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Starkregen: Schon wieder Land unter in Isenburg

50 Feuerwehrleite sind stundenlang im Einsatz und bekämpfen mit vielen Pumpen die Wassermassen – Ortsbürgermeister fordert einen besseren Schutz

Isenburg. Hochwasser, das kennt Familie Seiler aus Isenburg inzwischen. „Aber so schlimm war es bei uns noch nie“, sagt Ramona Seiler. Zwei Autos, ein Traktor, ein Hänger, die Maschinen von ihrem Mann Robert wie Säge und Spalter, Waschmaschine, Trockner, Gefrierschrank, die Heizung, der Kinderwagen und die Autositze für ihre einjährigen Zwillinge – „alles ist hinüber“. Dabei haben Seilers Glück gehabt. Bei ihnen hat das Wasser kurz vor der Wohnung haltgemacht, bei ihrem Nachbar ist die Wohnungseinrichtung hinüber. Drei Häuser, ein Nebengebäude und vier Autos sind im Tiefental vom Hochwasser betroffen, sagt Dierdorfs Wehrleiter Andreas Schmidt.

Vier Bäche fließen durch Isenburg im Tal, wobei der Saynbach wegen seines großen Bettes noch am wenigsten Ärger macht. Dieses Mal war es der Ommelsbach, der über die Ufer getreten ist. Die letzte Schlammlawine hatte sich am 22. Mai durch das Dorf ergossen (die RZ berichtete).

Während Feuerwehr und Dorfbewohner am Freitagvormittag Hand in Hand aufräumen, verdrecktes Hab und Gut nach draußen tragen, noch immer Wasser aus den Häusern pumpen und versuchen, den Schlamm zu beseitigen, sind weitere Kräfte der Feuerwehr an dem Durchlauf des Ommelsbach unter der B 413 im Einsatz. Ein Freiwilliger steigt, mit Seilen gesichert, ins Wasser und befreit mit einem Haken und einer kleinen Motorsäge den Durchlauf von Unrat. Neben armdicken Ästen haben sich dort auch ein Autoreifen, ein Fußball und Grünzeug angestaut.

Der Landesbetrieb Mobilität lässt das Schnittgut entlang der Bäche liegen, wenn er die Straßen freischneidet, kritisiert Ortsbürgermeister Detlef Mohr. Steigt das Wasser, führt der Bach das mit, und leicht können die zahlreichen Unterführungen verstopfen, und die Bäche treten über die Ufer. Das sei sicher nicht die Ursache, sondern die Massen vom Himmel. Aber es verschärfte die Situation, meint Mohr, der seit 5.30 Uhr wegen des Hochwassers auf den Beinen ist. Es ist das dritte in diesem Jahr. „Wir sind durch die Tallage prädestiniert, wenn es oben regnet, kriegen wir die Suppe ab“, sagt der Ortsbürgermeister. Aber ob das wirklich jedes Mal Schäden verursachen muss, stellt er stark infrage: „Jeder sagt ,Es müsste mal‘, aber es passiert nichts“, schimpft er. Isenburg sei eine arme Gemeinde und könne nicht die Unterführungen auf eigene Kosten vergrößern. Auch jetzt wurde wieder ein Hochwasserkonzept in Aussicht gestellt. Sorge bereiten Mohr die mit Wasser vollgesogenen Hänge rund um den Ort, ob die beim nächsten Starkregen ins Rutschen geraten könnten. Auch Wehrleiter Schmidt ist der Meinung, dass Fachleute gefragt sind, Stauräume für das Wasser zu schaffen, bevor es auf die Häuser trifft. Bis dato habe die Feuerwehr den Gefährdeten geraten, Sandsäcke anzuschaffen und sie bei angekündigten Unwettern aufzubauen.

Um 3.30 Uhr ging der erste Alarm bei der Feuerwehr ein, weil die Kanalisation in Großmaischeid mit den Wassermassen überfordert war und zwei Keller vollliefen, berichtet Schmidt. Als Nächstes drohte die Pumpstation in Kleinmaischeid überzulaufen, bevor als Drittes zeitgleich ein umgestürzter Baum zwischen Isenburg und Siedlung Isenburg gemeldet wurde und die Bedrohung eines Hauses in der Hauptstraße vom Ommelsbach, in das später das Wasser eindrang. Zu allem Überfluss trat zudem der Iserbach über die Ufer. „Der hat nur die Fahrbahn überschwemmt“, sagt Schmidt. In der Hauptstraße überflutete ein eigentlich winziger Überlauf eines Grabens einen Garten, die Feuerwehr schützte mit Sandsäcken den Keller daneben.

Der Ommelsbach stieg in Minutenschnelle, keine Chance für die Anwohner, ihr Hab und Gut in Sicherheit zu bringen. Eine große Fläche im Tiefental stand unter Wasser, die Feuerwehr fuhr viel Gerät auf, unter anderem vier Hochwasserpumpen und fünf Tauchpumpen, um es wegzubekommen. Dann ging es in den Häusern weiter. 50 Einsatzkräfte der Wehren aus Dierdorf, Großmaischeid, Hausen, Kleinmaischeid und Marienhausen waren laut Schmidt im Einsatz, dazu die Untere Wasserbehörde, die Straßenmeisterei, ein Tiefbauunternehmen und das Technische Hilfswerk.

Für die Seilers kam am Nachmittag noch eine gute Nachricht: Die Aktion HELFT UNS LEBEN, die Hilfsorganisation unserer Zeitung, überweist ihnen Geld für Kinderwagen und -sitze. Yvonne Stock

Foto: Dieses Mal sorgte der Ommelsbach für Chaos in Isenburg. Drei Häuser und ein Nebengebäude sind betroffen. Ein normal winziger Abfluss überschwemmte einen Garten. Am Freitag wurde überall aufgeräumt. Fotos: Feuerwehr/Stock

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