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Projekt realisiert: Ruander hobeln, dass Späne fliegen

Schreinerwerkstatt von „Karaba-Neuwied“ ist in Betrieb – Ausbildung der Ausbilder als nächstes Ziel in der Planung

Neuwied/Karaba. Nothilfe war gestern: Die Mitglieder von Karaba-Neuwied begegnen den Menschen in ihrer ruandischen Partnerregion lieber auf Augenhöhe. Hilfe zur Selbsthilfe heißt dabei das Leitmotiv der Vereinsarbeit. Und auf dem Weg zu diesem Ziel konnten jetzt ein weiterer Meilenstein gefeiert werden: Mit der Schreinerwerkstatt ist am Berufsbildungszentrum Mwogo die zweite große Abteilung in Betrieb.

85 000 Euro sind in den Bau und die Ausstattung geflossen. Neben gesammelten Spenden und 68 000 Euro aus dem Topf der Landespartnerschaft Rheinland-Pfalz/Ruanda hatte auch die RZ-Leserinitiative HELFT UNS LEBEN 9000 Euro zugeschossen.

„Eine fantastische Einrichtung“, schwärmt Franz Eichinger. Und der Österreicher, der seit einigen Monaten als Baukoordinator im Büro der Landespartnerschaft in Kigali arbeitet, ist sogar sicher, dass sie „enormes Potenzial hat, die Handwerksausbildung in der Region in eine neue Dimension zu bringen“.

Das hoffen auch die Karaba-Neuwied-Vorsitzende Sybille Hass-Machill und ihr Stellvertreter Dietmar Rieth, die sich über den reibungslosen Ablauf des Baus freuen. Nach der Genehmigung des Projektes durch das Land hatte es gerade einmal eineinhalb Jahre gedauert, bis es abgeschlossen werden konnte – und das mit einer finanziellen Punktlandung: „774 Euro sind übrig geblieben“, teilt Rieth gut gelaunt mit und legt einen 40-seitigen Verwendungsnachweis mit allen Rechnungen vor. „Das läuft in Ruanda. Wir haben auch in der Vergangenheit schon festgestellt, dass die Planungen in Ruanda stimmen“, sagt er.

„In der Vergangenheit“ meint in diesem Fall eine fast 14-jährige Erfahrung. Denn seit der Gründung des Vereins – inspiriert durch die Hochzeitsreise des Ehepaars Hass-Machill/Rieth 2004 nach Ruanda – hat der Verein zahlreiche Projekte realisiert. Er hat Kindergärten und Schulen instand gesetzt, die Wasserversorgung verbessert und dann – als nächsten Schritt einer Entwicklung – den Bau des Berufsausbildungszentrums Mwogo angestoßen. Seit 2014 werden hier im ersten großen Gebäude Automechaniker ausgebildet, nun kommen die Schreiner hinzu.

„Das duale System ist ein frommes Schlagwort, wenn es keine Betriebe gibt, die so ausbilden. Hier haben wir eine überbetriebliche Ausbildungswerkstatt, die an eine Schule angedockt ist“, erklärt Rieth und weist darauf hin, dass die jungen Leute beim erfolgreichen Durchlaufen des „Vocational Training Centers“ (VTC) staatliche Urkunden bekommen. „Damit können sie sich bewerben und haben eine Zukunft“, ist er überzeugt und unterstreicht: „Partnerschaft ist die Antwort auf die Frage, wie Fluchtursachen vermieden werden können. Das lässt sich belegen.“ Daher müsse die Zusammenarbeit „hoch qualitativ weitergehen“.

Doch was heißt das konkret? Zum einen ist für Karaba-Neuwied denkbar, dass am Zentrum noch ein dritter Zweig installiert wird: „Das Gelände ist groß genug“, weiß Hass-Machill und nennt die Installateurausbildung als Möglichkeit. Vorher aber will sich der Verein vor allem darum kümmern, dass die Ausbildung der Ausbilder verbessert wird, besonders mit Blick auf Wartung und Pflege der Gerätschaften. „Die können schon jetzt aus einem Baumstamm einen Zahnstocher machen“, sagt Rieth und zeigt Bilder von Möbeln „in richtig guter Qualität“, die in der neuen Werkstatt entstanden sind. In Umgang und Wartung der Maschinen müsse aber noch geschult werden.

Daher hofft er, dass sich der angedachte Einsatz eines Senior-Experten (SES) realisieren lässt. Einen passenden Kandidaten, der für einige Wochen in die Partnerregion fliegt, die Ausbilder schult und Lehrmaterialien erstellt, habe der Verein bereits in Aussicht.

Unabhängig davon setzt Karaba-Neuwied für die Zukunft darauf, dass mit einem neuen Oberbürgermeister auch die Möglichkeit einer kommunalen Partnerschaft wieder in den Fokus rückt. „Wir hätten für infrastrukturelle Fragen die Stadt gern im Boot“, sagt Rieth und lobt in diesem Zusammenhang das Partnerschaftsbüro des Landes in Kigali: „Ohne deren Unterstützung könnte kein Ehrenamtler solche Projekte machen.“

Foto: In der neuen Schreinerwerkstatt, deren Bau der Partnerschaftsverein Karaba-Neuwied initiiert und mithilfe von Spendern, HELFT UNS LEBEN und dem Land finanziert hat, wird bereits kräftig gearbeitet. Foto: Partnerschaftsbüro

https://helftunsleben.de/projekt-realisiert-ruander-hobeln-dass-spaene-fliegen/