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Große Hilfe für den kleinen Rico

Koblenz. Große Welle der Hilfsbereitschaft für den kranken Rico: 6100 Euro sind bei einer Spendenaktion der Koblenzer Julius-Wegeler-Schule für HELFT UNS LEBEN, der Initiative unserer Zeitung für Menschen in Not, zugunsten des Vierjährigen aus Obernhof/Lahn zusammengekommen. Christian Reif, Lehrer für Mediengestaltung und Sozialkunde, der das Ganze initiiert hatte, übergab nun mit seinen Kollegen den Spendenscheck an die „HELFT UNS LEBEN“-Vorsitzende Manuela Lewentz-Twer und den „HELFT UNSLEBEN“-Geschäftsführer Hans Kary in Anwesenheit von Ricos Mutter Angelina und Großmutter Gabi Bergmann.

Bereits die Mutter war Schülerin bei Reif. Der versprach bei der Übergabe mit Blick auf die Unterstützung: „Das ist noch nicht das Ende.“ Der Spendenerlös soll hauptsächlich für eine Delfintherapie für Rico, die am 2. Februar beginnt, verwendet werden. Seine Mutter rang nach Worten: „Ich bin von der Aktion meiner früheren Schule und der Summe total überwältigt.“

Rückblick: Am 26. September 2018 berichtete unsere Zeitung über das Schicksal des kleinen Rico, der frühkindlichen Autismus hat und unter Intelligenzminderung leidet, sowie seiner alleinerziehenden 28-jährigen Mutter, die rund um die Uhr für Rico da sein muss. Den Spendenaufruf las auch ihr früherer Lehrer Reif. Der beschloss spontan: „Hier müssen wir helfen.“ Sofort nach den Herbstferien startete eine kreative Hilfsaktion an der Julius-Wegeler-Schule. „Die Schulleitung hat die Aktion von Beginn an mitgetragen“, sagt Reif. Die Hauptidee war: Schüler sollten auf freiwilliger Basis für ein gutes Ergebnis bei Klassenarbeiten oder Tests spenden, für die Note Eins 1 Euro, für eine Zwei 80 Cent und so weiter. Die Schüler machten in großer Zahl mit, und zwar an beiden Standorten der Schule.

Und damit nicht genug. Die Mediengestalter, diesen Beruf übt auch Ricos Mutter im Heimbüro aus, entwarfen zehn verschiedene Weihnachtskarten. Die Görres-Druckerei druckte 5000 Exemplare kostenlos. Im Hauswirtschaftsbereich der Schule wurden Weihnachtsplätzchen gebacken. Die Hälfte vom Erlös des Weihnachtsbasars an der Julius-Wegeler-Schule ging an die Spendenaktion. Der Radsportverein Tour 3333 spendete 1333 Euro. Die Kolpingsfamilie St. Mauritius Kärlich gab 800 Euro. Der Vater der Schülerin Lorina Schwall fügte 700 Euro von seinem Weihnachtsbaumverkauf hinzu. Die Band No Kidding erspielte bei einem Benefizkonzert 440 Euro.

Zu den 6100 Euro werden noch 200 Euro dazu kommen, die der Schüler Leon Catak aus dem Verkauf von Weihnachtskarten im Rewe Andernach erzielt hat – dort jobbt er am Wochenende. Weiterhin wird Geld aus Benefizkonzerten des Chors der Kärlicher Kolpingfamilie „pianoforte“ aufaddiert. Der Erlös von drei Neujahrskonzerten wird unter drei Spendenempfängern aufgeteilt, einer davon ist Rico. Beim ersten Konzert in Kärlich kamen nach Informationen von Reif 3070 Euro zusammen. Weitere Konzerte sind am 20. Januar um 17 Uhr in der Bassenheimer Kirche St. Martin und am 17. Februar um 17 Uhr in der Abteikirche Bendorf-Sayn.

Foto: Lehrer Christian Reif (Mitte) übergab mit seinen Kollegen (von rechts) Katrin Hering, Jennifer Nollen, Heinz Sticha und Reinhard Stolzenbach (2. von links) einen Scheck in Höhe von 6100 Euro an die „HELFT UNS LEBEN“-Vorsitzende Manuela Lewentz-Twer und Geschäftsführer Hans Kary (hinten 3. und 4. von links). Bestimmt ist das Geld für den kleinen Rico Bergmann (auf dem Schoß seiner Mutter Angelina). Mit ihnen freut sich Großmutter Gabi. Foto: Scholz

https://helftunsleben.de/grosse-hilfe-fuer-den-kleinen-rico/

Medikamente wirken bei Rico einfach nicht

Der Vierjährige aus Obernhof ist auf Therapien angewiesen

Rhein-Lahn. Er weiß noch genau, wo er fürs Osternest Moos gesammelt hat, sieht, wenn der Nachbar ein Ersatzrad am Auto montiert hat, erkennt, wenn der Schreibtischstuhl nicht an seinem eigentlichen Platz steht. Rico ist ein pfiffiger Junge voller Lebensfreude. Doch die Momente, in denen es dem Vierjährigen schlecht geht, überwiegen. Er ist auf dem Stand eines Zweijährigen, hat frühkindlichen Autismus und leidet unter Intelligenzminderung. Der kleine Mann braucht die volle Aufmerksamkeit seiner Mama Angelina Bergmann – und das 24 Stunden an sieben Tagen die Woche. Die Alleinerziehende weiß: Wenn das so bleibt, schafft sie es nicht. Hier kommt HELFT UNS LEBEN (HUL), die Hilfsorganisation unserer Zeitung, ins Spiel. Vorsitzende Manuela Lewentz-Twer und Geschäftsführer Hans Kary besuchten jetzt die Familie, um sich ein Bild von deren Situation in Obernhof zu machen.

