorganisation unserer Zeitung, HELFT UNS LEBEN. Der bis dahin noch recht kleine Betrag sollte aber noch um viele Euro anwachsen.

„Bei unserem Tag der offenen Tür haben unsere Arbeitsgruppen sich mächtig ins Zeug gelegt“, freut sich Pater Karbach, als er die ganze Gruppe für ein gemeinsames Foto vor dem GCL-Gruppenraum zusammentrommelt. Die Garten-AG unter der Leitung von Andrea Eberle hat leckeren Apfelsaft verkauft. Die Äpfel dafür haben die Schüler selbst im Schulgarten geerntet und zu Saft verpresst. Die Bienen-AG – hier sind Hansjörg Groenert und Kunibert Mawick federführend – haben Honig und selbst gezogene Bienenwachskerzen an die zahlreichen Besucher verkauft, das Pastoralteam mit Benno Lukitsch hat Waffeln gebacken, die Kunst-AG hat selbst gefertigte Drucke angeboten und schließlich gab es noch die Gemeinschaft christlichen Lebens, die an ihrem Stand mit Kaffee, Kuchen und Pommes frites reichlich Geld für HELFT UNS LEBEN eingenommen hat. „Kuchen und Pommes gehen immer“, sagt Karbach, „das war ein gutes Geschäft.“ Alles zusammen in einen Topf geworfen und noch ein bisschen aufgerundet kam so durch das Engagement der Schüler die runde Summe von 1000 Euro zusammen, die die Kinder und Jugendlichen gern weitergeben an die Familie, die so dringend Hilfe braucht. Auch wenn sie einander gar nicht kennen, so besteht nun doch eine Verbundenheit. Im neuen Jahr wird das Team von HELFT UNS LEBEN die Familie Wittlich wieder besuchen, um dann natürlich auch die herzlichsten Grüße von den Schülern und Lehrern des Johannes-Gymnasiums Lahnstein zu überbringen. Bis dahin aber wünschen alle, die das Schicksal der Familie bewegt und die bei der Aktion mitgemacht haben, Simone, Markus und Jonathan Wittlich ein schönes und gutes Weihnachtsfest.

Foto: Bienen-AG, Garten-AG, Kunst-AG und einige mehr: Viele Schüler haben Honig, Kastanien, Kaffee und Kuchen beim Tag der offenen Tür des Johannes-Gymnasiums verkauft und so 1000 Euro eingenommen, die über HELFT UNS LEBEN der Familie Wittlich aus Oberraden (Kreis Neuwied) helfen sollen. Foto: Karin Kring

https://helftunsleben.de/ein-schicksal-das-die-johnnyschueler-beruehrt/

Welle der Hilfsbereitschaft für die Wittlichs

Zu Weihnachten gibt es Lichtblicke für Familie aus Oberraden – Auto behindertengerecht umgebaut

Oberraden. Markus Wittlich leidet seit rund zehn Jahre an Multipler Sklerose. Nach einigen Krankheitsschüben ist der früher sportliche Mann bettlägerig. Wenn er sich bewegen will, zittert er, schlagen seine Arme unkontrolliert aus. Das Sprechen fällt ihm schwer. Ehefrau Sabine pflegt ihn. Doch dann wird bei ihr Krebs diagnostiziert, und sie wird dafür zu schwach: Das doppelt schwere Schicksal von Familie Wittlich aus Oberraden ist kaum zu fassen – und hat die Menschen in der Region auch in der Vorweihnachtszeit tief bewegt. Nachdem unsere Zeitung auf die Nöte aufmerksam gemacht und HELFT UNS LEBEN zu Spenden aufgerufen hatte, setzte weit über die Verbandsgemeinde Rengsdorf hinaus eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft ein.

