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Ein Fahrrad für mehr Familienglück

Spezielle Konstruktion eröffnet Familie mit behindertem Sohn ganz neue Möglichkeiten

Nassau. Das Glück steht den Dreien förmlich ins Gesicht geschrieben. Das neue Liegerad-Tandem hat der Familie Hammerstein wahrhaft neue Horizonte eröffnet. Dank der Hilfsorganisation der Rhein-Zeitung HELFT UNS LEBEN und den Spenden der Leser können Katja und Peter Hammerstein mit ihrem behinderten Sohn Leo endlich wieder gemeinsam etwas in der Natur und an der frischen Luft unternehmen. Möglich macht es ein neues Liegerad-Tandem, das der Familie ganz neue Perspektiven eröffnet.

Etwa 300 Kilometer haben die Hammersteins schon mit dem neuen Rad der Marke Hase zurückgelegt. Am autofreien Gelbachtaltag haben sie zum Beispiel teilgenommen, außerdem eine Tour entlang der Lahn bis Lahnstein unternommen. Dinge, die vorher aufgrund von Leos körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen unmöglich waren. Der Achtjährige steckt zwar voller Energie, doch selbstständig Rad fahren oder mit den Eltern wandern kann er nicht. Und aus dem früher benutzten Fahrradanhänger ist der rotblonde Junge mit den Sommersprossen längst herausgewachsen.

Mehr als nur ein Fahrrad

„Wir können wieder etwas gemeinsam unternehmen“, schwärmt Vater Peter Hammerstein beim Besuch von Manuela Lewentz-Twer, Vorsitzende des Vereins HELFT UNS LEBEN, und Geschäftsführer Hans Kary von den Vorzügen des Liegerad-Tandems. „Leo ist glückselig, und am Abend ist er auch mal ausgepowert.“ Während ein Elternteil mit Leo auf dem Spezialrad mit E-Motor-Unterstützung fährt, ist der Ehepartner auf einem herkömmlichen Rad dabei. So lassen sich Familienausflug und Bewegung perfekt miteinander kombinieren. Auch Leo kann etwas aktiv zum Fortkommen beitragen und mittreten. Auf langen Touren lässt sich die Funktion auch abschalten. „Er soll sich nicht überanstrengen, damit er das Tandem nicht mit Quälerei in Verbindung bringt“, erläutert Peter Hammerstein den Hintergrund.

Das neue Fahrrad der Familie aus dem Nassauer Kaltbachtal hat den Aktionsradius der Hammersteins enorm erweitert. Auf ihren gemeinsamen Radausflügen begegnen sie zahlreichen Menschen und sammeln dabei Mut machende Erfahrungen. „Die Leute lächeln uns an, wenn sie uns sehen“, sagt Katja Hammerstein. „Wir sind glücklich, wieder gemeinsam in der Natur unterwegs sein zu können, und die Menschen gönnen uns das.“ Begeistert erzählt ihr Mann Peter von Begegnungen mit wildfremden Menschen, beispielsweise bei einer Rast vor dem Arnsteiner Kloster, wo man mit niederländischen Touristen und Franzosen ins Gespräch kam. „Man kommt wieder raus und ist nicht mehr so isoliert“, beschreibt der Industriekaufmann die neuen Möglichkeiten. „Es macht einfach Spaß.“

Klar, dass die Familie den Gästen von HELFT UNS LEBEN das Liegerad-Tandem vorführt. Dabei wird klar, wie durchdacht Konstruktion und Ausstattung sind und wie perfekt sie auf die Erfordernisse der Hammersteins passen. Schon die Tatsache, dass das Rad bombenfest auf einem speziellen Ständer steht, wenn Leo – gehalten durch einen Dreipunktgurt – bereits auf dem vorderen Platz sitzt. Somit hat die Begleitperson die Hände frei. Eine wasserdichte Packtasche bietet sogar mittleren Einkäufen Platz. Außerdem wächst das Rad buchstäblich mit. Leos Sitzplatz und die Kurbeln lassen sich nach und nach anpassen, sodass er auch als Jugendlicher noch mitfahren können wird. Ein leistungsstarker E-Motor sorgt dafür, dass Steigungen und lange Strecken kein Problem sind.

Unterstützung auch im Urlaub

Die solide Konstruktion hat nur einen Nachteil: Das Rad ist schwer und nicht auf einen Dachgepäckträger zu wuchten. Schon wegen des langen Radstands ist es auf einem handelsüblichen Modell nicht sicher zu befestigen. Doch auch hier schafft HELFT UNS LEBEN Abhilfe. Manuela Lewentz-Twer und Hans Kary sagten spontan die Anschaffung eines speziell auf die Anforderungen angepassten Trägers für das Auto zu, damit die Familie auch im Urlaub die Vorzüge des Liegerad-Tandems genießen kann.

Leo und seine Eltern zeigen sich überaus dankbar, dass HELFT UNS LEBEN ihnen diesen großen Wunsch erfüllt hat. Und noch viel mehr: „Auf den Bericht in der Zeitung haben wir viele Rückmeldungen von Menschen bekommen, die sich mit uns freuen“, sagen die Hammersteins. Viele hätten vorher gar nicht gewusst, welche Beeinträchtigungen Leo genau hat. „Die Resonanz war sehr herzlich. Das hat uns persönlich ganz viel gebracht“, sagt Katja Hammerstein. Dann setzt sie Leo auf das Rad, nimmt auf dem Sattel dahinter Platz und startet auf eine Runde durch das Kaltbachtal, um den Besuchern vorzuführen, wie sich das Spezialrad in der Praxis bewährt. Kaum hat sie den Ausgangspunkt wieder erreicht und angehalten, ruft Leo begeistert in die Runde: „Weiter geht’s.“

