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„Schumi“ ist dann bald mal weg

Handbike für den Rollstuhl: Leubsdorfer ist dank Leserspenden wieder mobil

Leubsdorf. Guido Schumacher grinst – und das über das ganze Gesicht. Trotz Entzündung im linken Schultergelenk. Die nervt! Der Schmerz ist nebensächlich, aber er muss den Arm ruhig halten, kann die Kurbel seines neuen Handbikes nur kurz bedienen. Doch wenn das ausgeheilt ist, will er loslegen: „Ich hab Bekannte in ganz Deutschland. Dann bin ich weg“, sagt er, lacht und klingt dabei so wie einer, der selbst ein wenig erstaunt ist, welche Wendung sein Leben genommen hat.

„Schumi“, wie ihn seine Freunde nennen, strotzt im Juni 2017 vor Lebensfreude und Kraft. So sehr, dass er sich mit den elektrischen Antriebsmöglichkeiten seiner Rollstuhlzugmaschine noch gar nicht richtig beschäftigt hat. „Der Motor ist cool, geht ab wie eine Rakete“, weiß er, tippt auf „Speedy“ und schwärmt von den drei Hightechbremsen, die er mit dem Kinn bedienen kann. Aber die lange Anleitung hat er noch nicht studiert. Denn eigentlich will er das Gerät mit den eigenen Armen antreiben. Der 51-Jährige will fit werden und dann bleiben.

Fünf Monate vorher sieht vieles noch ganz anders aus. Guido Schumacher sitzt in seiner Zweizimmerwohnung in Leubsdorf und kommt kaum aus dem Haus. Den Rhein – und die vorbeiratternden Güterzüge – kann er von seinem kleinen Balkon aus sehen. Aber zum Strom hin kommt er nicht. Er leidet unter multifokaler motorischer Neuropathie, kurz MMN. Die unheilbare Autoimmunerkrankung raubt ihm die Kraft in den Extremitäten. „95 Prozent meiner Feinmotorik sind weg“, beschreibt er es selbst. Gehen kann er nur kurze Strecken, der Standardrollstuhl, den ihm seine Krankenkasse zur Verfügung gestellt hat, steht nutzlos im Hausflur herum. Er kann ihn einfach nicht bewegen.

Mit den Nachbarn – vor allem der stets hilfsbereiten Familie Wossilos – kommt er super aus, aber sonst sind seine sozialen Kontakte minimiert: Die Ziffern am Telefon zu tippen, ist ein Kraftakt, Papierkram am Computer zu erledigen, dauert ewig. „Für zwei Zeilen brauche ich zehn Minuten, und dann fallen mir die Hände ab“, erzählt er, als Manuela Lewentz-Twer und Hans Kary von HELFT UNS LEBEN (HUL) ihn im Februar besuchen. Schumachers Betreuerin Jutta Menningen-Hassinger hatte sich zuvor an die Leser-Spendenintiative unserer Zeitung gewandt und um Hilfe gebeten – „für einen mit einer Stehaufmentalität, für einen, der es einfach verdient hat, am Leben wieder teilnehmen zu können“, hatte sie geschrieben.

Und diese Lebenseinstellung beeindruckt die HUL-Vorsitzende und den Geschäftsführer. Unbürokratisch sagen sie die von der Krankenkasse verweigerte Sprachsoftware zu. „Ein erster Schritt, damit Sie wieder am Leben teilhaben können“, weiß Manuela Lewentz-Twer. Für den zweiten Schritt, so verspricht sie, wird HUL um Spenden bitten. „Ich bin optimistisch, dass unsere Leser helfen, dass Sie wieder nach draußen kommen“, prognostiziert Hans Kary – und soll wieder einmal nicht enttäuscht werden.

So kann das Handbike vor wenigen Tagen nach Leubsdorf geliefert werden. „Wenn es möglich wäre, würd ich jeden Einzelnen, der etwas dazugegeben hat, umarmen“, freut sich Schumacher und sucht sichtlich nach den richtigen Worten. „Absoluter Wahnsinn. Ich kann es noch gar nicht fassen. MMN macht jeden Tag für mich zum Kampf. Aber jetzt werde ich Möglichkeiten haben, die weg waren. Hut auf, Reisetasche packen und in den Zug setzen. Dann bin ich weg. Früher hätte ich es nicht einmal zum Bahnhof geschafft“, erzählt er mit viel Glanz in den Augen – und zur Freude von Manuela Lewentz-Twer. „Genau das sind die Fälle, bei denen wir als HUL helfen wollen“, unterstreicht sie.

Foto: Anschub von Manuela Lewentz-Twer und Hans Kary benötigt Guido Schumacher jetzt eigentlich nicht mehr. Denn das von HUL finanzierte Handbike gibt ihm verlorene Bewegungsfreiheit zurück. Foto: Ulf Steffenfauseweh

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