Menü

Keine Fenster, kein Bad: Familie sucht Bleibe

Paar aus Hadamar mit drei Kleinkindern haust in einstigem Ladenlokal – Ein Brand zerstörte ihre Wohnung

Hadamar. Passiert der Besucher die Haustür der Wohnung von Jennifer Reusch und Stefan Schneider, steht er gleich im Schlafzimmer. Oder ist es die Küche? Rechts in der Ecke liegt eine Matratze, links steht ein Kühlschrank. Als Wohnung möchte das Paar seine derzeitigen Zimmer, in denen es wohl oder übel leben muss, nicht bezeichnen. Denn die Wohnung ist eigentlich ein Ladenlokal mitten in Hadamar: keine Fenster, kein Bad, Leuchtstoffröhren als einzige Lichtquelle. Bis vor knapp elf Wochen wohnte das Paar mit seinen drei Kindern noch zwei Häuser weiter. Doch am ersten Märzwochenende kam es in dem Gebäude dort zu einem Brand aufgrund eines technischen Defekts an der Heizung. Von heute auf morgen verlor die fünfköpfige Familie praktisch ihr gesamtes Hab und Gut. Hier kommt HELFT UNS LEBEN (HUL), die Hilfsorganisation unserer Zeitung, ins Spiel. Vorsitzende Manuela Lewentz-Twer und Geschäftsführer Hans Kary besuchten die Familie, um sich ein Bild von deren Situation in der hessischen Stadt nahe des Rhein-Lahn-Kreises zu machen.

Wie prekär die Situation tatsächlich ist, wird schnell deutlich: Die 31-jährige Jennifer Reusch zeigt das einzige Waschbecken in der Wohnung. Um zu putzen, muss sie mit einer kleinen Schüssel nach und nach Wasser in einen Eimer umfüllen. Zum Spülen füllt sie Wasser in eine große Bütt. „Duschen und Wäsche waschen können wir zum Glück bei Bekannten“, sagt Jennifer Reusch und erklärt, dass sie überaus dankbar dafür ist, dass sie so viel Unterstützung von Freunden und der Familie bekommen hat.

So gab es auch eine Vielzahl an Leuten, die Kleidung und Kinderspielzeug gespendet haben. Denn 80 Prozent ihrer Habseligkeiten musste die Familie entsorgen. „Ein Nachbar hat uns einen Schrank geschenkt, der Besitzer der Kneipe nebenan hat uns Tische geliehen“, sagt Stefan Schneider, und Jennifer Reusch erzählt, dass auch die Villa Musica, eine Kindertagesstätte in Hadamar, die die drei Kinder besuchen, eine Spendenaktion gestartet hat. „Und ein Mann, der hier am Haus entlangkam, war so bestürzt von unserer Situation, dass er uns spontan 50 Euro gab“, sagt die 31-Jährige.

Diese Form der Ersthilfe beschreibt Manuela Lewentz-Twer als bemerkenswert, ermutigt die Familie aber zugleich: „Ihr Leben muss wieder lebenswerter werden. Jetzt ist der Punkt gekommen, an dem Sie herausgehen müssen, damit ihre Probleme weiter gelindert werden können.“ Den ersten Schritt dazu macht HUL: Manuela Lewentz-Twer und Hans Kary entschieden sich kurzerhand dazu, sofort Entlastung zu schaffen. „Kleiderschränke sowie Bettwäsche für die Kinder kann HELFT UNS LEBEN organisieren“, verkündete der HUL-Geschäftsführer die guten Neuigkeiten. Zugleich machen Manuela Lewentz-Twer und Hans Kary der Familie auch Hoffnung, dass sich womöglich der eine oder andere bereit erklärt zu helfen. „Es gibt doch bestimmt eine Familie hier in der Region, die euch für einige Monate aufnehmen kann – in einer frei stehenden Ferienwohnung zum Beispiel“, spricht die HUL-Vorsitzende der Familie Mut zu. Die Familie weiß weder, wie lang sie noch in ihrer jetzigen Wohnung leben kann, noch, wann sie in ihre alte Wohnung zurückziehen kann, die gerade saniert wird. „In der Zeit hat uns unser Vermieter hier zwischengeparkt“, sagt Jennifer Reusch und macht ihrem Ärger Luft, dass sie nicht glauben kann, dass der Vermieter wohl keine anderen Möglichkeiten der Unterbringung hatte. Auch eine komplett andere Wohnung hat die Familie bislang nicht gefunden.

Doch in der jetzigen Wohnung kann die Familie auf Dauer nicht bleiben, sind sich Jennifer Reusch und Stefan Schneider einig. „Wir haben ständig Leute in der Wohnung stehen, weil die denken, dass hier der Eingang zum Wettbüro sei“, sagt der 37-Jährige. „Aber die Tür muss ja immer offen stehen, damit wir Licht und frische Luft haben, und dann gaffen uns die Leute in die Bude.“ Mama Jennifer Reusch kocht für fünf Personen auf einem Zweiplattenkocher. Der steht in der provisorisch eingerichteten Küche, die wohl mal als Dunkelkammer eines Fotostudios diente, meint der Familienvater. In den Ecken sind unzählige Kisten mit Kleidung und Haushaltsgegenständen gestapelt; die wenigen Dinge, die nicht dem Brand beziehungsweise dem Qualm zum Opfer gefallen sind. „Bei dem Chaos hier und unter den gegebenen Umständen hält man es nicht lang aus. Die Situation ist so belastend für uns“, sagt die Familienmutter verzweifelt. Zum Glück seien die Kinder – eine dreijährige Tochter und Zwillinge im Alter von zwei Jahren – tagsüber im Kindergarten. Abends gehen sie oft spazieren. Erschwerend komme hinzu, so die 31-Jährige, dass bei ihrem Sohn vor Kurzem Epilepsie diagnostiziert wurde.

HELFT UNS LEBEN bittet um Spenden für die Familie. Die Bankverbindung lautet: HELFT UNS LEBEN, Sparkasse Koblenz, IBAN DE72 5705 0120 0000 0013 13, Betreff: Jennifer Reusch. Wer eine Unterkunft zur Verfügung stellen könnte, meldet sich unter Telefon 0261/892 470.

Foto: Jennifer Reusch (von links) und ihr Partner Stefan Schneider müssen seit elf Wochen gemeinsam mit ihren drei Kleinkindern in einem einstigen Ladenlokal in der hessischen Stadt Hadamar hausen. Bei einem Brand in ihrer vorherigen Wohnung haben sie alles verloren. Hans Kary und Manuela Lewentz-Twer von HELFT UNS LEBEN wollen die Familie unterstützen und rufen dazu auf, dass sich Leute melden, die eine frei stehende Wohnung haben und diese der Familie für einige Zeit zur Verfügung stellen können. Foto: Sabrina Rödder
https://helftunsleben.de/keine-fenster-kein-bad-familie-sucht-bleibe/

Linas schweres Schicksal

Leserspenden unterstützen Neunjährige und deren Eltern

Mendig. Sie ist eine liebenswürdige Neunjährige, aber Lina Meurer plagt ein schweres Schicksal. Von Geburt an ist sie entwicklungsverzögert. Lina leidet unter einer genetisch bedingten globalen Entwicklungsstörung, dem „Phelan-McDermit-Syndrom“ (PMS). Die Symptome sind eine deutlich verzögerte Entwicklung und Störungen beim Wachstum.

