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Wenn ein Bus Wunder bewirkt

Höhr-Grenzhausen. „Möchtest du ein Salamibrot oder eine Banane?“, fragt Jana Böcking ihren jüngsten Sohn. Der blonde Wirbelwind ist gerade in die gemütliche Küche gerannt gekommen und möchte etwas zu essen haben. Der Zweijährige schaut seine Mama verschmitzt an und hat prompt einen Gegenvorschlag: „Gummibärchen?“ Lachend wuschelt die Höhr-Grenzhäuserin dem Jungen durchs Haar. „Kommt nicht infrage. Aber eine Mandarine kannst du haben.“ Eine ganz normale Familiensituation? Nicht so ganz. Denn bei Böckings fehlt Vater Roger. 57-jährig ist er im Juni 2018 an Krebs gestorben. Jana Böcking blieb mit den vier Söhnen allein zurück. Mit Trauer, Schmerz, Fassungslosigkeit, Tapferkeit und großen Geldsorgen. Der jüngste Spross war da gerade erst ein paar Monate alt.

Bislang war die Ergotherapeutin die Versorgerin der Familie gewesen. Ihr Mann kümmerte sich liebevoll um die Kinder. Als dann plötzlich noch der betagte Familienwagen streikte, wusste die junge Witwe nicht mehr weiter. HELFT UNS LEBEN (HUL), die Initiative unserer Zeitung für Menschen in Not, half vor einem halben Jahr schnell und unbürokratisch. Innerhalb von zwei Wochen konnten Geschäftsführer Hans Kary und Vorstandsmitglied Anne Schattner der Familie einen blauen VW-Bus TX 6 schenken. „Das war solch eine Erleichterung. Ich liebe dieses Auto. Es ist Gold wert“, sagt die 45-Jährige. Ohne den Bus könnte sie den Alltag nicht bewältigen. Morgens steuert sie mit den vier Jungen

Kindergarten, Grundschule und weiterführende Schule an. Auch Einkäufe wären bei so einer großen Familie ohne den VW nicht möglich. Sie freut sich, dass sie nur positive Reaktionen erfahren hat auf die HUL-Berichterstattung. Niemand habe ihr die Hilfe geneidet. Und auf Rosen gebettet sind die Böckings wahrlich nicht.

Oft muss das Essen bei der Tafel geholt werden, die Kleidung kommt aus zweiter Hand. Denn Jana Böcking ist in Elternzeit. Arbeiten zu gehen, ist mit vier kleinen Kindern derzeit nicht möglich. Da war es für die junge Witwe herzerwärmend, dass ihr Fremde sogar noch Monate nach Erscheinen des Artikels ihre Unterstützung anboten. Auch Freunden und Familie ist sie unendlich dankbar. Eineinhalb Jahre nach dem Schicksalsschlag sind immer noch viele Menschen da, die der Mutter und ihren Kindern helfen. So kocht eine Freundin einmal pro Woche für alle. Auch wird immer wieder eines der Kinder zu einem Ausflug mitgenommen. Doch die vier Jungen sind am liebsten daheim und in ihrer Nähe. Verlustangst plagt vor allem die drei älteren Söhne im Alter von zehn, sieben und fünf Jahren seit dem Tod des Vaters. Ihre Trauer bricht sich immer wieder Bahn. „Doch sie erzählen nicht viel. Sie versuchen, das vor mir zu verstecken, um mich nicht zu belasten.“

Jana Böcking versucht derzeit, sich gezielt Zeit für jeden Einzelnen zu nehmen. Dafür holt sie die Söhne im Wechsel früher von Kindergarten und Schule ab. Diese Zweisamkeit genießen die Jungen. Wie empfindet sie das Leben derzeit? „Es ist anstrengend. Es gibt Hochs und Tiefs. Aber es ist nicht hoffnungslos. Ich habe mein Lachen nicht verlernt“, sagt Jana Böcking tapfer. Trotzdem glitzern Tränen in den Augenwinkeln. Denn Zeit für persönliche Trauer hat sie immer noch nicht gehabt. Sie muss funktionieren – für die Kinder. Doch man merkt: Die zierliche Frau ist am Limit. Ihr größter Wunsch ist einmal ein Wochenende für sich. „Nur Ruhe, nachdenken und vielleicht ein Buch lesen. Das bräuchte ich so dringend.“ Diesen großen Wunsch erfüllt HELFT UNS LEBEN gern und schickt die Familie Böcking für ein verlängertes Wochenende in ein Kinderhotel.

Abbildung: Familie Böcking hat sich mit diesem gebastelten Bus bei den Lesern der Rhein-Zeitung bedankt.

