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Wenn das Schicksal mehr als einmal zuschlägt

Was Joachim Albrecht erlebt hat, reicht für mehrere Leben – Ein neues Auto könnte seines zumindest ein wenig erleichtern

Koblenz. „Schreiben Sie ja nicht, dass ich an den Rollstuhl gefesselt bin“, sagt Joachim Albrecht. Die Floskel vom Fesseln mag er nicht hören, weil sie einfach nicht stimmt. „Der Rollstuhl ist mein Freund. Erst der Rollstuhl macht mich mobil, gibt mir Lebensqualität“, stellt der 47- Jährige klar. Und sein umgebauter Kia. Doch der alte Koreaner ist marode, vom Rost zerfressen. Keine  Chance mehr auf die nächste TÜV-Plakette, die in wenigen Wochen fällig wird. Und nun?

Ein neuer Wagen: Für den Schwerstbehinderten ist der unbezahlbar. Kostenträger, die einspringen, gibt  es nicht. Erstmals seit seinem Unfall vor fast 30 Jahren hat Albrecht Angst vor der Zukunft. Angst, künftig räumlich gefangen zu sein. Angst, einen wichtigen Teil selbstbestimmten Lebens, den er sich trotz vieler Schicksalsschläge bewahrt hat, endgültig zu verlieren. Die Hilfsorganisation unserer Zeitung HELFT UNS LEBEN will und wird den Koblenzer deshalb unterstützen.

19 Jahre alt  ist Joachim Albrecht, als er mit einem Motorrad zwischen Bettendorf und Nastätten gegen einen Baum kracht. „Wohl selbst verschuldet“, gibt er unumwunden zu. Der fünfte und sechste Halswirbel brechen beim Aufprall, Albrecht schwebt Wochen lang zwischen Leben und Tod, ist voll querschnittsgelähmt. Seither lebt er von einer schmalen Rente. Binnen weniger Sekunden wurde da nur aufgrund jugendlichen Leichtsinns ein Leben zerstört, mag da so manch Außenstehender denken. Doch Joachim Albrecht wischt sich die Tränen schnell ab. Sechs Wochen heult er am Stück. dann ist Schluss. „Wir brauchen Dich“, sagen ihm Mutter, Vater und Schwester, als er Wochen nach dem Unfall wieder ansprechbar ist. Sie wollen ihm Mut machen, zeigen, dass sein   Leben durch die Behinderung nicht wertlos geworden ist. Und sie sollen damit recht behalten – auf traurige Art und Weise. 2005 stirbt Albrechts Vater – unerwartet und plötzlich. Seine gehörlose Mutter ist nun oft auch auf die Hilfe des Sohnes angewiesen. Gleichzeitig pflegt die Mutter den jungen Mann zu Hause, hilft ihm bei der Körperhygiene und all den Dingen, die der Sohn mit seinen  zwei zu sogenanntenFunktionshänden versteiften Händen und einem nahezu bewegungslosen Körper nicht mehr leisten kann.

Immer wieder besucht auch die Schwester den Bruder, hilft, wo sie kann. Bis sie vor einigen Jahren wegen Diabetes fast das ganze Augenlicht verliert. „Nun müssen wir ihr zur Seite stehen“, sagt Albrecht. Und dann vor wenigen Monaten der nächste  Schock: „Die schlimmsten zehn Minuten meines Lebens“, offenbart Joachim Albrecht. Er liegt im Bett, als er einen dumpfen Aufprall aus dem Bad hört. Albrecht weiß sofort, dass etwas  Schlimmes passiert ist. Alleine in seinen Rollstuhl schafft er es nicht, panisch muss er warten. „Ich konnte ihr nicht helfen, nur den Notruf wählen und abwarten“, erzählt er. Die Diagnose:  Schlaganfall. Seine Mutter überlebt, bleibt aber halbseitig gelähmt – und wird zum Pflegefall.