„Lina konnte im Alter von drei bis vier Jahren sogar mit einem Rutschauto fahren“, erinnert sich Vater Sven Meurer. „Leider begannen dann epileptische Anfälle, weswegen sie alle paar Wochen zu stationären Aufenthalten ins Krankenhaus musste“, berichtet ihre Mutter Melanie Geilen. Zeitweise waren Behandlungen auf der Intensivstation erforderlich. Durch solche Vorfälle, verbunden mit Sauerstoffmangel, verschlechterte sich Linas Zustand, sodass sie heute weder stehen noch laufen kann. Ernährt wird sie per Sonde. „Wir hoffen auf kleine Fortschritte und machen das Beste daraus“, sagt Sven Meurer, der nach seiner Tätigkeit als Zeitsoldat heute im Technischen Dienst beim Caritas-Zentrum Mendig arbeitet. Lebensgefährtin Melanie Geilen ist Hebamme am Stiftshospital Andernach.

Lina, die mit ihren Eltern und der kleinen Schwester Ella in Mendig wohnt, hat eine tapfere Familie. Melanie Geilen sagt: „Unser Schicksal ist durchaus zu ertragen – aber der Kampf um jedes Hilfsmittel macht uns manchmal mürbe.“ Dank der Lebenshilfe Mayen gelang es, Lina regelmäßig zur Christiane-Herzog-Schule nach Neuwied-Engers zu bringen. Die Fahrt muss in Begleitung einer medizinischen Fachkraft erfolgen. Weil die Krankenkasse zeitweise eine Unterstützung versagte, konnte Lina monatelang nicht zur Schule gebracht werden. Somit waren auch therapeutische Maßnahmen unterbrochen. Deshalb übernahm Mutter Melanie zwei Wochen die Begleitung und ließ sich freistellen. Durch Vermittlung von Bürgermeister Jörg Lempertz ist es gelungen, den Fahrdienst wieder aufzunehmen, berichtet sie.

Wegen der Gefahr plötzlicher Anfälle muss Lina im Elternschlafzimmer übernachten. Um der Osteoporose entgegenzuwirken, nimmt die Neunjährige an einem Training an der Uni Köln teil. Eine große Hilfe für Linas Eltern sind neben den Großeltern eine Erzieherin aus Linas ehemaligem Kindergarten und Melanie Geilens Kolleginnen. Für die Eltern zählt nur eins: „Wir wollen, dass unser Kind glücklich ist.“

Es gibt Probleme bei der Betreuung. Bad und Schlafzimmer im Untergeschoss sind nur über eine steile Treppe zu erreichen. Ein mühsamer Weg, weil das Kind getragen werden muss. Ein Treppenlift könnte helfen. Auch das Auto braucht eine Rampe, um den Rollstuhl ins Heck befördern zu können. Deshalb hat sich Anke Scherhag, eine Kollegin Geilens, an Manuela Lewentz-Twer, Vorsitzende von HELFT UNS LEBEN, der Initiative unserer Zeitung für Kinder und Familien in Not, gewandt. Mit HELFT-UNS-LEBEN-Geschäftsführer Hans Kary besuchte Manuela Lewentz-Twer die Familie. Beide erlebten die besondere Zuneigung der Eltern und waren sich sofort einig, dass unbürokratisch geholfen werden muss. Der Umbau des Autos und ein Treppenlift werden in Auftrag gegeben. Darüber hinaus erhält ein Fahrrad für die Mitnahme Linas Elektroantrieb. Und ein Kurzurlaub in einem bewährten Trierer Hotel soll der Familie Erholung ermöglichen. Heinz Israel

HELFT UNS LEBEN bittet um Spenden. Die Bankverbindung lautet: HELFT UNS LEBEN, Sparkasse Koblenz, BIC: MALADE51KOB, IBAN: DE72 5705 0120 0000 0013 13, Betreff: Lina

Foto: Lina (vorn, 2. von links) ist krank. Der Alltag ihrer Familie – Mutter Melanie, Schwester Ella, Vater Sven (von rechts) und Großvater Fred-Josef – ist schwierig. HELFT-UNS-LEBEN-Vorsitzende Manuela Lewentz-Twer (hinten links) und -Geschäftsführer Hans Kary (hinten Mitte) brachten Hilfe. Foto: Heinz Israel

https://helftunsleben.de/linas-schweres-schicksal/

Nicklas und Julian liebten ihren Fiat Ducato

Zwei Jungs aus Rettert sind auf ein großes Auto angewiesen – Jetzt ist Pkw kaputt und noch nicht abbezahlt

Rettert. Kathrin Seel ist eine Powerfrau von 49 Jahren, die sich liebevoll um zwei Pflegekinder kümmert. Zwei Pflegekinder, die viele andere Familien wahrscheinlich nicht freiwillig zu sich nehmen würden, weiß die Frau aus Rettert. Denn das jüngste hat die Stoffwechselkrankheit Morbus Pompe, das ältere erlitt im Alter von nur einigen Wochen ein Schädel-Hirn-Trauma. Trotz – oder gerade wegen – dieser Behinderungen hat sich Kathrin Seel bewusst für die zwei Jungs entschieden. Beide nahmen sie und ihr Mann Franz als Babys zu sich auf: Nicklas vor zehn, Julian vor acht Jahren. Sebastian, ihr leiblicher Sohn, wurde nur acht Jahre alt. Auch er hatte eine Behinderung. Bis zu seinem Tod vor sechs Jahren war nicht bekannt, welche er hat. HELFT UNS LEBEN (HUL), die Hilfsorganisation unserer Zeitung, besuchte die Familie, um sich vor Ort ein Bild von deren Leben zu machen. Denn seit einigen Monaten ist sie mehr denn je auf Hilfe angewiesen. Ihr Auto – ein Fiat Ducato – muss abbezahlt werden. Einige Tage nach dem Besuch von HUL verschlimmerte sich die Lage der Familie weiter: Kathrin Seel kommt mit dem Wagen von der nassen Straße ab und landet im Graben – Totalschaden. Prellung an Nase und Schlüsselbein.

In der 460-Seelen-Gemeinde Rettert in der VG Katzenelnbogen im Rhein-Lahn-Kreis wohnen die Seels seit 14 Jahren. Die Umgebung ist ruhig und idyllisch. Perfekt für eine Familie mit Kindern. Doch die ländliche Lage macht ein Auto unerlässlich. Und das gestaltete sich für Familie Seel schon vor einigen Monaten zum ersten Mal als Problem. Der alte Bus wurde mit der Zeit zu eng für die beiden Jungs, die immer größer und schwerer werden. Doch ein passendes Auto ist nicht von einem auf den anderen Tag besorgt, so die Mutter. Immerhin muss es komplett umgebaut sein, sodass zwei Rollstühle Platz haben.

Also wollte die Familie in Ruhe nach einem neuen Auto suchen, überlegen, wer es umbaut und wie das alles finanziert werden kann. „Doch dann kam alles anders“, sagt Kathrin Seel und erzählt, wie sie von einem auf den anderen Tag plötzlich ohne Auto dastanden, weil die Zylinderkopfdichtung versagte. „Ich habe solche Panik bekommen und fragte mich: ,Was ist, wenn einer der beiden Jungs stürzt? Was ist, wenn einer einen epileptischen Anfall bekommt? ‚“

Von jetzt auf gleich musste also ein neues Auto her. Die Lösung hieß Fiat Ducato, war vier Jahre alt und kostete 25 000 Euro – und war schon komplett behindertengerecht umgebaut. „Wenn uns die Leute, die uns mögen, kein Geld geliehen hätten, dann weiß ich auch nicht“, sagt Kathrin Seel und schüttelt den Kopf. 12 000 Euro davon müssen noch zurückbezahlt werden. Hier kommt HELFT UNS LEBEN ins Spiel. Vorsitzende Manuela Lewentz-Twer und Geschäftsführer Hans Kary machten sich ein Bild von dieser prekären Situation. Die beiden waren sich sofort einig, dass es mehr als schön sei, dass sich die Familie so sehr für die beiden Kinder einsetzt. Somit entschieden sie sich kurzerhand dazu, sofort Entlastung zu schaffen. „6000 Euro kann HELFT UNS LEBEN direkt bewilligen“, verkündet Manuela Lewentz-Twer die guten Neuigkeiten. Kathrin Seel kann ihre Tränen nicht mehr zurückhalten, versucht sich aber vor ihren Kindern zu fangen und sagt: „Hier bringen Sie im wahrsten Sinne des Wortes etwas ins Rollen.“

Jetzt steht die Familie plötzlich wieder ohne Auto da. „Alle Termine mussten wir von jetzt auf gleich absagen“, erzählt Kathrin Seel völlig schockiert auf Nachfrage unserer Zeitung. „Arzttermine können wir nur durch die Hilfe von Bekannten wahrnehmen.“ Die Familie kann also nicht nur jeden Euro gebrauchen, um den Fiat Ducato abzubezahlen – auch für ein neues Auto ist sie jetzt auf jegliche Hilfe angewiesen. Denn in den kommenden Jahren möchte die Familie noch viele positive Dinge erleben. Ein Auto ist dafür unerlässlich. Auch für die alltäglichen Dinge ist sie auf ein Fahrzeug angewiesen. Nicklas und Julian besuchen die Erich-Kästner-Förderschule in Singhofen. Alle zwei Wochen bekommt Julian eine Infusion, wofür die Familie in die Mainzer Uniklinik fahren muss.