Wie prekär die Situation tatsächlich ist, wird durch die Erzählungen Angelina Bergmanns schnell deutlich. Die 28-jährige Mutter kann mit ihrem Sohn praktisch nirgendwo hingehen, ohne dass sich nicht mindestens eine Person gestört fühlt. Gerade in der Arztpraxis angekommen, fängt der Junge an zu schreien, dauert es zu lang an der Fleischtheke im Supermarkt, schlägt er plötzlich um sich, sind die beiden gerade auf dem Spielplatz angekommen, möchte er wieder nach Hause. „Rico kann keine Reize filtern, vor vielen fremden Leuten hat er Angst, gerade vor Kindern“, sagt Mama Angelina und erklärt, dass viele Leute darauf mit Unverständnis reagieren und sie beschimpfen oder wegschicken.

Die Situation isoliert die Familie mehr und mehr. Teils fühlt sich Angelina Bergmann alleingelassen. Das erkennt auch Manuela Lewentz-Twer und drückt ihr Mitgefühl aus, während sie Rico liebevoll den Arm streichelt: „In meinen Augen scheint es wichtig zu sein, auch für Sie kleine Freiräume zu schaffen.“

Schnell wird deutlich, dass das Angelina Bergmann nicht macht – und nicht kann. Denn niemand hat genügend Kraft, um den Jungen mal einen Tag lang zu betreuen. Ihr Vater ist gestorben, ihre Mutter gesundheitlich angeschlagen. Einen Partner gibt es im Leben der jungen Frau nicht. Zumindest ihre Schwester oder eine Freundin können Rico mal für ein, zwei Stunden nehmen. Ihren Sohn in eine 24-Stunden-Betreuung zu geben, das kommt für die 28-Jährige nicht infrage. Eine passende Betreuung für Kinder mit einem solchen Krankheitsbild gebe es ohnehin nicht in der Nähe. Und für die Mutter steht fest: „Ich werde mein Kind nicht weggeben. Ich möchte das Leben mit meinem Kind zusammen schaffen.“ Als wäre die Situation nicht schon schlimm genug, schlagen viele der Medikamente, die der blonde Junge bekommt, auch nicht (mehr) an. Zudem werden die Abstände größer, bis er gewisse Dinge allein schafft.

Windeln wechseln, Zähne putzen, waschen, füttern: Für die Alleinerziehende ist dies alles sehr anstrengend, erzählt sie. Denn vieles mag Rico so gar nicht leiden, entwickelt eine enorme Kraft, wenn er sich wehren möchte. Angelina Bergmann hat kürzlich Pflegestufe 4 für ihren Sohn beantragt. Ein schwerer Schritt, aber die verzögerte Entwicklung von Rico lässt ihr keine andere Wahl. „Es hat ewig gebraucht, bis Rico allein Pipi machen konnte“, erzählt die Powerfrau verzweifelt.

Immerhin sei der ältere Nachbar von unten sehr kulant, obwohl er wirklich alles mitbekommen würde, wenn der Vierjährige mal wieder laut wird. Manuela Lewentz-Twer macht der Mutter Mut: „Vielleicht hilft es zusätzlich, wenn Sie Ihr Umfeld über Ihre Situation informieren. Dadurch wird es oftmals besser.“

Vor Kurzem wurde zudem Diabetes Typ 1 bei der 28-Jährigen diagnostiziert. Bis zuletzt arbeitete sie als Mediengestalterin 30 Stunden die Woche von zu Hause aus, während der Junge in der Kita in Singhofen war. Doch all ihre eigenen Probleme stellt die Frau hintenan. „Für mich ist es das Schlimmste, seinen Leidenskampf zu sehen. Er frisst alles in sich rein. Mein Wunsch wäre es, dass sich das reduziert.“

Die Liste der Baustellen und der nötigen Therapien ist lang: Förderung der Sprache, Reduzierung der Aggressivität und Reizüberflutung. Wenn nur eine Therapie zu 5 Prozent anschlagen würde, so die Frau aus Obernhof, wäre das ein Erfolg. „Was wir jetzt alles schaffen, sehe ich als Grundstein für später“, sagt sie und kommt auf die Delfintherapie zu sprechen, die 15 000 Euro kostet, aber Erfolg versprechend scheint. „Wir sehen direkt, dass wir hier helfen können“, versichert Hans Kary. Angelina Bergmann kann ihre Tränen nicht zurückhalten. Manuela Lewentz-Twer fügt hinzu: „Wir können Berge versetzen.“ Die beiden machen der Familie Mut, dass sich der eine oder andere bereit erklärt, zu spenden.

HELFT UNS LEBEN bittet um Spenden für Familie Bergmann. Die Bankverbindung lautet: HELFT UNS LEBEN, Sparkasse Koblenz, IBAN: DE72 5705 0120 0000 0013 13, Betreff: Rico.

Foto: Manuela Lewentz-Twer (links), Vorsitzende von HELFT UNS LEBEN, und Geschäftsführer Hans Kary besuchten Angelina Bergmann und ihren Sohn Rico in Obernhof. Die Vertreter der Hilfsorganisation erkannten schnell: Auch wenn der Vierjährige ein pfiffiger Junge voller Lebensfreude ist, kann die Familie jede Hilfe brauchen. Foto: Rödder

https://helftunsleben.de/medikamente-wirken-bei-rico-einfach-nicht/