Joachim Albrecht holt die Mutter von Nassau zu sich nach Koblenz, 50 Quadratmeter misst die  Wohnung im Wohnpark gegenüber dem Evangelischen Stift, die sich die beiden nun teilen. Das Pflegebett der Mutter nimmt das halbe Wohnzimmer ein. Lange überlegen musste er trotzdem  nicht: „Meine Mutter hat so viel für mich getan, das bin ich ihr schuldig.“ Eine größere, barrierefreie und bezahlbare Wohnung wäre ein Traum. Doch die Suche ist schwierig. „Rollstuhlfahrer sind noch unbeliebter als Kinder“, weiß Albrecht. Nicht schuldig, aber irgendwie verantwortlich, ihnen beizustehen, fühlt sich Albrecht für frisch verletzte Querschnittspatienten gegenüber im   Stiftungsklinikum. Das Krankenhaus hat ihm vor einigen Jahren einen Job als Patientenberater angeboten, 450 Euro verdient er so für die oft klamme Haushaltskasse dazu. Dabei ist seine Arbeit  eigentlich unbezahlbar wertvoll. „Ich kann drei wichtige  Worte sagen, die kein Arzt sagen kann“, weiß Joachim Albrecht: „Ich verstehe dich.“

Nur, wer selbst betroffen ist, da ist Joachim Albrecht   überzeugt, kann wirklich nachempfinden, wie es sich anfühlt, plötzlich vor einem völlig veränderten Leben zu stehen, nicht mehr zu wissen, wie es weitergeht. Vieles könne man dann auch einfach  nicht schönreden. „Man gibt seine Intimität ab, wenn man ins Krankenhaus kommt. Und man bekommt sie nie mehr zurück.“

Mit seinem Kia erhielt Albrecht  vor 13 Jahren aber  immerhin ein Stück weit seine Mobilität zurück, einen Teil seines selbst bestimmten Lebens. Der Wagen war damals schon gebraucht, aber ein Glücksfall. Einkäufe erledigen, in Urlaub fahren,  Ärzte aufsuchen oder zum Rollstuhl-Rugby-Training fahren: All das konnte Joachim Albrecht mit dem auf seine Behinderung zugeschnittenen Auto alleine bewerkstelligen. Doch nun droht ihm, von all diesen Facetten des sozialen und öffentlichen Lebens abgeschnitten zu werden. Denn weil er den Unfall damals selbst verschuldete und es sich um keinen Berufsunfall handelte, gab es  niemanden in Regress zu nehmen, und auch die Berufsgenossenschaft ist für Hilfsmittel nicht zuständig, die Albrecht braucht, sondern die Krankenkasse. Und von der gibt es keine Beihilfen und Unterstützungen für ein behindertengerechtes Auto. 70.000 Euro kostet ein Wagen, wenn er einen Rollstuhl, wie den von Joachim Albrecht aufnehmen kann. Alle Bedienelemente müssen per Hand erreichbar sein. Alleine für den Umbau werden rund 40.000 Euro fällig. Eine Summe, die Albrecht niemals mehr in seinem Leben alleine schultern könnte. Umso mehr ist er dankbar über die Unterstützung von HELFT UNS LEBEN.

Foto: Der Rost hat sich durch den ganzen Unterboden seines Autos gefressen, eine neue Tüv-Plakette gibt es nicht. Ein neuer, behindertengerechter Wagen ist für Joachim Albrecht  unbezahlbar. HELFT UNS LEBEN möchte den Koblenzer nun unterstützen. Foto: Annette Hoppen

 

https://helftunsleben.de/wenn-das-schicksal-mehr-als-einmal-zuschlaegt/

Leutesdorfer hat schon elf Amputationen hinter sich

44-Jähriger leidet am Winniwarter-Buerger-Syndrom

Leutesdorf. Dominik Ostermann verliert seine Beine und seine Arme – Stück für Stück. Elf Amputationen hat er schon hinter sich, eine ganze Reihe werden wahrscheinlich noch folgen. Denn  der 44-Jährige, der in Leutesdorf wohnt, leidet an dem äußerst seltenen Winniwarter-Buerger-Syndrom.