Chöre haben für die Wittlichs gesungen, eine Benefizgruppe aus Puderbach führte ein Theaterstück auf, am Kindergarten in Straßenhaus und bei der Parfümerie Heddesheimer in Rengsdorf gab es Aktionen. Erlöse eines Flohmarkts am örtlichen Rewe und vom „Wake up“-Festival in Linkenbach flossen in den Spendentopf, die Frauengemeinschaft aus Hahn am See organisierte einen Adventsmarkt zugunsten der Familie. Die Anneliese-Mertinat-Stiftung aus Bonefeld hat 3000 Euro für die Verbesserung der Pflege überwiesen, Nachbarn haben ihre Hilfe angeboten. Und, und, und. Denn die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vor allem haben ganz, ganz viele Leser unserer Zeitung gespendet. Und so gibt es zu Weihnachten für Familie Wittlich bei allen weiter vorhandenen Gesundheitsproblemen Lichtblicke. „Schon Wahnsinn, was auf dem Land alles geht“, freut sich Sabine Wittlich und betont: „Wir können uns bei allen nur ganz herzlich bedanken!“

Auch das größte – finanziell lösbare – Problem der Familie konnte so aus der Welt geschafft werden: Der Citroën Berlingo ist mittlerweile rollstuhlgerecht umgebaut. Wichtig, damit Markus Wittlich noch am Familienleben rund um den fast vierjährigen Sohn Jonathan teilhaben kann. Denn früher hat ihn Ehefrau Sabine noch aus dem Rollstuhl in den Wagen gehievt, wenn die Familie einen gemeinsamen Ausflug plante. Doch seit die 36-Jährige die Chemotherapie zur Krebsbehandlung durchmacht, ist sie so geschwächt, dass daran nicht mehr zu denken ist.

Umso größer war die Freude bei Markus Wittlich, als er kürzlich mit seinem Rollstuhl in den umgebauten Wagen gefahren werden und zum ersten Mal seit rund einem Jahr wieder richtig das Haus verlassen konnte. „Gut! Spektakulär!“, freute er sich bei der Wagenübergabe im Neuwieder Autohaus Schleich, das noch einen Inspektionsgutschein dazu schenkte. Noch besser: HELFT UNS LEBEN konnte zusagen, den Restkredit über etwas mehr als 14 000 Euro für den Berlingo abzulösen. Damit gehört der Wagen nun Wittlichs, die bislang die einzelnen Raten mithilfe von Eltern und Schwiegereltern zusammengekratzt hatten.

„Markus war riesig stolz auf seinen ersten Transport im umgebauten Wagen! Er hat schon wieder viele Ideen im Kopf“, schrieb Sabine Wittlich später nach der Rückkehr. Eine Idee, die in absehbarer Zukunft Realität wird, ist ein gemeinsamer Urlaub: Im April – wenn es Sabine Wittlich nach Beendigung der Chemotherapie hoffentlich wieder so gut geht, dass sie ihn auch genießen kann – werden sie für eine Woche auf einen Ferienbauernhof in der Eifel fahren, wo sich Jonathan richtig austoben kann. Die Wohnung hat HELFT UNS LEBEN schon gebucht, seit klar ist, dass die gute Stunde Fahrt bis in die Nähe von Prüm für Markus machbar ist. „Das ist eine tolle Sache“, freut sich Sabine Wittlich. „Joni ist jetzt in einem Alter, in dem er bleibende Erinnerungen sammelt. Der gemeinsame Urlaub wird bestimmt eine sein“, ist sie sicher.

Und dank des großen Spendenaufkommens werden auch noch weitere Hilfen möglich. Bei einem Termin im Januar wird konkret besprochen, wo genau weitere Unterstützung sinnvoll ist. Sabine Wittlich hat aber schon angedeutet, dass sie vor allem für personelle Unterstützung im Haushalt dankbar wäre. „Mit meinen zwei Männern gibt’s immer was zu tun“, sagt sie mit einem Lächeln und betont, dass sie das „auch aufrechterhält“. Trotzdem: Die Belastung für sie allein ist in ihrem aktuellen Gesundheitszustand zu hoch. Markus braucht permanente Assistenz, und Joni darf nach wie vor nicht in den Kindergarten gehen. Ihre Blutwerte sind zu schlecht, die Infektionsgefahr wäre viel zu hoch. „Ein bisschen mehr Manpower würde da schon guttun“, sagt sie.