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Neuer Kleinbus ist große Hilfe im Alltag

Höhr-Grenzhausen. Tapfer ist Jana Böcking. Und sie hat Stolz. Doch den kann sie sich derzeit nicht leisten. Denn die 45-Jährige aus Höhr-Grenzhausen ist seit elf Monaten Witwe – und das mit vier Söhnen im Alter von eineinhalb bis neun Jahren. Neben der Trauer ist auch noch die finanzielle Situation desaströs. Gerade ist ihr 16 Jahre alter Wagen kaputtgegangen. In dieser Notlage ist HELFT UNS LEBEN (HUL), die Initiative unserer Zeitung für Menschen in Not, schnell und unbürokratisch in die Bresche gesprungen. Geschäftsführer Hans Kary und Vorstandmitglied Anne Schattner übergaben der Familie jetzt einen blauen VW-Bus T 6.

„Das ist eine Sorge weniger“, sagt Jana Böcking und lächelt: „Ich liebe den Bus. Ohne Auto geht es leider gar nicht. Wie soll ich sonst einkaufen? Und ich muss die beiden Älteren zu zwei unterschiedlichen Schulen fahren und den Vierjährigen in den Kindergarten.“ Auch die vier Jungen sind begeistert vom schicken Multivan und turnen beim Termin mit unserer Zeitung im Innenraum herum. Hans Kary strahlt, als er diese ausgelassene Freude sieht. „Es war ein großes Glück, dass bei VW Nutzfahrzeuge Koblenz ein Leasing-Rückläufer kurzfristig zur Verfügung stand.“ So konnte HUL innerhalb von 14 Tagen der Familie in Höhr-Grenzhausen helfen. Jana Böcking ist darüber sehr dankbar. Auch über die Hilfe, die sie durch ihre Freunde erfährt. Sogar weitläufige Bekannte haben sich mittlerweile zu einem festen Halt entwickelt. „Mir wird mal gekocht, oder jemand macht die Wäsche. Das ist großartig.“

Dann kommt das Gespräch auf ihren verstorbenen Mann Roger. Immer wieder stockt die zarte Blondine in ihren Erzählungen, atmet tief durch und blinzelt Tränen weg. Man merkt: Jana Böcking hat es verinnerlicht, dass sie stark sein muss für ihre Kinder und für sich selbst. Die tiefe Trauer, die Verzweiflung kann sie nicht zeigen. Auch nach fast einem Jahr hat sie keinen Moment für sich gehabt, um den Verlust ihres Mannes zu verarbeiten. Roger Böcking war ihre Liebe, ihr Halt. Wegen einer Frühverrentung kümmerte er sich um Haushalt und Kinder. Die Wohnung in Höhr-Grenzhausen hatte er mit viel Geschick zu einem gemütlichen Nest umgebaut. Sie hingegen verdiente das Geld als Ergotherapeutin.

Im Dezember 2016 schien dann das Glück des Paares perfekt. Es hatte gerade erfahren, dass es das vierte Kind erwartet. Doch im Januar schlug das Schicksal erbarmungslos zu: Roger Böcking erhielt die Diagnose Krebs. Schnell ging es ihm immer schlechter. „Ich war schwanger und musste ihn pflegen.“

Im Juni 2018 starb er – gerade einmal 57-jährig. Das Leben von Jana Böcking und den Kindern war auf den Kopf gestellt. Und ist es immer noch. Man merkt: Verarbeitet hat die Höhr-Grenzhäuserin den Verlust noch nicht. Die Wucht des Verlustes trifft sie erst allmählich mit voller Härte. „Anfangs war ich wie betäubt, habe funktioniert. Ich wünsche mir so sehr mal Zeit für mich.“ Wie die Zukunft aussehen soll, weiß sie noch nicht.

Mit vier kleinen Kindern ist es ihr derzeit nicht möglich zu arbeiten. Sie hat die Elternzeit um zwei Jahre verlängert. Sie und ihre Söhne leben von einer kleinen Witwenrente, dem Halbwaisengeld der Jungen sowie Wohngeld. Kleidung wird meist gebraucht gekauft. Und Essen muss sie bei der Tafel holen. Ein Schritt, der ihr unendlich schwerfiel. „Aber ich habe keine Wahl“, sagt sie und schluckt. Für jemanden, der bisher im Leben immer allein zurechtkam, ist das Bitten um Hilfe schwierig.

Foto: Hans Kary (links) und Anne Schattner (rechts) von HELFT UNS LEBEN übergeben Jana Böcking und ihren vier Söhnen einen blauen VW-Bus. Seit dem Tod des Familienvaters stecken die fünf in finanziellen Schwierigkeiten. Foto: Camilla Härtewig

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