Eine Krankheit, bei der die Blutgefäße von Armen und Beinen verstopfen und schließlich  absterben.  2007 bemerkte Ostermann die ersten Symptome bei sich: „Es fing an mit Schmerzen in den Zehen, die sich schließlich rot-violett verfärbten. Zwei Jahre hat es gedauert, bis die Ärzte  herausgefunden haben, woran ich leide“, berichtet Ostermann.

Nicht zu wissen, was er hat, machte ihn geradezu verrückt: „Das war die Hölle. Du weißt, dass etwas nicht mit dir stimmt, aber  niemand kann dir sagen, was es ist.“ Mittlerweile kennt Ostermann einen Namen für das, was ihn plagt, doch er weiß jetzt auch, was ihn erwartet, denn das Winniwarter- Buerger-Syndrom ist  unheilbar. „Es hört erst auf, wenn die Extremitäten weg sind. Organe sind nicht betroffen“, berichtet Ostermann sachlich. Wie viel Zeit ihm bleibt, ist unsicher: „Es kann in ein bis zwei Jahren sein oder in 20.“ Von seinen Beinen sind nur noch Stümpfe übrig, in einer Hand beginnen die Finger zu kribbeln – ein schlechtes Zeichen, wie der 44-Jährige weiß.

Seine Teilnahme an einer Studie der Berliner Charité, bei der bundesweit 51 Patienten mitmachten, zeigte keinen Erfolg. Die Medikamente, die er nun jeden Tag einnehmen muss, sind vor allem dazu da, die Zersetzung der Gefäße zu  verlangsamen und die starken Schmerzen zu unterdrücken, die damit einhergehen. Jede Woche steht ein Besuch beim Arzt an, der Ostermanns Werte kontrolliert. „Ich rechne jeden Tag damit,  dass ich wieder in die Klinik muss“, meint der ehemalige Lokführer. Seinen Job kann er seit der ersten Amputation nicht mehr ausüben, die Umschulung zum Mediengestalter musste er mehrfach abbrechen, mittlerweile ist er Frührentner.

Besonders bitter für ihn: „Ich war im ersten Jahrgang, der nicht mehr verbeamtet wurde. Sonst würde ich heute finanziell nicht so schlecht dastehen“,  erklärt Ostermann. Seit Kurzem bezahlt seine Krankenkasse unter anderem seine Magentabletten nicht mehr. Eine bezahlbare behindertengerechte Wohnung hat er nach langer, verzweifelter Suche zwar gefunden, den Wunsch, trotz seiner Einschränkungen noch Auto zu fahren, kann er sich jedoch aus eigenen Mitteln nicht ermöglichen. Der notwendige Umbau seines Wagens würde rund 20.000 Euro kosten. Hierfür erhofft er sich Unterstützung durch die Spendeninitiative HELFT UNS LEBEN.

Eigene Fahrten zum Einkaufen sind momentan für Dominik Ostermann unmöglich. Er ist vor allem auf die Hilfe seiner besten Freundin Nicole Eszterle angewiesen, die er als „Engel in der Not“ bezeichnet. Während seine frühere Lebensgefährtin ihn mit seinem Leiden allein ließ, blieb Eszterle an seiner Seite, pflegte ihn und half ihm, wann immer es nötig war. Sie ist einer der Gründe dafür, dass Ostermann trotz allem, was ihm widerfahren ist  undwas ihm noch bevorsteht, das Lachen nicht verloren hat. „Irgendwann kann einen nichts mehr schocken. Ich tue mir und meinem Umfeld keinen Gefallen, wenn ich den Kopf hängen lasse.“

Foto: Dominik Ostermann hat durch seine Krankheit schon den größten Teil seiner Beine verloren. Auch seine Arme werden folgen. Seine beste Freundin Nicole Eszterle steht ihm bei. Foto:  Christina Nover