Immerhin, eine große Hilfe haben sie schon gefunden: Die Krankenkasse hat eine Familienhelferin genehmigt, seitdem kommt Anne Schmidt von der Evangelischen Sozialstation in Straßenhaus. Die hat sich als doppelter Glücksgriff erwiesen – für die Wittlichs, in deren Haus sie nach Kräften mithilft, aber auch für Markus Wittlichs Schwager. Denn die beiden haben sich so kennengelernt und ineinander verliebt. Seitdem gehört Anne Schmidt praktisch zur Familie. Noch so ein Lichtblick zu Weihnachten.

Foto: Große Freude bei der Wagenübergabe (von links): Sabine und Jonathan Wittlich, (Schwieger-)Vater Wilfried Grab, Markus Wittlich, HELFT UNS LEBEN-Vorstandsmitglied Ulf Steffenfauseweh, Pflegerin Anne Schmidt von der Sozialstation Straßenhaus und Patrick Schleich vom gleichnamigen Autohaus. Foto: Jörg Niebergall

https://helftunsleben.de/welle-der-hilfsbereitschaft-fuer-die-wittlichs/

Eine starke Familie braucht Hilfe

36-Jährige pflegt ihren an MS leidenden Ehemann – und erkrankt selbst an Krebs

Oberraden. Wenn Amerikaner „tough“ sagen, dann meinen sie damit Menschen wie Sabine Wittlich: Eine Frau, die kämpft und nicht jammert. Eine, die stark ist – aber jetzt doch in einer Situation steckt, in der sie um Hilfe bitten muss. Denn die junge Mutter aus Oberraden (Kreis Neuwied) hat nicht nur einen schwer kranken Mann zu pflegen, sie hat auch Krebs. Die Chemotherapie raubt der 36-Jährigen die Kraft.

Ihren Mann Markus weiterhin aus dem Rollstuhl in den Wagen zu hieven, um ihn am Familienleben teilhaben zu lassen, schafft sie nicht mehr. Den geleasten Citroën Berlingo könnte sie ablösen, wenn sie ihren Bausparvertrag kündigt. Doch den Wagen dann rollstuhlgerecht umbauen zu lassen, kostet fast 8000 Euro. Das ist einfach nicht mehr drin. Familie Wittlich braucht Hilfe.

Rückblende: Markus Wittlich ist ein sportlicher, junger Mann und in vielen Bereichen aktiv. Er hat schon Marathonläufe gemeistert, ein Sandsack hängt im Zimmer, er werkelt gern in der Garage. Dann 2006 der Schock: Die Ärzte diagnostizieren Multiple Sklerose (MS). Die Nervenkrankheit verläuft chronisch progredient, wie die Mediziner sagen. Das bedeutet zu Deutsch: Sein Zustand verschlechtert sich unaufhaltsam.

Anfangs sind die Symptome schwach ausgeprägt. Markus Wittlich kann noch halbtags als selbstständiger Computerfachmann arbeiten, kann Auto fahren, das Ehepaar fliegt gemeinsam in den Urlaub – zuletzt vor vier Jahren nach Korfu. Und sie bekommen sogar einen Sohn: Jonathan – „Joni“ genannt – ist heute dreieinhalb Jahre alt und der Wirbelwind in der Wohnung. „Er hält uns auf Trab“, sagt Sabine Wittlich, und sie lächelt dabei, weil sie das bei allem Stress nur positiv meint. Das Kind hält die Familie auch hoch.

Viel weniger erfreulich ist der Zustand ihres Mannes. Der hat sich dramatisch verschlechtert. Nach mehreren septischen Schocks ist Markus Wittlich bettlägerig, auf eine Verbesserung ist nicht mehr zu hoffen. Wenn der 48-Jährige sich bewegen will, leidet er an starker Ataxie: Er zittert, seine Arme schlagen unkontrolliert aus. Er kann nicht selbstständig essen, nur durch einen Strohhalm trinken. Wenn er redet, ist er vor allem für Außenstehende nur schwer zu verstehen. Bei all dem ist er aber geistig uneingeschränkt auf der Höhe. Markus Wittlich bekommt seinen Verfall voll mit.