„Einige Leute sagen: ,Selbst schuld, wenn Sie sich solche Kinder ins Haus holen’“, sagt Kathrin Seel. „Aber die beiden geben mir so viel zurück.“ So wird die Mutter ein Erlebnis von vor drei Jahren nie vergessen: Julian lernte plötzlich laufen, obwohl Kinder nach Ausbruch der Krankheit Morbus Pompe dies eigentlich niemals können. „Das Witzige daran: Julian konnte nur dann beide Füße auf den Boden stellen, wenn er sich fest an den Ohren gepackt hat.“

Manuela Lewentz-Twer und Hans Kary machen der Familie Mut, dass sich hoffentlich der eine oder andere bereit erklärt zu helfen.

HELFT UNS LEBEN bittet um Spenden für die Jungen und ihre Familie. Die Bankverbindung lautet: HELFT UNS LEBEN, Sparkasse Koblenz, IBAN DE72 5705 0120 0000 0013 13, Betreff: Nicklas und Julian.

Foto: Julian (8, vorn links) und Nicklas (10) sind auf ihre Rollstühle angewiesen, benötigen also ein Auto, das groß genug ist, wenn sie mit Mama Kathrin Seel (rechts) und Au-pair-Mädchen Buhlebenkosi aus Simbabwe (Mitte) einen Ausflug machen wollen. Als Manuela Lewentz-Twer (links) und Hans Kary (hinten rechts) die Familie in Rettert vor einer Woche besuchten, um sich ein Bild von ihrer Situation zu machen, war ihre Lage nur halb so schlimm wie jetzt. Denn die Seels brauchen nicht nur Geld, um den Fiat Ducato abzubezahlen – ebenso sind sie auf jeden Euro angewiesen, um ein neues Fahrzeug zu finanzieren. Am Sonntag hatte Mama Kathrin einen Autounfall mit Totalschaden. Foto: Sabrina Rödder

https://helftunsleben.de/nicklas-und-julian-lieben-ihren-fiat-ducato/

Familie kämpft sich durch schwere Zeiten

Sophie (9) leidet an Leukämie und ist nach einer Hirnblutung gelähmt und blind

Kleinmaischeid. Endlich durfte Sophie nach Hause. Wenigstens für ein paar Tage konnte die Neunjährige raus aus dem Krankenhaus. Die ganze Familie war mal wieder zusammen in Kleinmaischeid (Kreis Neuwied). Freude – auch wenn es nicht mehr so ist, wie es war, und nie mehr so werden wird.

„Letztes Jahr ist sie hier zu Weihnachten noch durchs Haus gesprungen“, sagt Anke Queitsch. Jetzt sitzt sie bei ihrer Tochter am Bett, hält die Hand der Kleinen und schaut sie liebevoll an. Das Mädchen scheint mit offenen Augen zu schlafen. Immerhin entspannt: keine Schmerzen. Eine halbe Stunde vorher sah das noch anders aus.

Es begann vor einem Jahr. Sophie hatte Fieber, es ging nicht weg, sechs Wochen lang. Die Ärzte untersuchten ihr Blut und bestätigten den schlimmen Verdacht: Leukämie. Das Mädchen bekommt Chemotherapie – und eine Hirnblutung. Um Druck zu nehmen, müssen die Ärzte ihr vorübergehend ein Stück Schädeldecke entfernen. Sophie liegt auf der Intensivstation der Uniklinik Bonn. Vier Wochen Koma. Als sie wieder aufwacht, ist sie gelähmt und blind. Bis heute kann sie Arme und Beine nicht bewegen, der Kopf zeigt leichte Reaktionen. „Die Ärzte hoffen, dass es mit den Armen wieder etwas wird, und mit einer Therapie kann sie eventuell 40 Prozent ihrer Sehkraft zurückerhalten. Aber ob sie jemals wieder läuft, steht in den Sternen“, erzählt Jana Johannes.

Die Angst, etwas falsch zu machen

Die Freundin der Familie hat beim Besuch von HELFT UNS LEBEN, der Hilfsaktion unserer Zeitung, die Gesprächsführung. Anke Queitsch muss sich um ihre Tochter kümmern, ist angespannt: Nach elf Monaten Krankenhaus und Reha-Klinik durfte sie mit Sophie erstmals für ein paar Tage nach Hause. Und dann das: Der Bauch ist ganz hart, Sophie geht’s nicht gut. Die Mutter macht sich Vorwürfe. Hat sie was falsch gemacht?

Die aus Bonn hergeeilte Krankenschwester versichert das Gegenteil, doch erst als Einläufe die erhoffte Wirkung bringen, entspannt sich die Mutter. „Es ist immer ein Auf und Ab“, seufzt sie. „Ich hatte mich so gefreut, endlich heimzudürfen.“ Elf Monate lang hat sie bei ihrer Tochter im Krankenhaus gesessen. „Manchmal wäre ich am liebsten aufgestanden und einfach gegangen“, gibt sie zu, weiß aber: „Das würde sie nicht aushalten. Ich bin ihr letzter Halt.“

Aber zu Hause gibt es noch vier Menschen, denen sie gern Halt geben würde. Vier Menschen, die sie auch sehr stolz machen. „Sie sind so selbstständig, stark und tapfer“, schwärmt Anke Queitsch von ihren Kindern Melinda (18), Ricardo (17), Pia (13) und Tim (11), die seit Januar praktisch allein im kleinen Mietshaus in Kleinmaischeid sitzen. Anfangs war der geschiedene Vater noch einmal eingezogen, doch jetzt ist er wieder meist beruflich unterwegs. Mit einer Tagesmutter vom Jugendamt hat es nicht funktioniert. Ab und zu kommen Bekannte und Freunde. Auch die noch berufstätigen Großeltern in Sachsen machen sich in Notsituationen auf den Weg und helfen. Die meiste Zeit jedoch übernimmt die älteste Tochter die Verantwortung. Melinda geht bei einem Maler in die Lehre. Sie organisiert das Familienleben und hat nebenbei das Zimmer, das sich Pia und Tim teilen, renoviert.

Freizeit? Jana Johannes hat sie ein paar Mal mit zum Nürburgring genommen. Ein paar unbeschwerte Stunden. Die beiden verbindet die Liebe zum Motorsport. Pia und Tim durften dank des Fördervereins der Uniklinik eine Woche Ferien auf dem Reiterhof machen. „Das war super“, erinnert sich Pia. Keines der Kinder klagt, auch wenn sie die Mutter vermissen und genauso wie sie um die kleine Schwester bangen. Der Zusammenhalt in der Familie ist stark.