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Familie freut sich über neues Spezial-Auto für kranken Tugra

Engagement Spenden von HELFT UNS LEBEN und PSD Bank helfen junger Mutter und ihrem Sohn

Westerwaldkreis. Ihr Glück kann Gülsüm Ulutürk aus Selters kaum fassen: Dank der Spenden von HELFT UNS LEBEN, der Initiative unserer Zeitung für Kinder und Familien in Not, konnte die junge Mutter jetzt ein rollstuhlgeeignetes Auto mit Auffahrrampe für ihren schwerst körperlich und geistig behinderten Sohn Tugra entgegennehmen. „Ich kann es noch immer nicht richtig
glauben. Ich sage von Herzen Danke“, freut sich die 35-Jährige überschwänglich bei der Übergabe des Fahrzeugs durch Manuela Lewentz- Twer, stellvertretende Vorsitzende der Initiative, und Geschäftsführer Hans Kary. „Wir sind sehr froh, dass wir Ihnen helfen und das Leben ein klein wenig erleichtern können“, betont Manuela Lewentz-Twer.

Unsere Zeitung hatte Ende Dezember zu Spenden für die alleinerziehende Mutter aus Selters und ihren Sohn aufgerufen. Denn aus eigener Kraft konnte die kleine Familie, die von Arbeitslosengeld II lebt, den Kauf des dringend  benötigten behindertengerechten Autosnicht stemmen. Die Resonanz auf  den Spendenaufruf von HELFT UNS LEBEN war enorm: Unsere Leser spendeten insgesamt rund 29 000 Euro für die  Familie. Der Löwenanteil kam dabei mit 18 000 Euro von der PSD Bank in Koblenz. „Das Schicksal der jungen Mutter hat uns so berührt, dass wir spontan beschlossen haben, mit einem größeren Betrag zu helfen“, begründet Vorstandsvorsitzender Franz Merkes das Engagement der PSD Bank. Auch vor dem Hintergrund eigener familiärer Betroffenheit habe ihm die Unterstützung von  Gülsüm Ulutürk und ihrem Sohn sehr am Herzen gelegen, sagt der Banker. „Ich weiß, was die junge Mutter durchmacht und mit welchen Problemen sie tagtäglich kämpfen muss“, betont Merkes.

Dank der großzügigen Spenden nennt die kleine Familie jetzt einenneuen Ford Tourneo Connect ihr eigen. Das Auto wurde im Autohaus Foerster in Koblenz für die Bedürfnisse des behinderten Jungen umgebaut. Gülsüm Ulutürk kann den Achtjährigen nun bequem im Rollstuhl über eine Rampe direkt ins Wageninnere schieben und sicher zum Arzt und zur Physiotherapie fahren oder spontan etwas unternehmen. „Ich habe meinen Nichten und Neffen versprochen, dass wir mit Tugra einen Ausflug ins Aquarium Sea Life nach Königswinter machen“, sagt die 35-Jährige und
strahlt.

Das Auto ist der jungen Mutter eine große Hilfe im Alltag: Denn der Achtjährige ist inzwischen so groß und schwer, dass es Gülsüm Ulutürk nur mit Mühe gelingt, ihn aus dem Haus zu tragen und in den Kinderautositz zu heben. Tugra hat keinerlei Körperspannung und kann seiner Mutter nicht helfen. „Ich habe inzwischen starke Rückenprobleme“, sagt die zierliche 35-Jährige.

Welch ein schweres Schicksal Gülsüm Ulutürk trägt, merkt man der lebensfrohen jungen Frau nicht an. Ihr Sohn Tugra kam als Frühchen mit nur 500 Gramm Körpergewicht und schwersten  körperlichen und geistigen Behinderungen zur Welt. Seit seiner Geburt wurde der Junge bereits 16 Mal operiert. Tugra ist auf den Rollstuhl angewiesen. Er kann nicht gehen, nicht aus eigener Kraft sitzen, er kann nicht sprechen und ist fast blind. Mutter Gülsüm betreut den Achtjährigen, der die Förderschule in Neuwied besucht, rund um die Uhr. Ihr Leben dreht sich ausschließlich um ihr Kind; auch ihren Beruf als Friseurin im Salon der Schwester musste die 35-Jährige ganz aufgeben.

