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Inklusion stellt Verein vor Herausforderung

Organisation sucht Mitglieder und Sponsoren – Im Mai gibt’s ein Benefizkonzert

Bad Kreuznach. Was die Inklusion von Menschen mit Behinderungen angeht, so gibt es auch im Jahr 2017 noch eine ganze Menge zu tun. Das stellt den Verein zur Förderung körperbehinderter Menschen im Kreis Bad Kreuznach und Umgebung vor immer neue Herausforderungen. Dabei geht er jetzt neue Wege: Er veranstaltet ein Benefizkonzert, das sich als fester Bestandteil der Musikszene rund um Bad Kreuznach etablieren soll.

Die Veranstaltung soll mithelfen, dass Menschen mit schweren und schwersten Behinderungen und ohne finanzielles Polster an Freizeiten teilnehmen können. Brigitte Leipold vom Vorstand des Vereins versteht darunter viel mehr als Sponsoring. Für sie ist es „ein Projekt für unsere starke Region“: „Vorstand, Mitglieder, Musiker und nicht zuletzt die behinderten Menschen und andere Unterstützer des Benefizkonzerts stehen mit Herzblut hinter diesem Projekt.“

Der gemeinnützige Verein wurde 1984 von Betroffenen und ihren Familien gegründet. Heute hat er etwa 300 Mitglieder. Die Selbsthilfeorganisation setzt sich für die Belange körper- und mehrfachbehinderter Menschen ein. Den Großteil seiner Angebote muss er selbst finanzieren. Deshalb ist er auf Spenden angewiesen. Seit mehr als 30 Jahren leisten die Mitglieder großartige und engagierte ehrenamtliche Arbeit. „Die Arbeit und die Ideen gehen uns nicht aus … vor allem wenn sich immer wieder auch junge neue Leute bei uns einfinden.“ Doch die Arbeit kostet auch viel Kraft, der Verein muss kämpfen, und es gibt ein Nachwuchsproblem, so Leipold: Der Vorstand ist überaltert, händeringend werden jüngere Mitstreiter gesucht.

Vieles hat der Verein in mehr als 30 Jahren schon erreicht, so die Erweiterung der Barrierefreiheit oder Bildungs- und Freizeitmaßnahmen für Menschen mit Behinderungen. An anderen Zielen wird noch gearbeitet wie mehr Selbstbestimmung für Menschen mit schweren Behinderungen unabhängig von ihrer Wohnform oder der Gewährleistung der Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben. Das Ende 2016 beschlossene Bundesteilhabegesetz war da für die Behindertenverbände eher eine Enttäuschung als ein Fortschritt.

Der Verein sucht zum einen Sponsoren und Spender – etwa durch die Mitgliedschaft als Förderer, einmalige oder monatliche Spenden oder den Kauf eines Werbeblocks auf dem Plakat für das Benefizkonzert „Wenn einer eine Reise tut“. Das Vereinsmotto „Miteinander – füreinander“ gilt auch für diese Veranstaltung. Sie findet am Sonntag, 21. Mai, 15 bis 17 Uhr, in der Bethesda-Schule der Kreuznacher Diakonie statt. Es treten dabei der Kinderliedermacher Alex Schmeisser solo sowie im Duo als Anna and Me mit Sängerin Anke Schröter auf, außerdem The Late Guys. Ihre Mitglieder sind die Mitbegründer der Röka-Big-Band vor mehr als 20 Jahren. Sie spielen Jazz-, Soulstücke und Evergreens. Das Catering in der Pause übernimmt der Verein. Die Big-Band unter Leitung des Physiotherapeuten Christoph Keber trat beim Sommerfest im August 2016 auf. So entstanden die Kontakte. „Uns war sofort klar: Die müssen wiederkommen“, erinnert sich Brigitte Leipold.

Drei Freizeiten sind geplant: Vom 30. September bis 7. Oktober geht es nach Sylt in die Familienferienstätte Haus Stegerwald in Rantum. Die Einrichtung bietet Ferien ohne Hindernisse, ist behindertengerecht eingerichtet und für Rollifahrer geeignet. Noch heute schwärmt Brigitte Leipold von der Familienfreizeit 2003: Per Sonderzug ging es mit 25 Personen nach Sylt, wo die Kinder und Jugendlichen mit zum Teil schweren Behinderungen eine neue Umgebung erobern konnten. Mit einem Meer von Eindrücken kehrte die Gruppe zurück. Das Hilfswerk unserer Zeitung, HELFT UNS LEBEN, hatte die Freizeit ebenfalls finanziell unterstützt.

Diese Tradition will der Verein fortsetzen: Die Ferienfreizeiten sollen auch behinderten Menschen ermöglicht werden, die sich nicht selbstständig über das Arbeitgebermodell organisieren und die
über kein eigenes Personal verfügen. Dafür werden noch Betreuer gesucht. Voraussetzung ist, dass sie mindestens 18 Jahre alt sind. Auch eine Schulung in Erster Hilfe gibt es. Vom 17. bis 23. Juli steht die Waldfreizeit auf dem Kreuznacher Kuhberg auf dem Programm, unter anderem mit dem Grünen Klassenzimmer. Natur und Tier erleben – auch das ist eine Erfahrung, die Rollstuhlfahrer sonst nur schwer machen können. Vom 12. bis 14. August gibt es dann eine Städtereise nach Erfurt mit dem Schwerpunkt jüdische Kultur.

Foto: Die Big Band The Late Guys tritt beim Benefizkonzert für den Verein zur Förderung körperbehinderter Menschen am 21. Mai auf (Foto: Christoph Keber).

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