Dass alle trotz der widrigen Umstände in der Schule gut mitkommen, ist dennoch fast ein Wunder. „Ricardo war anfangs im Schnitt von einer 1 auf eine 3 abgesackt, ist jetzt aber wieder bei einer 2“, erzählt Jana Johannes. Über die Schule kam auch der Kontakt zu HELFT UNS LEBEN zustande. Anke Queitsch ist nicht der Typ, der gern um Hilfe fragt. Lehrerin Elke Strauscheid fiel das leichter. „Die Familie wird Geld für Umbauten von der Pflegekasse bekommen. Aber das wird nicht reichen, zumal die Mutter ein Auto braucht, in dem sie einen Rollstuhl unterbringen kann“, schrieb sie an unsere Leser-Spendeninitative.

Die Krankheit bestimmt alles

Und der Bedarf ließ sich beim Besuch leicht überprüfen. Mit dem alten Nissan Micra vor der Haustür wird Anke Queitsch ihre Tochter nicht transportieren können. Und auch im Haus ist einiges zu tun. Die Einnahmen reichen dafür nicht. Anke Queitsch ist gelernte Schneiderin, hatte gerade eine Umschulung zur Hauswirtschafterin abgeschlossen, als die Erkrankung ihr „den Boden unter den Füßen wegriss“. Arbeiten kann sie jetzt natürlich nicht. So lebt die Familie von Hartz IV, Kindergeld und Unterhaltszahlungen des Vaters. Viel kommt da nicht zusammen.

Eigentlich wäre es am besten, in eine behindertengerechte Unterkunft zu wechseln. Doch die zu finden und umzuziehen, dafür fehlen im Moment Kraft und Zeit. Außerdem ist das Verhältnis zum Vermieter gut. „Hier ist nicht alles optimal, aber wir fühlen uns wohl“, erzählt Anke Queitsch. Sie weiß aber auch, dass der alte Teppichboden möglichst bald durch Laminat ersetzt werden muss. Das ist viel hygienischer, wenn die geschwächte Tochter nach Hause kommt. Zu Weihnachten, so hofft sie, könnte es wieder soweit sein. Und das wäre für die Familie das schönste Geschenk: wenigstens für ein paar Tage wieder zusammen zu sein.

HELFT UNS LEBEN bittet die Leser, Familie Queitsch zu helfen und ruft zu Spenden auf. Konto: BIC: MALADE51KOB; Iban: DE72 5705 0120 0000 0013 13.

Foto: Anke Queitsch sitzt bei ihrer Tochter Sophie (9) am Bett. Das Mädchen ist seit einer Hirnblutung infolge einer Chemotherapie gelähmt und blind. Freundin Jana Johannes hofft, dass eine Therapie ihr wenigstens einen Teil der Sehkraft zurückbringt und sie langfristig wieder etwas mobil macht. Foto: Ulf Steffenfauseweh

https://helftunsleben.de/familie-kaempft-sich-durch-schwere-zeiten/

Junge Familie verliert alles in den Flammen

Auf heftigen Schicksalsschlag kurz vor Weihnachten folgt eine Welle der Hilfe

Straßenhaus. Kurz nach 2 Uhr morgens wird Caroline von Baltz aus dem Schlaf gerissen. Neben ihr schlummert friedlich ihre drei Monate alte Tochter Amilia – aber etwas stimmt nicht. Ein unruhiges Licht taucht das Schlafzimmer in glühendes Rot. Die junge Frau rennt ins Erdgeschoss, reißt die Haustür auf und sieht die alte Scheune in Flammen. Wenig später hat das Feuer eine vierköpfige Familie aus Straßenhaus (Kreis Neuwied) obdachlos gemacht.

Die Minuten bis dahin sind dramatisch: Nachdem sie das Feuer entdeckt hat, weckt die Frau ihre Familie, ruft die Feuerwehr, gibt die Adresse durch – als die Verbindung abbricht. Das Haus ist vom Strom abgeschnitten. Verzweifelt sucht die junge Frau im Dunkeln ihr Handy, erreicht erneut die Feuerwehr, rettet sich barfuß mit Baby auf die Straße. Gemeinsam mit ihrem Mann Julian Eisenhauer und dem zweijährigen Sohn Adrian findet sie Unterschlupf bei Nachbarn. Als Eisenhauer kaum eine Minute später versucht, die Autos wegzufahren, sind diese schon zu heiß, um sie anzufassen. Nachdem die Feuerwehr den Brand nach einem stundenlangen Einsatz gelöscht hat, waren die Wagen nur noch ausgebrannte Karossen.

„Es ist so unglaublich schnell gegangen“, murmelt Eisenhauer. Die Scheune ist bis auf die Grundmauern niedergebrannt, das angrenzende Haus unbewohnbar. Von Baltz und Eisenhauer sind mit ihren Kindern wenige Tage nach dem Brand am 12. Dezember zu der Ruine ihres einstigen Zuhauses zurückgekehrt. Eisenhauer blickt auf die verkohlten Reste der Scheune. Es riecht nach verbranntem Holz. Ein ehemaliger Nachbar kommt hinzu. Es sei etwas Geld vom Straßenfest übrig, sagt er. Das sei für die junge Familie gedacht. Caroline von Baltz nickt dankbar. Ob sie sonst noch etwas bräuchten? Sachspenden? Von Baltz schüttelt den Kopf. „Wir gehen fast unter in Sachspenden“, sagt sie. „Es ist unglaublich, was wir an Nachbarschaftsliebe erfahren. Ich weiß gar nicht, wie wir das jemals wiedergutmachen können.“ Der Nachbar winkt ab. „Das ist gar nicht nötig.“

Doch die finanziellen Sorgen sind da. Zumindest für den vor wenigen Monaten gekauften Pick-up wird Eisenhauer keinen Cent sehen. „Der Pick-up ist nur haftpflichtversichert. Wer hat schon eine Kaskoversicherung für ein Nutzfahrzeug?“, fragt der Hausmeister und lacht freudlos. Wie ein Wunder kommt es den beiden vor, dass die meisten persönlichen Gegenstände das Feuer überstanden haben. Unklar ist, ob sie das Haus selbst werden retten können. Eine Kernsanierung wird mindestens nötig sein, bevor sie wieder einziehen können in das Anwesen, das sie sich in sieben Jahren harter Arbeit hergerichtet haben.

Als Julian Eisenhauer sein verbranntes Haus betritt, will sich Adrian von der draußen wartenden Mutter losreißen. Flehend ruft er nach dem Papa. Doch die Eltern wollen nicht, dass er sein altes Kinderzimmer sieht. Dort, wo früher Adrians Spielzeug verstreut lag, ist nur noch eine schmutzige Wasserlache. Der vollgesaugte Teppich verschwindet unter einer Rußschicht und einem großen Stoffpanda, mit dem nie wieder Kinder spielen werden. Nur die bunte Wandverzierung wirkt seltsam unberührt, fröhliche Waldtiere tollen auf einem Baum herum.

Der Familienvater streift durch das Haus, zwei Jahre hat er benötigt, um das Fachwerk unter einer Vertäfelung freizulegen. Alle Bäder sind frisch renoviert, den Kamin im Wohnzimmer hat der Handwerker vor nicht allzu langer Zeit fertiggestellt. Jetzt riecht die gesamte Wohnung wie ein Kamin, Decken sind eingestürzt. Die Einliegerwohnung zerstört. „Eigentlich waren wir gerade fertig und wollten uns nur noch um den Garten kümmern.“

Stattdessen müssen die vier jetzt bei Eisenhauers Eltern wohnen. Bald werden sie in ein voll möbliertes Häuschen einziehen. „Für einen Obolus für Wasser und Strom“, sagt Caroline von Baltz gerührt. Die Nachbarschaftshilfe in Straßenhaus funktioniert. Bis die Familie wieder in ihre eigenen vier Wände ziehen kann, dürften aber noch Jahre vergehen – je nachdem wann und in welchem Umfang die Versicherungen für den Schaden aufkommen. Die Ermittlungen zur Brandursache dauern unterdessen an. Einen technischen Defekt schließt die Polizei mittlerweile aus.

