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Leutesdorfer hat schon elf Amputationen hinter sich

44-Jähriger leidet am Winniwarter-Buerger-Syndrom

Leutesdorf. Dominik Ostermann verliert seine Beine und seine Arme – Stück für Stück. Elf Amputationen hat er schon hinter sich, eine ganze Reihe werden wahrscheinlich noch folgen. Denn  der 44-Jährige, der in Leutesdorf wohnt, leidet an dem äußerst seltenen Winniwarter-Buerger-Syndrom.

Eine Krankheit, bei der die Blutgefäße von Armen und Beinen verstopfen und schließlich  absterben.  2007 bemerkte Ostermann die ersten Symptome bei sich: „Es fing an mit Schmerzen in den Zehen, die sich schließlich rot-violett verfärbten. Zwei Jahre hat es gedauert, bis die Ärzte  herausgefunden haben, woran ich leide“, berichtet Ostermann.

Nicht zu wissen, was er hat, machte ihn geradezu verrückt: „Das war die Hölle. Du weißt, dass etwas nicht mit dir stimmt, aber  niemand kann dir sagen, was es ist.“ Mittlerweile kennt Ostermann einen Namen für das, was ihn plagt, doch er weiß jetzt auch, was ihn erwartet, denn das Winniwarter- Buerger-Syndrom ist  unheilbar. „Es hört erst auf, wenn die Extremitäten weg sind. Organe sind nicht betroffen“, berichtet Ostermann sachlich. Wie viel Zeit ihm bleibt, ist unsicher: „Es kann in ein bis zwei Jahren sein oder in 20.“ Von seinen Beinen sind nur noch Stümpfe übrig, in einer Hand beginnen die Finger zu kribbeln – ein schlechtes Zeichen, wie der 44-Jährige weiß.

Seine Teilnahme an einer Studie der Berliner Charité, bei der bundesweit 51 Patienten mitmachten, zeigte keinen Erfolg. Die Medikamente, die er nun jeden Tag einnehmen muss, sind vor allem dazu da, die Zersetzung der Gefäße zu  verlangsamen und die starken Schmerzen zu unterdrücken, die damit einhergehen. Jede Woche steht ein Besuch beim Arzt an, der Ostermanns Werte kontrolliert. „Ich rechne jeden Tag damit,  dass ich wieder in die Klinik muss“, meint der ehemalige Lokführer. Seinen Job kann er seit der ersten Amputation nicht mehr ausüben, die Umschulung zum Mediengestalter musste er mehrfach abbrechen, mittlerweile ist er Frührentner.

Besonders bitter für ihn: „Ich war im ersten Jahrgang, der nicht mehr verbeamtet wurde. Sonst würde ich heute finanziell nicht so schlecht dastehen“,  erklärt Ostermann. Seit Kurzem bezahlt seine Krankenkasse unter anderem seine Magentabletten nicht mehr. Eine bezahlbare behindertengerechte Wohnung hat er nach langer, verzweifelter Suche zwar gefunden, den Wunsch, trotz seiner Einschränkungen noch Auto zu fahren, kann er sich jedoch aus eigenen Mitteln nicht ermöglichen. Der notwendige Umbau seines Wagens würde rund 20.000 Euro kosten. Hierfür erhofft er sich Unterstützung durch die Spendeninitiative HELFT UNS LEBEN.

Eigene Fahrten zum Einkaufen sind momentan für Dominik Ostermann unmöglich. Er ist vor allem auf die Hilfe seiner besten Freundin Nicole Eszterle angewiesen, die er als „Engel in der Not“ bezeichnet. Während seine frühere Lebensgefährtin ihn mit seinem Leiden allein ließ, blieb Eszterle an seiner Seite, pflegte ihn und half ihm, wann immer es nötig war. Sie ist einer der Gründe dafür, dass Ostermann trotz allem, was ihm widerfahren ist  undwas ihm noch bevorsteht, das Lachen nicht verloren hat. „Irgendwann kann einen nichts mehr schocken. Ich tue mir und meinem Umfeld keinen Gefallen, wenn ich den Kopf hängen lasse.“

Foto: Dominik Ostermann hat durch seine Krankheit schon den größten Teil seiner Beine verloren. Auch seine Arme werden folgen. Seine beste Freundin Nicole Eszterle steht ihm bei. Foto:  Christina Nover

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