Auch wenn es traurige Momente gibt, Momente, in denen sich Gülsüm Ulutürk allein  und erschöpft fühlt, gibt die junge Mutter nicht auf, sondern packt ihr Leben an. Ihre 70-jährige Mutter und die drei Geschwister mit Familien sind der Selterserin dabei eine große Hilfe. So  kümmert sich etwa der zwölfjährige Murat-Can liebevoll um seinen behinderten Cousin und besucht ihn täglich. „Seit Tugras Geburt steht mein Leben kopf. Aber ich bin froh, dass er da ist. Ich nehme mein Leben so an, wie es ist“, sagt Gülsüm Ulutürk zufrieden.

Gülsüm Ulutürk und ihr achtjähriger Sohn Tugra suchen eine behindertengerechte Wohnung im Raum Selters, Wirges oder Montabaur. Die Wohnung sollte vier Zimmer, Küche und  Bad haben und bezahlbar sein. Wichtig sind ein barrierefreier Eingang sowie breite Flure und Türen, sodass sich Tugra mit dem Rollstuhl bequem fortbewegen kann. Von Vorteil ist ein  Badezimmer mit einer höheren Badewanne, die mit einem Lifter nachgerüstet werden kann, oder eine ebenerdige Dusche, die mit dem Rollstuhl befahrbar ist. Wer der Familie ein neues Heim  geben kann, meldet sich bitte bei uns unter montabaur@rhein-zeitung.net.

Foto: Unsere Leser machen es möglich: Gülsüm Ulutürk (2. von links) hat jetzt ein rollstuhlgeeignetes Auto für ihren Sohn Tugra. Manuela Lewentz-Twer, Vize-Vorsitzende von HELFT UNS LEBEN, und Geschäftsführer Hans Kary (oben, 2. von links) übergaben mit dem Vorstand der PSD Bank, Franz Merkes, und SaschaDevant vom Autohaus Foerster (oben rechts) den Schlüssel. Mit dabei Cousin Murat-Can und die Cousinen Esra (links) und Nazli. Foto: Verena Hallermann

https://helftunsleben.de/familie-freut-sich-ueber-neues-spezial-auto-fuer-kranken-tugra/

Familie Funk kämpft um ihre Mobilität

Zwei Kinder  der fünfköpfigen Familie aus Torney leiden an einer seltenen Erbkrankheit

Torney. Jakob Funk hat ein Foto  auf seinem Handy. Darauf ist sein Sohn zu sehen. Der steht gerade stolz auf Papas Schultern. Ein Moment unbeschwerten Familienglücks, acht Jahre alt und aus heutiger  Sicht wie aus der Zeit gefallen. Denn John Raphael (12) sitzt mittlerweile im Rollstuhl, ist unheilbar krank. Eine Erbkrankheit begann etwa ein Jahr nach dem Foto, seine Muskulatur  zu verändern.  Sie verkrampft und verdreht seine Arme und Beine, macht ihm das Sprechen unmöglich.

Geistig ist der Junge dagegen voll auf der Höhe, bekommt den eigenen Verfall mit. „Er ist  oft verzweifelt und traurig, wenn er sieht oder auch nur darüber nachdenkt, was die anderen Kinder können“,  sagt seine Mutter Helena (38) im Gespräch mit der RZ. Sie lächelt dabei tapfer.  Denn sie erhofft sich von den Lesern unserer Zeitung Hilfe, hofft, dass bei der Spendeninitiative HELFT UNS LEBEN genug Geld zusammenkommt, um wenigstens die Mobilität der Familie zu  erhalten. Denn Familie  Funk braucht ein Spezialfahrzeug. Eins, das Platz für gleich zwei ERollis bietet.