Mit einer Soforthilfe versucht HELFT UNS LEBEN, die Hilfsaktion unserer Zeitung, den Schicksalsschlag für die junge Familie ein wenig abzumildern. Spendenkonten sind bei der Verbandsgemeinde Rengsdorf eingerichtet. Wer spenden möchte, kann dies unter dem Verwendungszweck: „Brand in Jahrsfeld 12.12.2017“ tun. Quittungen werden nach Bedarf ausgestellt, dies sollte im Verwendungszweck angegeben werden. Die Bankverbindungen lauten: Sparkasse Neuwied, IBAN DE 23 5745 0120 0004 0008 40, BIC MALADE51NWD;Raiffeisenbank Neustadt, IBAN DE 60 5706 9238 0000 1024 53, BIC GENODED1ASN;Westerwald Bank eG, IBAN DE 62 5739 1800 0076 1584 01, BIC GENODE51WW1;Postbank Köln, IBAN DE 31 3701 0050 0028 1345 08, BIC PBNKDEFF.

Foto: Jahrelang haben sie ihr Zuhause aufgebaut, binnen Stunden hat ein Brand es zerstört: Julian Eisenhauer und Caroline von Baltz stehen mit ihren Kindern vor den Resten ihres Anwesens. Foto: Robin Brand

https://helftunsleben.de/junge-familie-verliert-alles-in-den-flammen/

Pauls Leidensweg begann ohne Vorwarnung

Siebenjähriger erträgt in einem Bochumer Krankenhaus tapfer seine schwere Krankheit – Chor Haste Töne singt für Betzdorfer

Betzdorf. Der Adventskranz steht in der Küche, der Nikolaus hat vorige Woche vorbeigeschaut. Bei Familie Ganser aus Betzdorf deutet alles auf eine normale Vorbereitung auf Weihnachten hin. Doch in diesem Jahr ist nichts normal: Der sieben Jahre alte Paul liegt im Krankenhaus.

Der Junge ist querschnittsgelähmt, Folge einer ganz seltenen Krankheit: Schuld ist ein Aneurysma im Spinalkanal oder anders ausgedrückt: Paul leidet an einer arteriovenösen Malformation. „Eine angeborene Fehlbildung von Gefäßen“, übersetzt Mutter Anja Ganser, eine gelernte Krankenschwester.

Die schwere Erkrankung ist Anfang Oktober über die Familie hereingebrochen, aus heiterem Himmel. „Paul hat über Schmerzen im Arm und Kribbeln in den Fingern geklagt“, erzählt Anja Ganser. Dann konnte er Arme und Beine nicht mehr bewegen. Nach einem MRT im Krankenhaus in Weidenau folgte die niederschmetternde Diagnose.

Alles ohne Vorwarnung: „Er hat doch noch beim Barbarafest auf der Hüpfburg getobt und ist Fahrrad gefahren“, erzählt die Betzdorferin. Sein Zwillingsbruder Luca war immer dabei. „Beide sind eine Einheit“, sagt die Mutter. Die Zwillinge gehen in die zweite Klasse der Martin-Luther-Grundschule. Der Jüngste in der Familie ist der fünfjährige Luis.

Inzwischen liegt Paul im Krankenhaus „Bergmannsheil“ in Bochum, in der Abteilung für querschnittsgelähmte Patienten. Der Junge muss beatmet werden. „Er hat mal gute und mal schlechte Tage, aber er ist ganz tapfer“, erzählt Anja Ganser. Erst in drei bis sechs Monaten – so die Prognose – wird Paul wieder nach Hause kommen können. Seine Mutter ist die Woche über bei Paul im Krankenhaus in Bochum. Die Kinder werden tagsüber von einer Tagesmutter beziehungsweise von Freunden der Familie betreut. An den Wochenenden löst Ehemann Ulrich (41) seine Frau in der Klinik ab. Er arbeitet als Controller in einer Firma in Siegen. Anja Ganser ist von ihrer Arbeit als Integrationshelferin bei der Lebenshilfe freigestellt.

Während Anja Ganser erzählt, sitzt ihre Freundin Kathrin Meyer neben ihr am Tisch. Gemeinsam mit weiteren Freunden hat die Alsdorferin in Zusammenarbeit mit der Unnauer Patenschaft eine Hilfsaktion gestartet. Der Verein unterstützt Familien schwerstkranker Kinder. Auch HELFT UNS LEBEN, die Hilfsorganisation unserer Zeitung, ruft die Leser auf, für die Betzdorfer Familie zu spenden. Denn auf die Gansers kommen hohe Kosten zu. Seit 2009 wohnen sie in einem Altbau, den sie wunderbar hergerichtet haben. Doch er ist nicht barrierefrei und zugänglich für ein Kind, das im Rollstuhl sitzt. Die Eltern möchten anbauen: Sie brauchen einen Eingang sowie Räume für ein Bade- und ein Schlafzimmer, die barrierefrei sind. Außerdem benötigt die Familie ein neues Auto, um einen Rollstuhl transportieren zu können.

Anja Ganser ist froh, dass sie, ihr Mann und die Kinder bei der Bewältigung dieser Herausforderungen nicht alleine dastehen: „Wir sind mit Freunden gesegnet. Sie sind eine unheimliche Stütze. Wir werden aufgefangen und durch die Situation getragen.“ Und als gläubiger Mensch fügt sie hinzu: „Das ist ein Geschenk Gottes.“ Und auch Haste Töne möchte helfen. Anja und ihr Mann Ulrich singen in dem Gospel- und Worship-Chor. „Die Familie durchlebt gerade eine schwierige Zeit und muss alles umstellen“, sagt Chorleiter Markus Neuroth, „es ist uns eine Herzensangelegenheit, vor Ort direkt zu helfen, mit dem, was uns als Haste Töne möglich ist.“

Spontan hat der Chor seine beiden Auftritte am 20. und 21. April kommenden Jahres in der Stadthalle in Betzdorf mit dem neuen Programm „Liebe ist“ zu Benefizkonzerten umgewidmet. Von jedem verkauften Ticket gehen 5 Euro als Spende an die Familie. „Wir singen für Paul“, steht als Hinweis auf den Eintrittskarten.

Anja Ganser freut sich und ist dankbar für die Unterstützung ihres Chors: „Wir sind, wie in einer Familie, füreinander da.“

HELFT UNS LEBEN bittet die Leser, Familie Ganser zu helfen und ruft zu Spenden auf. Konto: BIC: MALADE51KOB; Iban: DE72 5705 0120 0000 0013 13.

Foto: Der Chor Haste Töne aus Betzdorf-Bruche will Paul helfen. Die Eltern singen in dem Ensemble. Der Chor gibt im kommenden Jahr zwei Benefizkonzerte in der Stadthalle in Betzdorf. Der Vorverkauf hat begonnen. Foto: Claudia Geimer

https://helftunsleben.de/pauls-leidensweg-begann-ohne-vorwarnung/

Duo macht Theater für guten Zweck

Miriam Scheffel und Anika Talhoff werden kreativ – Spenden für Familie in Not

Puderbach. Was raschelt denn da im Unterholz? Wenn Miriam Scheffel und Anika Talhoff auf der Bühne durch den „Dunkelwald“ schleichen, dann tun sie das meistens vor Kindern, aber diesmal für den guten Zweck: Als „Gezwitscher Suppengrün“ lädt das Theaterduo zum Stück „Das verfolgte Herz“ in den „TheARTrale“-Saal im Dernbacher Country-Hotel. Alle Einnahmen aus der Aufführung am Sonntag, 17. Dezember, kommen der Oberradener Familie Wittlich zugute.

