Menü

Hochwasserhilfe als Basis einer guten Freundschaft

Kirn/Königsbrück. Die Hochwasser 1993 und 1995 in Kirn und dann 2002 in Sachsen waren sozusagen der Grundstein für eine herzliche Freundschaft zweier Männer, die damals als Bürgermeister ihrer Städte Königsbrück und Kirn Verantwortung trugen. Das Wasser ging, die Freundschaft blieb und sie ist seither weiter gewachsen. So wie die 26 Jahren in Sachsen gepflanzte Kirner Linde, die zu einem stattlichen Baum geworden ist.

Wie war das damals mit dem Hochwasser? Im Gespräch mit unserer Zeitung erinnert Fritz Wagner daran, dass nach dem zweiten Hochwasser 1995 in Kirn im April ein Mann im Bürgermeister-Vorzimmer stand, den niemand kannte, und der sächsisch sprach. Kirn war mit seinen Hochwasserschäden in der Tagesschau das große Thema gewesen. Nun stand Jürgen Löschke in Kirn und hatte 6000 Mark in der Tasche. Das hätten seine Bürger aus Königsbrück bei Dresden für die Kirner gesammelt, und das wollte er jetzt hier überreichen.Zu Kirn hatte es seitens der sächsischen Stadt zuvor keinerlei Verbindung gegeben.

Fritz und Ute Wagner fuhren im Oktober zum Tag der Einheit nach Königsbrück, dankten für die großherzige Spende und pflanzten im Kindergarten eine „Kirner Linde“, um die Verbundenheit zu demonstrieren.Dann kam das Hochwasser an der Elbe 2002. Am Kirner Kirmeswochenende war das, also heute vor 19 Jahren. Man hatte wegen der Kerb von der Katastrophe nicht viel mitbekommen, erinnert sich Wagner. Erst dienstags rief Wagner bei seinem Freund Jürgen Löschke an. Königsbrück war damals direkt nicht so stark betroffen „nur ein paar Keller“ waren vollgelaufen. Aber wenn er helfen wolle, könne er mal nach Pirma, Wesenstein oder Bad Schandau fahren, riet Löschke seinem Freund.

Damals waren auch viele Helfer von der Nahe im Elbhochwasser, „retteten unter anderem mit ihren Pumpen ein Kraftwerk, das vollzulaufen drohte.Gesagt, getan. Wagner fuhr nach Wesenstein, hatte die Vollmacht unserer Zeitung („HELFT UNS LEBEN“) über einen höheren fünfstelligen Betrag. Man kümmerte sich besonders um ein Haus, das im Müglitztal zu mehr als der Hälfte weggerissen worden war. Ein Kirner Architekt half, machte Wiederaufbaupläne, in Kirn wurde gesammelt. Das Haus wurde, wie so vieles im Müglitztal wieder aufgebaut. Es steht heute als Fünffamilienhaus stattlich am Ortseingang wie sich Fritz Wagner jetzt beim Besuch überzeugen konnte.

Vor vier Wochen war Wagner mit seiner Frau Ute und einer Enkeltochter in Dresden zu Besuch. Und wieder war das Hochwasser ein Thema. Wagner: „Auf der Hinfahrt erreichten uns Informationen über die Auswirkung des Starkregens in der Eifel, die Milliardenschäden an der Ahr. Wir erinnerten uns daran, dass am 14 und 15. August 2002 Sachsen von einem ähnlich verheerenden Hochwasser heimgesucht wurde. Meterhoch stand das Müglitztal unter Wasser. Die Infrastruktur war komplett zerstört.“ Auch jetzt wieder spielte der Starkregen eine Rolle, etwa in Bad Schanda. Aber die Schäden hielten sich dort diesmal in Grenzen. Dies wohl auch, weil man sich nach der Direkthilfe für die Opfer 2002 mit dem Wiederaufbau der Infrastruktur Zeit gelassen hatte, viel nachdachte und nachhaltige Konzepte umsetzte.

Erst mal gehe es um die Soforthilfe, weiß der frühere Kirner Bürgermeister, der nach zwei Flutkatastrophen das erste große Hochwasser-Schutzkonzept des Landes in Kirn umgesetzt hatte. Heute stehen die Menschen an der Ahr vor noch größeren Herausforderungen.

Das weiß auch Wagner-Freund Löschke. Zum Abschied gab er Wagner spontan 300 Euro für das bei der Verbandsgemeinde Kirner Land eingerichtete Hochwasser-Spendenkonto mit. Hochwasser und der Starkregen werden Themen bleiben. An Ahr, Elbe und Nahe. Die gegenseitige Nothilfe hat eine Freundschaft geschmiedet. Ein gutes Beispiel, wie es laufen kann und laufen sollte. Auch an der Ahr.

Foto: In Dresden trafen sich zwei Freunde und Kollegen, die einst das Hochwasser zusammenführte. Jürgen Löschke (links) gab seinem Freund Fritz Wagner 300 Euro für’s Spendenkonto der VG Kirner Land mit. Foto: Fritz Wagner