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Wieder mobil: Für Leutesdorfer wird Traum wahr

Leserspenden ebnen Dominik Ostermann den Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben

Koblenz/Leutesdorf. Als Dominik Ostermann mit seinem Rollstuhl das erste Mal vor dem weißen Renault steht, kommen ihm die Tränen – Tränen der Freude. „Ich habe geheult wie ein Schlosshund. Rotz und Wasser. Wie ein kleines Kind, dem zu Weihnachten sein größter Wunsch erfüllt wird“, erzählt der 44-Jährige. Der größte Wunsch des Leutesdorfers (Kreis Neuwied) ist dank der Unterstützung von HELFT UNS LEBEN, der Hilfsaktion unserer Zeitung, in Erfüllung gegangen.

Dominik Ostermann ist wieder mobil, kann mit dem speziell auf seine Behinderung umgebauten Wagen endlich wieder ohne Unterstützung seine Eltern in Trier besuchen, zu Freunden fahren, in den Supermarkt, Ausflüge unternehmen, am gesellschaftlichen Leben teilhaben, kurzum: ein selbstbestimmtes Leben führen. Irgendwann aber wird ihn seine Krankheit einholen: Dann werden auch seine Arme amputiert werden, nachdem er bereits Stück für Stück beide Beine verloren hat. Elf Mal wurde er bereits operiert. Denn Dominik Ostermann leidet an dem extrem seltenen Winniwarter-Buerger-Syndrom, einer Autoimmunerkrankung, die die Blutgefäße in den Extremitäten verstopft und absterben lässt. Unheilbar. Unerforscht.

„In Deutschland gibt es nur 51 Patienten mit dieser Krankheit, da lohnt sich für die Pharmaindustrie der Einsatz nicht. Organe sind nicht betroffen. Aber die Krankheit gibt erst Ruhe, wenn Beine und Arme weg sind“, erklärt Dominik Ostermann nüchtern.

Doch an ein Fortschreiten des Leidens mag der Leutersdorfer noch nicht denken. Wenngleich er weiß, dass es erste Anzeichen in seiner linken Hand gibt, die nichts Gutes bedeuten. Immer wieder kribbelt es in den Fingern. „Aber vielleicht bleiben mir noch ein paar Jahre mit meinen Armen und Händen“, hofft der ehemalige Lokführer. Überhaupt hat er den Lebensmut nie verloren, scherzt, lacht, flachst, als er mit seiner besten Freundin Nicole Eszterle den Renault im Koblenzer Autohaus Schilling in Empfang nehmen darf, nachdem der Wagen bei einer Spezialfirma zunächst umgebaut worden war. Alle Funktionen kann Ostermann über einen Joystick am Lenkrad und einen Hebel links vom Fahrersitz aktiveren. Mit dem Hebel gibt er Gas und bremst. „Über den Joystick bediene ich Licht, Blinker, Hupe und alles andere“, erklärt der Frührentner.

Auf den Fahrersitz kann er sich von seinem Rollstuhl aus selbst hieven. Ein auf dem Rücksitz verbauter Lift verstaut dann automatisch den Rollstuhl auf der Rückbank. Rund 20 000 Euro hat allein der Umbau des Wagens gekostet, finanziert durch Spendengelder von HELFT UNS LEBEN.

Bis 2009 steuerte Dominik Ostermann noch Lokomotiven, dann konnte er seinen Beruf nicht mehr ausüben. Weil er zum ersten Jahrgang gehörte, der nicht mehr verbeamtet wurde, reicht die Erwerbsminderungsrente weder zum Leben noch zum Sterben. 530 Euro überweist die Rentenversicherung. Die Aufstockung auf Hartz-IV-Niveau übernimmt das Sozialamt. „Ein Auto hätte ich mir nie mehr leisten können. Schon gar nicht den behindertengerechten Umbau“, gesteht Ostermann. Und damit war er ohne fremde Hilfe quasi von der Außenwelt abgeschnitten. Der Bahnhof in Leutesdorf ist nicht barrierefrei. Busfahrten sind eine Tortur. Doch selbst um Hilfe zu bitten, das hat sich der 44-Jährige nicht getraut. „Deshalb habe ich das übernommen“, erzählt Nicole Eszterle schmunzelnd. Sie wandte sich an HELFT UNS LEBEN. „Dass das tatsächlich klappen wird, habe ich aber nicht zu hoffen gewagt“, räumt sie ein. Ostermann lernte Nicole Eszterle in Trier im Krankenhaus kennen. Ihr Lebensgefährte war damals schwer krank, starb wenig später. Auf dem Klinikflur sprach ausgerechnet Ostermann die junge Frau an. Selbst vom Schicksal gezeichnet, spendete er Nicole Eszterle Trost. Umso glücklicher ist sie, dass sie nun auch Dominik Ostermann helfen konnte, indem sie dem HELFT UNS LEBEN-Vorstand das Schicksal ihres besten Freundes schilderte. „Dass wir hier helfen konnten, freut uns. Das ginge aber nicht ohne die große Spendenbereitschaft unserer Leser“, betont Carlos Alexandre, Beisitzer im HELFT UNS LEBEN-Vorstand. Mit Petra Bernhard (HELFT UNS LEBEN) und Klaus Schäfers vom Autohaus Schilling in Koblenz übergab er Dominik Ostermann nun offiziell die Autoschlüssel. Der ersten größeren Fahrt steht damit nichts mehr in Wege. Wohin die geht? Ostermann weiß das schon ganz genau: „Ich möchte nach Bremen, da ist meine Oma beerdigt. Einmal im Jahr habe ich immer ihr Grab besucht, das konnte ich nun viele Jahre nicht mehr. Jetzt fahre ich sie endlich wieder besuchen.“