Markus Wittlich hat seit einigen Jahren eine progressive Form der Multiplen Sklerose, seine Frau Sabine, die ihn gepflegt und umsorgt und sich um den gemeinsamen Sohn Jonathan gekümmert hat, erkrankte nun an Pfingsten an Brustkrebs. Dass sie der in Not geratenen Familie helfen wollen, war Anika Talhoff und Miriam Scheffel schon beim Benefiz-Flohmarkt in Straßenhaus im Oktober klar. Und da sie mittlerweile auf der Bühne Übung haben, stand auch schnell der Plan für eine Theateraufführung zum Spendensammeln.

2014 haben die beiden Freundinnen als „Gezwitscher Suppengrün“ erstmals die Bühnenbretter betreten. Der ungewöhnliche Name entstand dabei aus einem Spitznamen aus der Kinderzeit und einer unleserlichen Handschrift: „Eigentlich wollten wir uns ‚Geschwister‘ nennen“, lacht Anika Talhoff. Inzwischen ist das fantasievolle Duo schon mehrmals unter dem Namen des kreativen Lesefehlers aufgetreten. Ihre Stücke schreiben die beiden Theaterfans durchweg selbst, designen und nähen Kostüme, gestalten Bühnenbild und Requisiten und bündeln viele bunte Ideen zu einem fantasievollen Ganzen. So auch in „Das verfolgte Herz“, wo sich die beiden Waldwesen Thekla und Mumpitz im Dunkelwald umkreisen. Dank „TheARTrale“ und dem Einsatz der Gruppenaktiven steigt die Aufführung nun im Dernbacher Country-Hotel. Eintrittskarten will das „Gezwitscher“-Paar dafür nicht verkaufen, wohl aber eine Spendendose aufstellen und auf freigiebige Zuschauer zugunsten der Familie Wittlich hoffen. Mit Gezwitscher aus dem Dunkelwald etwas Gutes tun, lohnt sich doch allemal.

„Das verfolgte Herz“ ist zu sehen am Sonntag, 17. Dezember, um 15 Uhr im „TheARTrale“-Saal des Country-Hotels Dernbach. Wer noch Muffins, Kuchen oder Plätzchen beisteuern will, erreicht die Veranstalterinnen telefonisch unter 0176/579 677 16 oder 0151/ 721 201 10. HELFT UNS LEBEN ruft zu spenden für Familie Wittlich auf. Wer helfen möchte, überweist auf das Konto bei der Sparkasse Koblenz (MALADE51KOB) mit der IBAN DE72 5705 0120 0000 0013 13. Einen Artikel über die Familie Wittlich finden Sie unter www.rhein-zeitung.de/ neuwied oder wenn Sie das Foto mit der RZPlus-App scannen.

Foto: Kreativ und ein bisschen schräg ist das Duo „Gezwitscher Suppengrün“. Es sammelt für die Oberradener Familie Wittlich. Foto: Gezwitscher Suppengrün

https://helftunsleben.de/duo-macht-theater-fuer-guten-zweck/

Annika benötigt dringend ein rollstuhlgerechtes Auto

Erbach. Für Bettina Badermann aus Erbach (Rhein-Hunsrück-Kreis) ist jeder Tag mit einem Kraftakt verbunden. Die 57-Jährige pflegt ihre mehrfach schwerstbehinderte Tochter Annika. Seit 25 Jahren rund um die Uhr. Sie wuchtet sie von ihrem Bett in den speziellen Rollstuhl und zurück, wickelt, füttert, umsorgt sie. Alle zwei bis drei Stunden muss Annika umgelagert werden. Bis vor einiger Zeit hob Bettina Badermann die junge Frau auch alleine in ihr Auto, um mit ihr zum Arzt zu fahren, Besorgungen zu machen oder einen Ausflug. Das geht heute nicht mehr.

Hirnhautentzündung hinterlässt bei Säugling schwere Schäden

Annika kam vor 25 Jahren als gesundes Baby zur Welt. Doch vier Tage nach ihrer Geburt traf die Familie das Schicksal mit voller Wucht. Annika bekam eine Hirnhautentzündung und eine Blutvergiftung. In Folge dessen erlitt sie eine schwere Hirnblutung und lag 14 Tage im Koma. „Die Ärzte wollten die Geräte ausschalten, weil sie nicht daran geglaubt haben, dass Annika überlebt“, sagt Bettina Badermann. Sie macht eine Pause, fügt hinzu: „Aber ich wollte das nicht. Und ich denke, das war auch gut so.“ Denn der kleine Säugling kämpfte sich zurück ins Leben.

Doch die Hirnhautentzündung hatte Annikas Gehirn schwer geschädigt. Seitdem ist sie blind und hat keine Kontrolle über ihren Körper. Sie kann nicht stehen, nicht alleine essen, und kaum sprechen. Hinzu kommen epileptische Anfälle, mit denen die 25-Jährige regelmäßig zu kämpfen hat.

Annika sitzt in ihrem Rollstuhl, in der Hand einen gelben Plastikring. Sie steckt ihn in den Mund und kaut darauf herum. Auf ihrem Bett im Wohnzimmer liegen allerlei Babyspielzeuge, mit denen sie sich beschäftigen kann. „Sie ist wie ein kleines Baby“, sagt ihre Mutter. Alles, was sie in die Hand nimmt, erkundet sie mit dem Mund. Und wenn es dann noch rasselt oder klackert, ist die Freude groß.

Als Annika 16 Jahre alt war, versteiften Ärzte in einer elfstündigen Operation ihre Wirbelsäule. „Annika hat in jedem Wirbel eine Titanschraube und Metallstäbe“, erzählt ihre Mutter. Hinzu kommt, dass Annikas linke Hüftpfanne nicht ausgebildet war, weil sie nie auf eigenen Füßen stehen konnte. Die Ärzte entfernten den Oberschenkelkopf und versahen ihn mit einer Titanplatte. Ein Bein ist nun 14 Zentimeter kürzer als das andere. „Sie wird niemals laufen können. Deshalb haben sich die Ärzte zu dieser OP entschieden, um ihr die Schmerzen zu nehmen, die sie hatte“, sagt ihre Mutter.

Unter der Woche besucht Annika die Tagesförderstätte der Lebenshilfe Rhein-Hunsrück in Kastellaun – an vier Tagen halbtags und einen Tag ganztags. Dies sind heute die einzigen Gelegenheiten, zu denen Annika das Haus verlassen kann. Denn Mutter und Tochter stehen vor einem großen Problem. Vor zwei bis drei Jahren schaffte es Bettina Badermann noch, ihre Tochter in einen speziellen, dem Körper angepassten Sitz ins Auto zu heben und sie festzuschnallen. Anschließend verstaute sie Annikas Rollstuhl im Kofferraum.

Heute ist Annika eine junge Frau geworden, hat in den vergangenen Jahren zehn Kilo zugenommen und wiegt heute 50 Kilo. Hinzu kommt: Die Anstrengungen der vergangenen Jahre sind auch an Bettina Badermann nicht spurlos vorbeigegangen. Sie hatte vier Bandscheibenvorfälle, bekam im September 2014 das erste künstliche Kniegelenk eingesetzt, im Juni 2016 das zweite. „Ich bekomme meine Tochter gerade noch so auf ihr Bett gehoben“, sagt Bettina Badermann.

HELFT UNS LEBEN, die Hilfsorganisation unserer Zeitung, will Mutter und Tochter aus ihrer derzeit ausweglosen Situation helfen. Denn Annika benötigt ein Spezialfahrzeug, in das ihr Rollstuhl einfach über eine Rampe hineingeschoben wird und in dem sie im Rollstuhl sitzen bleiben kann. Da Annikas Wirbelsäule seit der großen Operation sehr empfindlich ist, muss das Fahrzeug auch hydraulisch gefedert sein, um die Stöße abzufangen.