Denn nicht nur John ist krank. Seine ältere Schwester Vanessa (17) teilt das Schicksal: Mitochondriale  Cytopathie. „Vor Jahren haben Ärzte der Uniklinik Gießen uns erklärt, dass unsere Kinder die einzigen Patienten in Deutschland sind, die unter dieser speziellen Form leiden“,   erzählt Helena  Funk. Und auch wenn die durch einen Gendefekt ausgelöst Erbkrankheit bei der Tochter weniger schnell fortschreitet als beim Sohn, wird sie absehbar auf einen Elektro- Rollstuhl  angewiesen sein. 500Meter schafft sie noch selbstständig, wenn sie sich irgendwo festhalten kann, sagen ihre Eltern. Aber mehr nicht. Und die Tendenz ist eindeutig.

Seit rund zwei Jahren beobachten Helena und Jakob immer wieder  Anfälle, bei denen sich der ganze Körper des Teenagers steif macht. „Sie ist bei Bewusstsein und ansprechbar, die  Verkrampfung lässt sich jedoch manchmal über Stunden nicht lösen“, sagt ihr Vater und erzählt, dass sich dank einer medikamentösen Therapie an der Klinik in St. Augustin immerhin
die Intervalle zwischen den Anfällen vergrößern ließen. Alle vier bis fünf Stunden muss sie deshalb aber auch zusätzliche Medikamente nehmen.

Trotzdem kann Vanessa die zehnte Klasse einer  Körperbehindertenschule in Mainz besuchen. „Sie ist beliebt, hat viele Freunde und kann dort sogar Abitur machen“, erzählt ihre Mutter freudig. Unter der Woche ist das Mädchen im Internat untergebracht, aber dieEltern versuchen, sie jedes Wochenende zu holen.

Dann unterhält sie sich vor allem mit John viel. „Er will ganz genau wissen, wie das Leben in Mainz so ist. Vielleicht kann er später auch eine solche Schule besuchen“, gibt die Mutter die Überlegungen ihres jüngsten Kindes wider. Aber ob das wirklich klappt? Derzeit besucht der Junge die Christiane-Herzog-Schule in Engers. Und von da kam auch die Anregung, bei HELFT UNS LEBEN Hilfe zu beantragen. Die RZ hat sich an der Schule umgehört und nur Positives erfahren. „Die Familie ist  unheimlich engagiert und kämpft für ihre Kinder. Sie hätten  es wirklich verdient“, heißt es dort ohne Umschweife.

In Engers bekommt John Krankengymnastik, Logo- und Ergotherapie, aber  auch Unterricht. Physik ist sein Lieblingsfach. Mit dem Handrücken kann er den Touchscreen eines Computers bedienen, Schreiben geht nicht mehr. Und die Schule strengt ihn an. Um 12 Uhr ist Schluss, teilweise schläft er schon vorher im Unterricht ein, wissen seine Eltern.

Und leider verschlechtert sich sein Zustand schnell, was das Kind merkt. „Er mag keine zehn Minuten allein sein“, sagt die Mutter und erzählt, dass er auch keine anderen Pfleger zulässt. Die enorme Belastung, die das für sie bringt, will sie nicht kommentieren. Sie sagt lediglich, dass sich die  mittlere Tochter Jasmin Michéle (15) schon manchmal etwas zurückgesetzt fühlt. Und auch deswegen wäre es wichtig, die Mobilität der Familie zu erhalten. Mit einem Fahrzeug, in das die Kinder mit ihren Rollis hineinfahren können, ergäben sich Möglichkeiten. „Wir könnten John aus seiner kleinen, traurigen Welt herausholen und ihm etwas zeigen“, sagt Helena Funk. „Er könnte  mitfahren, seineSchwester abzuholen, und vielleicht könnten wir sogar einmal gemeinsam in den Urlaub.“

Doch ohne Hilfe ist die Anschaffung eines Wagens undenkbar, selbst wenn Vater Jakob als Gerüstbauer gar nicht schlecht verdient. Aber die Erkrankungen bringen so viele zusätzliche Belastungen, dass das gerade für den Lebensunterhalt reicht. Daher bittet HELFT UNS LEBEN um  Spenden, um der Familie den Wunsch zu erfüllen: „Welche Lebenserwartung unsere Kinder haben, wissen wir nicht. Wir versuchen, unser Familienleben so gut und normal zu gestalten, wie es unter diesen Bedingungen  möglich ist“, sagen sie.