Foto: Dominik Ostermann (im Auto) hat beide Beine verloren. Dank Spenden unserer Leser konnte HELFT UNS LEBEN, die Hilfsorganisation unserer Zeitung, ihm ein Fahrzeug finanzieren, das seinen Bedürfnissen entspricht. Darüber freuen sich (von links) Petra Bernhard (HELFT UNS LEBEN), Klaus Schäfers vom Autohaus Schilling, Ostermanns beste Freundin Nicole Eszterle und Carlos Alexandre, Beisitzer im Vorstand von HELFT UNS LEBEN. Foto: Annette Hoppen

https://helftunsleben.de/vielleicht-bleiben-mir-noch-ein-paar-jahre-mit-meinen-armen/

Leutesdorfer hat schon elf Amputationen hinter sich

44-Jähriger leidet am Winniwarter-Buerger-Syndrom

Leutesdorf. Dominik Ostermann verliert seine Beine und seine Arme – Stück für Stück. Elf Amputationen hat er schon hinter sich, eine ganze Reihe werden wahrscheinlich noch folgen. Denn  der 44-Jährige, der in Leutesdorf wohnt, leidet an dem äußerst seltenen Winniwarter-Buerger-Syndrom.

Eine Krankheit, bei der die Blutgefäße von Armen und Beinen verstopfen und schließlich  absterben.  2007 bemerkte Ostermann die ersten Symptome bei sich: „Es fing an mit Schmerzen in den Zehen, die sich schließlich rot-violett verfärbten. Zwei Jahre hat es gedauert, bis die Ärzte  herausgefunden haben, woran ich leide“, berichtet Ostermann.

Nicht zu wissen, was er hat, machte ihn geradezu verrückt: „Das war die Hölle. Du weißt, dass etwas nicht mit dir stimmt, aber  niemand kann dir sagen, was es ist.“ Mittlerweile kennt Ostermann einen Namen für das, was ihn plagt, doch er weiß jetzt auch, was ihn erwartet, denn das Winniwarter- Buerger-Syndrom ist  unheilbar. „Es hört erst auf, wenn die Extremitäten weg sind. Organe sind nicht betroffen“, berichtet Ostermann sachlich. Wie viel Zeit ihm bleibt, ist unsicher: „Es kann in ein bis zwei Jahren sein oder in 20.“ Von seinen Beinen sind nur noch Stümpfe übrig, in einer Hand beginnen die Finger zu kribbeln – ein schlechtes Zeichen, wie der 44-Jährige weiß.

Seine Teilnahme an einer Studie der Berliner Charité, bei der bundesweit 51 Patienten mitmachten, zeigte keinen Erfolg. Die Medikamente, die er nun jeden Tag einnehmen muss, sind vor allem dazu da, die Zersetzung der Gefäße zu  verlangsamen und die starken Schmerzen zu unterdrücken, die damit einhergehen. Jede Woche steht ein Besuch beim Arzt an, der Ostermanns Werte kontrolliert. „Ich rechne jeden Tag damit,  dass ich wieder in die Klinik muss“, meint der ehemalige Lokführer. Seinen Job kann er seit der ersten Amputation nicht mehr ausüben, die Umschulung zum Mediengestalter musste er mehrfach abbrechen, mittlerweile ist er Frührentner.

Besonders bitter für ihn: „Ich war im ersten Jahrgang, der nicht mehr verbeamtet wurde. Sonst würde ich heute finanziell nicht so schlecht dastehen“,  erklärt Ostermann. Seit Kurzem bezahlt seine Krankenkasse unter anderem seine Magentabletten nicht mehr. Eine bezahlbare behindertengerechte Wohnung hat er nach langer, verzweifelter Suche zwar gefunden, den Wunsch, trotz seiner Einschränkungen noch Auto zu fahren, kann er sich jedoch aus eigenen Mitteln nicht ermöglichen. Der notwendige Umbau seines Wagens würde rund 20.000 Euro kosten. Hierfür erhofft er sich Unterstützung durch die Spendeninitiative HELFT UNS LEBEN.

Eigene Fahrten zum Einkaufen sind momentan für Dominik Ostermann unmöglich. Er ist vor allem auf die Hilfe seiner besten Freundin Nicole Eszterle angewiesen, die er als „Engel in der Not“ bezeichnet. Während seine frühere Lebensgefährtin ihn mit seinem Leiden allein ließ, blieb Eszterle an seiner Seite, pflegte ihn und half ihm, wann immer es nötig war. Sie ist einer der Gründe dafür, dass Ostermann trotz allem, was ihm widerfahren ist  undwas ihm noch bevorsteht, das Lachen nicht verloren hat. „Irgendwann kann einen nichts mehr schocken. Ich tue mir und meinem Umfeld keinen Gefallen, wenn ich den Kopf hängen lasse.“

Foto: Dominik Ostermann hat durch seine Krankheit schon den größten Teil seiner Beine verloren. Auch seine Arme werden folgen. Seine beste Freundin Nicole Eszterle steht ihm bei. Foto:  Christina Nover

https://helftunsleben.de/leutesdorfer-hat-schon-elf-amputationen-hinter-sich/