Foto: Für Katja und Peter Hammerstein und ihren Sohn Leo ist das neue Liegerad-Tandem ein großes Glück. Manuela Lewentz-Twer, Vorsitzende des Vereins HELFT UNS LEBEN, und Geschäftsführer Hans Kary freuen sich mit der Familie aus Nassau. Foto: Carlo Rosenkranz

https://helftunsleben.de/ein-fahrrad-fuer-mehr-familienglueck/

Warum der kleine Leo ein Liegerad braucht

Achtjähriger Wirbelwind leidet an einem seltenen Gendefekt – Familie wünscht sich gemeinsame Ausflüge

Nassau. Leo ist ein wahrer Wusel. Der rotblonde Junge mit den Sommersprossen hält selten länger still. Schneller als man gucken kann, wechselt er den Standort, ist immer in Bewegung und am liebsten draußen. Das Problem: Der Achtjährige kann sich kaum selbst beschäftigen, und dass er seine wenige Häuser weiter wohnenden Cousinen und seinen Cousin ohne Begleitung besucht, ist undenkbar. Leos Möglichkeiten sind durch geistige und körperliche Beeinträchtigungen stark eingeschränkt. Ein Gendefekt bremst seine Entwicklung. Die Eltern Katja und Peter Hammerstein sind permanent gefordert. „Das geht an die Substanz“, sagen sie. „Leo steckt voller Energie. Selbst wenn er sich mal ausgepowert hat, braucht er nur ein paar Minuten Pause, um wieder Kraft zu schöpfen.“ Ihnen fehlt eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, die sie gemeinsam als Familie ausüben können, bei der Leo mithalten kann.

Der Wirbelwind hat erst mit dreieinhalb Jahren laufen gelernt und geht langsam und unsicher. An selbstständiges Radfahren ist gar nicht zu denken. Dabei sind er und seine Eltern so gern mit dem Fahrrad unterwegs. Doch aus seinem Kinderanhänger ist Leo seit vergangenem Jahr rausgewachsen und größere Modelle gibt es nicht. Zudem sind die Möglichkeiten mit Leos 30 Kilo und weiteren 15 Kilo für den Anhänger begrenzt. Damit kommt man nicht mal aus dem Nassauer Stadtkern bis zum Haus der Familie im ansteigenden Kaltbachtal. Die Hammersteins haben deshalb einen Traum: endlich wieder gemeinsame Radtourenunternehmen. Dabei soll ihnen ein speziell auf Leos Bedürfnisse abgestimmtes Tandem-Liegerad mit Elektromotor helfen, auf dem Leo vor einem Elternteil sitzen und mittreten kann.

Ein erster Test beim Händler war durchweg positiv. Die Initiative unserer Zeitung HELFT UNS LEBEN will die Anschaffung finanzieren, denn für die mehr als 7600 Euro kommt die Krankenkasse trotz Leos Pflegegrad 4 und einem Grad der Behinderung von 100 Prozent nicht auf. Und der Kaufpreis übersteigt die finanziellen Möglichkeiten der Familie. Zumal das Liegerad-Tandem ein paar Extras benötigt, um Leo gerecht zu werden. Spezielle Schienen und Pedale sollen verhindern, dass seine Beine beim Treten auseinanderdriften und seine Knie Schaden nehmen. Ein Dreipunktgurt soll den Achtjährigen sicher auf dem Sitz halten.

Neue Horizonte soll der Familie ein Rad der Marke Hase eröffnen. Um sich fachkundig beraten zu lassen, waren die Hammersteins eigens zu einem Fachhändler ins hessische Trebur gefahren. Die gemeinsame Proberadtour wischte alle anfänglichen Zweifel, wie Leo auf das ungewohnte Rad reagieren würde, rasch vom Tisch. „Normalerweise lehnt er solche Dinge kategorisch ab“, sagt Leos Mutter, als Manuela Lewentz-Twer, die Vorsitzende des Vereins HELFT UNS LEBEN, und Geschäftsführer Hans Kary die Familie besuchen. Sichtlich erleichtert berichtet Katja Hammerstein von Leos spontaner Reaktion auf die Proberunde mit seinem Vater Peter. „Er hat gesagt: Noch mal!“ Das Radfahren ist eine gemeinsame Leidenschaft der Hammersteins, der sie sich in jüngster Zeit nicht mehr zusammen widmen konnten. Leo fährt zwar gelegentlich auf einem Reha-Rad, aber er kann aus eigener Kraft nur kurze Strecken zurücklegen, und ein Erwachsener muss stets eine Hand an der Schiebestange haben. Umso erfreuter sind Katja und Peter Hammerstein über den positiven Verlauf der Probefahrt. „Mir ist das Herz aufgegangen“, berichtet Mutter Katja.

Sportliche Betätigung und gemeinsame Familienausflüge erhoffen sich die Hammersteins vom Hase-Tandem, mit dem sie im Lahn- und Rheintal fahren möchten. „Dann radeln wir auch mal nach Bad Ems“, versprechen sie ihrem Sohn, der sich schon auf die Stadt mit dem Tunnel und dem Schwimmbad freut.

Foto: Leo und seine Eltern Katja und Peter Hammerstein freuen sich auf ein besonderes Fahrrad, das der Familie künftig wieder gemeinsame Touren ermöglichen soll. Die Initiative unserer Zeitung HELFT UNS LEBEN will die Anschaffung finanzieren. Vorsitzende Manuela Lewentz-Twer (rechts) und Geschäftsführer Hans Kary (Mitte) besuchten die in Nassau lebende Familie. Foto: Carlo Rosenkranz

https://helftunsleben.de/warum-der-kleine-leo-ein-liegerad-braucht/