Doch Bettina Badermann kann sich ein solches Spezialfahrzeug nicht leisten. Sie ist auf staatliche Unterstützung unter anderem durch Hartz IV und Pflegegeld angewiesen, weil sie nicht arbeiten gehen kann. Wenn Annika einen epileptischen Anfall hat, muss Bettina Badermann zur Stelle sein und schnell jemanden suchen, der ihre Tochter aus der Tagesförderstätte abholt. Oder Annika kann die Einrichtung gar nicht erst besuchen, wenn sie am Abend zuvor gekrampft hat. Das passiert ungefähr einmal in der Woche. „Welcher Arbeitgeber macht das schon mit?“, fragt ihre Mutter. Deshalb will sich HELFT UNS LEBEN jetzt um ein passendes Fahrzeug kümmern.

Seit mehr als zwei Jahren versucht Bettina Badermann alle notwendigen Einkäufe und Behördengänge zu machen, wenn ihre Tochter in der Tagesförderstätte ist. Ist ihre Tochter aber krank oder die Einrichtung geschlossen, ist das nicht möglich, weil Annika nicht alleine zu Hause sein kann.

Keine Möglichkeit, ohne Hilfe gemeinsam das Haus zu verlassen

Bettina Badermann kann ihre Tochter weder zum Facharzt fahren, noch Ausflüge mit ihr unternehmen, sie zum Friseur fahren oder Bekannte besuchen. Ihr Leben daheim in dem 200 Jahre alten Bauernhaus in Erbach beschränkt sich auf das Erdgeschoss. Mit ihrer Tochter schläft Bettina Badermann gemeinsam im Wohnzimmer. Die Räume sind eng. Die Treppe ins Obergeschoss können weder die Tochter noch die Mutter erklimmen. Dort oben wohnt der erwachsene Sohn von Bettina Badermann. „Wenn er nicht hier wäre, würden wir das alles nicht schaffen“, sagt sie. In seiner Freizeit neben seinem Job hilft er seiner Mutter, kümmert sich um Garten oder um Feuerholz.

Das Haus hatten noch die Eltern von Bettina Badermann gekauft, die in der Vergangenheit beide an Krebs gestorben sind. Sie besaßen keine Restschuldversicherung. Das Haus muss Bettina Badermann weiter abbezahlen. Auch der Vater von Annika und ihrem Bruder ist bereits verstorben.

HELFT UNS LEBEN bittet um Spenden für das Mädchen und seine Mutter. Die Bankverbindung lautet: HELFT UNS LEBEN, Sparkasse Koblenz, IBAN: DE72 5705 0120 0000 0013 13, Betreff: Annika.

Foto: Alleine kommen Annika Badermann (vorn) und ihre Mutter Bettina nur bis an die Rampe vor ihrer Haustür. Dann ist Schluss. Die Auffahrt zu ihrem Haus in Erbach ist steil, geschottert und mit dem Rollstuhl nicht zu bewältigen. In ihr Auto kann Bettina Badermann ihre Tochter nicht mehr allein heben. HELFT UNS LEBEN will die Anschaffung eines Fahrzeugs unterstützen, in das Annikas Rollstuhl hineingefahren werden kann. Foto: Denise Bergfeld

https://helftunsleben.de/annika-benoetigt-dringend-ein-rollstuhlgerechtes-auto/

Eine starke Familie braucht Hilfe

36-Jährige pflegt ihren an MS leidenden Ehemann – und erkrankt selbst an Krebs

Oberraden. Wenn Amerikaner „tough“ sagen, dann meinen sie damit Menschen wie Sabine Wittlich: Eine Frau, die kämpft und nicht jammert. Eine, die stark ist – aber jetzt doch in einer Situation steckt, in der sie um Hilfe bitten muss. Denn die junge Mutter aus Oberraden (Kreis Neuwied) hat nicht nur einen schwer kranken Mann zu pflegen, sie hat auch Krebs. Die Chemotherapie raubt der 36-Jährigen die Kraft.

Ihren Mann Markus weiterhin aus dem Rollstuhl in den Wagen zu hieven, um ihn am Familienleben teilhaben zu lassen, schafft sie nicht mehr. Den geleasten Citroën Berlingo könnte sie ablösen, wenn sie ihren Bausparvertrag kündigt. Doch den Wagen dann rollstuhlgerecht umbauen zu lassen, kostet fast 8000 Euro. Das ist einfach nicht mehr drin. Familie Wittlich braucht Hilfe.

Rückblende: Markus Wittlich ist ein sportlicher, junger Mann und in vielen Bereichen aktiv. Er hat schon Marathonläufe gemeistert, ein Sandsack hängt im Zimmer, er werkelt gern in der Garage. Dann 2006 der Schock: Die Ärzte diagnostizieren Multiple Sklerose (MS). Die Nervenkrankheit verläuft chronisch progredient, wie die Mediziner sagen. Das bedeutet zu Deutsch: Sein Zustand verschlechtert sich unaufhaltsam.

Anfangs sind die Symptome schwach ausgeprägt. Markus Wittlich kann noch halbtags als selbstständiger Computerfachmann arbeiten, kann Auto fahren, das Ehepaar fliegt gemeinsam in den Urlaub – zuletzt vor vier Jahren nach Korfu. Und sie bekommen sogar einen Sohn: Jonathan – „Joni“ genannt – ist heute dreieinhalb Jahre alt und der Wirbelwind in der Wohnung. „Er hält uns auf Trab“, sagt Sabine Wittlich, und sie lächelt dabei, weil sie das bei allem Stress nur positiv meint. Das Kind hält die Familie auch hoch.

Viel weniger erfreulich ist der Zustand ihres Mannes. Der hat sich dramatisch verschlechtert. Nach mehreren septischen Schocks ist Markus Wittlich bettlägerig, auf eine Verbesserung ist nicht mehr zu hoffen. Wenn der 48-Jährige sich bewegen will, leidet er an starker Ataxie: Er zittert, seine Arme schlagen unkontrolliert aus. Er kann nicht selbstständig essen, nur durch einen Strohhalm trinken. Wenn er redet, ist er vor allem für Außenstehende nur schwer zu verstehen. Bei all dem ist er aber geistig uneingeschränkt auf der Höhe. Markus Wittlich bekommt seinen Verfall voll mit.

Dass er deswegen nicht verbittert ist, verdankt er vor allem seiner Frau. Die macht morgens den Sohn fertig, bringt ihn in den Kindergarten, geht dann halbtags arbeiten und pflegt anschließend den Mann. Die Familie ist trotz allem noch viel unterwegs, macht immer wieder kleine Ausflüge. Möglich ist das, weil die Eltern und Schwiegereltern unterstützen, wo sie können. Auch Nachbarn, Freunde und Bekannte helfen immer wieder mit. Die Gemeinde hat bei der letzten Straßenerneuerung sogar ein kleines Stück Weg zum Garten mitteeren lassen. So hat Sabine Wittlich wenigstens die Chance, ihren Mann im Rollstuhl aus dem Haus zu bekommen – auch wenn der Weg ziemlich steil ist. „Wir sind manches Mal in den Büschen gelandet, aber Markus ist hart im Nehmen“, sagt sie und zwinkert ihrem Mann lächelnd zu.

Ihn in ein Pflegeheim zu geben, wäre weniger anstrengend und finanziell deutlich günstiger, kommt für Sabine aber nicht infrage. „Ich bin sicher, dass es ihm bei uns besser geht und wir besser auf ihn aufpassen“, erzählt sie mit voller Überzeugung. Und für den Sohn ist es unheimlich wichtig, dass der Papa da ist. „Als Markus kürzlich im Krankenhaus lag, hat er immer und immer wieder nach ihm gefragt“, sagt sie und berichtet von einer innigen Vater-Sohn-Beziehung trotz aller Einschränkungen: Wenn sie ihren Mann ins Auto gehievt hatte, war etwa klar, wer neben ihm sitzt und ganz begeistert ist.