Dass er deswegen nicht verbittert ist, verdankt er vor allem seiner Frau. Die macht morgens den Sohn fertig, bringt ihn in den Kindergarten, geht dann halbtags arbeiten und pflegt anschließend den Mann. Die Familie ist trotz allem noch viel unterwegs, macht immer wieder kleine Ausflüge. Möglich ist das, weil die Eltern und Schwiegereltern unterstützen, wo sie können. Auch Nachbarn, Freunde und Bekannte helfen immer wieder mit. Die Gemeinde hat bei der letzten Straßenerneuerung sogar ein kleines Stück Weg zum Garten mitteeren lassen. So hat Sabine Wittlich wenigstens die Chance, ihren Mann im Rollstuhl aus dem Haus zu bekommen – auch wenn der Weg ziemlich steil ist. „Wir sind manches Mal in den Büschen gelandet, aber Markus ist hart im Nehmen“, sagt sie und zwinkert ihrem Mann lächelnd zu.

Ihn in ein Pflegeheim zu geben, wäre weniger anstrengend und finanziell deutlich günstiger, kommt für Sabine aber nicht infrage. „Ich bin sicher, dass es ihm bei uns besser geht und wir besser auf ihn aufpassen“, erzählt sie mit voller Überzeugung. Und für den Sohn ist es unheimlich wichtig, dass der Papa da ist. „Als Markus kürzlich im Krankenhaus lag, hat er immer und immer wieder nach ihm gefragt“, sagt sie und berichtet von einer innigen Vater-Sohn-Beziehung trotz aller Einschränkungen: Wenn sie ihren Mann ins Auto gehievt hatte, war etwa klar, wer neben ihm sitzt und ganz begeistert ist.

Doch das ist heute praktisch unmöglich. Pfingsten war es, als Sabine Wittlich sich abtastete und dabei Knoten fühlte. „Bis dahin war ich nie krank, hatte nicht einmal einen Schnupfen. Da hatte ich ja auch überhaupt keine Zeit für“, erzählt sie. Doch dann die Schockdiagnose: Brustkrebs. Mittlerweile ist die 36-Jährige operiert worden. Die Aussichten? Ungewiss. Klar ist nur, dass Sabine Wittlich am Anfang von einem Jahr Chemotherapie steht. Und das hat Konsequenzen: Ihren Halbtagsjob als Physiotherapeutin kann sie vorerst nicht mehr ausüben. Auch für die Pflege ihres Mannes bräuchte sie Unterstützung. Passendes Personal zu finden, ist aber schwierig. Gleiches gilt für die Suche nach einer geeigneten Wohnung. Denn so sehr sich Wittlichs dank der tollen Dorfgemeinschaft in Oberraden wohlfühlen und so schön es ist, dass die Wohnung mit 130 Quadratmetern so geräumig ist, dass Markus im Rollstuhl halbwegs rangieren kann: Sie ist eigentlich zu teuer und vor allem alles andere als barrierefrei. Aber das bräuchten sie eigentlich, um mobil zu bleiben. Auch dabei braucht Familie Wittlich Hilfe.

HELFT UNS LEBEN ruft zu Spenden für Familie Wittlich auf. Wer helfen möchte, überweist bitt auf das Konto bei der Sparkasse Koblenz (MALADE51KOB) mit der Iban: DE72.5705.0120.0000.0013 13. Wer eine barrierefrei Wohnung in Oberraden oder Umgebung anbieten möchte, wendet sich an ulf.steffenfauseweh@rhein-zeitung.net

Foto: Familie Wittlich aus Oberraden ist schwer vom Schicksal gebeutelt. Ehemann Markus ist aufgrund Multipler Sklerose mittlerweile bettlägerig, jetzt hat seine Frau Sabine auch noch Krebs. Sohn Jonathan (3), hier auf dem Schoß seines Opas, kann trotzdem noch lachen. Foto: Ulf Steffenfauseweh

https://helftunsleben.de/eine-starke-familie-braucht-hilfe/