Foto: Stolz und herzlich sehen sie auf dem Foto aus, in Wirklichkeit geht es Familie Funk aus Neuwied aber schlecht. Vanessa (17) und John Raphael (12) leiden an  einer Erbkrankheit und sind auf den Rollstuhl angewiesen. Um wenigstens die Mobilität der Familie zu erhalten, braucht sie einen Transporter. Foto: privat

https://helftunsleben.de/familie-funk-kaempft-um-ihre-mobilitaet/

Vater muss nach plötzlichem Tod der Mutter seine fünf Kinder durchbringen

Auto defekt: Familie ist nicht mehr mobil

Sohren. Ein schweres Schicksal traf eine Familie aus Sohren (Rhein-Hunsrück-Kreis), als am 20. November plötzlich die Mutter starb. Jennifer Elteste erlag mit nur 30 Jahren vermutlich einem Hirnschlag. Zurück blieben ihr Mann Marco und ihre fünf Kinder, Julian Pascal (11), Joel Timo (9), Etienne Collin (7), Phil Dennis (6) und Madeleine Noelle (4).

Die Familie bezieht Arbeitslosengeld II. Vater Marco ist nicht arbeitsfähig. Er ist gesundheitlich stark eingeschränkt, unter anderem durch mehrere Bandscheibenvorfälle im Genick. Und er hat
psychische Probleme. Dennoch versucht der 46-Jährige, den Alltag mit seinen fünf Kindern so gut es eben geht zu meistern, was ihm auch gelingt. Allerdings bleibt für die Familie kein finanzieller Spielraum. Der Verdienst der Mutter, die als Reinigungskraft etwas zum Lebensunterhalt beisteuerte, fällt nach ihrem Tod weg. Der dringend benötigte Opel Zafira, der in der Einfahrt in Sohren parkt, macht keinen Mucks mehr. Eine Familie mit fünf Kindern ist im Hunsrück auf ein Auto angewiesen. Hinzu kommt, dass Julian, der Älteste, unter ADHS leidet und regelmäßig nach Bad
Kreuznach zur Behandlung muss.

Der Kreisvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt und Vermieter der Familie, Klaus Gewehr, schaut regelmäßig nach dem Rechten und steht zur Verfügung, wenn Vater Marco mal nicht mehr weiß, wo ihm der Kopf steht. „Er kriegt ja viel geregelt“, lobt Gewehr den Alleinerziehenden, „aber manchmal kommt einfach zu viel zusammen.“

Nach dem plötzlichen Tod der Mutter gab es Hilfe aus der Nachbarschaft und von Vereinen aus Sohren. Marcos Bruder kommt zum Einkaufen. Aber durch das kaputte Auto ist das tägliche Leben starkeingeschränkt. Auch wenn der Vater viel am Auto selbst reparieren könnte, um den Wagen fahrbereit zu bekommen, wären mindestens 2000 Euro notwendig. Geld, das die Familie nicht hat. „Die Familie braucht Hilfe, damit sie wieder mobil wird. Wir richten ein Spendenkonto ein“, erkennt Hans Kary, der Geschäftsführer von HELFT UNS LEBEN, der Hilfsorganisation unserer Zeitung, dringenden Hilfebedarf.

Foto: Der Geschäftsführer von HELFT UNS LEBEN, Hans Kary (rechts), machte sich ein Bild von der in Not geratenen Familie Elteste in Sohren. Foto: Werner Dupuis

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