Doch das ist heute praktisch unmöglich. Pfingsten war es, als Sabine Wittlich sich abtastete und dabei Knoten fühlte. „Bis dahin war ich nie krank, hatte nicht einmal einen Schnupfen. Da hatte ich ja auch überhaupt keine Zeit für“, erzählt sie. Doch dann die Schockdiagnose: Brustkrebs. Mittlerweile ist die 36-Jährige operiert worden. Die Aussichten? Ungewiss. Klar ist nur, dass Sabine Wittlich am Anfang von einem Jahr Chemotherapie steht. Und das hat Konsequenzen: Ihren Halbtagsjob als Physiotherapeutin kann sie vorerst nicht mehr ausüben. Auch für die Pflege ihres Mannes bräuchte sie Unterstützung. Passendes Personal zu finden, ist aber schwierig. Gleiches gilt für die Suche nach einer geeigneten Wohnung. Denn so sehr sich Wittlichs dank der tollen Dorfgemeinschaft in Oberraden wohlfühlen und so schön es ist, dass die Wohnung mit 130 Quadratmetern so geräumig ist, dass Markus im Rollstuhl halbwegs rangieren kann: Sie ist eigentlich zu teuer und vor allem alles andere als barrierefrei. Aber das bräuchten sie eigentlich, um mobil zu bleiben. Auch dabei braucht Familie Wittlich Hilfe.

HELFT UNS LEBEN ruft zu Spenden für Familie Wittlich auf. Wer helfen möchte, überweist bitt auf das Konto bei der Sparkasse Koblenz (MALADE51KOB) mit der Iban: DE72.5705.0120.0000.0013 13. Wer eine barrierefrei Wohnung in Oberraden oder Umgebung anbieten möchte, wendet sich an ulf.steffenfauseweh@rhein-zeitung.net

Foto: Familie Wittlich aus Oberraden ist schwer vom Schicksal gebeutelt. Ehemann Markus ist aufgrund Multipler Sklerose mittlerweile bettlägerig, jetzt hat seine Frau Sabine auch noch Krebs. Sohn Jonathan (3), hier auf dem Schoß seines Opas, kann trotzdem noch lachen. Foto: Ulf Steffenfauseweh

https://helftunsleben.de/eine-starke-familie-braucht-hilfe/

Jule braucht ein Auto, in das ihr Rollstuhl passt

16-Jährige aus Misselberg ist auf spezielles Hilfsmittel angewiesen – Wer packt beim Bau eines barrierefreien Zimmers mit an?

Misselberg. Jule ist fast 17, aber ihr Leben unterscheidet sich grundlegend von dem ihrer Alterskameraden. Schwerste Behinderungen und die Gefahr, jederzeit einen epileptischen Anfall zu erleiden, erfordern rund um die Uhr erhöhte Aufmerksamkeit. Ihre Einschränkungen werden zudem immer größer.

„Früher konnte sie allein durchs Dorf zur Oma“, sagt Mutter Silke Brenig. Das ist längst nicht mehr möglich. „Jule baut immer mehr ab“, bestätigt eine der Pflegerinnen, die sich tagsüber – auch in der Förderschule – mit um die Teenagerin kümmern. Die zurückgehende Mobilität stellt die Familie vor immer größere Schwierigkeiten. HELFT UNS LEBEN, die Hilfsorganisation unserer Zeitung, will ein wenig Entlastung schaffen. Zudem hoffen Vorsitzende Manuela Lewentz-Twer und Geschäftsführer Hans Kary, dass sich der ein oder andere bereit erklärt, der Familie aus Misselberg (Rhein-Lahn-Kreis) tatkräftig unter die Arme zu greifen.

Jule kommt kaum noch raus. Sie ist zu Hause, in der Schule oder in Therapie. Für die Fortbewegung benötigt sie einen Elektrorollstuhl, doch der ist riesig und wiegt rund 130 Kilo. Nichts, was man in den Kofferraum des Autos laden kann, um nach Nassau zu fahren und dort an der Lahn zu spazieren. Das kleine Misselberg hat zwar Fußwege in wundervoller Natur zu bieten, doch für Rollstühle sind diese nicht geeignet. Im vorhandenen Klapprollstuhl kann Jule aber wegen körperlicher Beeinträchtigungen nicht lange sitzen. „Das reicht gerade mal für einen kurzen Einkauf“, sagt Silke Brenig. Deshalb will HELFT UNS LEBEN jetzt für ein passendes Fahrzeug sorgen, in das der Elektrorollstuhl über eine Rampe gefahren und im Wagen sicher verankert werden kann. Zugleich muss der Zugang vom Fahrerraum zu Jules Platz jederzeit frei sein, ohne dass die Begleitperson erst umständlich um das Fahrzeug herumlaufen muss. Der Grund: Die 16-Jährige kann urplötzlich schwerste epileptische Anfälle erleiden, die bis zum Atemstillstand reichen. Dann zählt jede Sekunde. Nachts wird Jule mittels eines Pulsoxymeters überwacht, dass bei einer kritischen Unterversorgung mit Sauerstoff Alarm schlägt.

Segen und Fluch zugleich ist die steile Treppe vom Flur zu Jules Zimmer im ersten Stock. Dass die 16-Jährige es krabbelnd noch allein hoch und runter schafft, betrachtet ihre Mutter Silke Brenig als eines der weniger werdenden Zeichen von Selbstständigkeit. „Das kann aber schon mit dem nächsten schweren Anfall vorbei sein“, sagt die 37-Jährige und fügt hinzu: „Wir hätten dieses Haus damals nicht gekauft, wenn wir gewusst hätten, wie es sich mit Jule weiterentwickelt.“ An einen Treppenlift aber ist nicht zu denken. Dafür ist in dem kleinen Häuschen im alten Ortskern Misselbergs gar kein Platz. Ein Außenlift würde mit rund 40.000 Euro zu Buche schlagen. Eine Summe, die außerhalb aller Möglichkeiten ist. Außerdem hat Jule ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. „Ich fürchte, dass sie irgendwann bettlägerig wird. Dann wäre es ideal, unten ein Zimmer für sie zu haben“, sagt Silke Brenig.

Die mögliche Lösung: Ein überdachter Bereich an der Rückseite des Hauses im Hof könnte mit gemauerten Wänden versehen und zu einem Jugendzimmer für Jule mit barrierefreier Nasszelle umgebaut werden. Die Beauftragung von Profis kann sich die Familie, die bis vor Kurzem von Hartz IV lebte, nicht leisten. „Uns wäre sehr geholfen, wenn jemand sich das mal anschauen würde, eine Idee entwickelt und beim Bau mit anpackt, damit wird das überhaupt bezahlen können“, sagt Silke Brenig. Manuela Lewentz-Twer , Vorsitzende von HELFT UNS LEBEN, macht der Misselberger Familie Mut. „Vielleicht wird jemand auf ihre Situation aufmerksam und kann helfen“, sagt sie. Durch die zahlreichen von der Hilfsorganisation unserer Zeitung unterstützten Projekte und die damit verbundene öffentliche Aufmerksamkeit entstehen oft Kontakte, weiß die Vorsitzende.

Foto: Noch kann Jule (vorn) die steile Treppe zu ihrem Zimmer selbstständig bewältigen. Doch für die Zukunft soll sie im Erdgeschoss ihr neues Domizil finden. Mutter Silke Brenig (rechts) hofft, auf tatkräftige Unterstützer. Bei der Anschaffung eines Autos, in das Jules großer Elektrorollstuhl passt, will HELFT UNS LEBEN, die Hilfsorganisation unserer Zeitung ihren Beitrag leisten. Vorsitzende Manuela Lewentz-Twer und Geschäftsführer Hans Kary besuchen die Familie in Misselberg. Foto: Carlo Rosenkranz

https://helftunsleben.de/jule-braucht-ein-auto-in-das-ihr-rollstuhl-passt/